Stadionumbennenung in Nürnberg kommt nicht gut an
Isigreddid – eine Region schreit auf

Im Fußball geht es zu wie überall: Die Kommerzialisierung schreitet unaufhaltsam. Das haben die Fans des 1.FC Nürnberg nun auch am eigenen Leib zu spüren bekommen. Die Namensrechte wurden an die Norisbank verkauft, die das Frankenstadion kurzerhand in "Easycredit-Stadion"umbenannte – zum großen Ärger der Anhänger.

NÜRNBERG. Wenn Julius Neumann mit seinen Kumpels von den „Ultras Nürnberg 94“ am Ostersonntag die große schwarz-rote Fahne „Max-Morlock-Stadion“ in der Nordkurve ausrollt, dann tut er das mit einer Mischung aus Stolz, Trotz und Resignation. Denn das Stadion, in dem anschließend sein 1. FC Nürnberg gegen Kaiserslautern spielt, wird offiziell nie so heißen. Mitte März hat sich die in der Stadt ansässige Norisbank die Namensrechte am Stadion für fünfeinhalb Jahre gesichert. Aus dem „Frankenstadion“ wurde daraufhin für eine bis heute geheim gehaltene Summe das „Easycredit-Stadion“, benannt nach dem Renner im Produktportfolio der Norisbank, einem Ratenkredit.

Fans, aber auch Nürnberger Bürger, die ansonsten wenig mit Fußball am Hut haben, laufen seither Sturm. „Die Nürnberger machen sich wieder einmal zu Deppen der (Fußball-)Nation“, schreibt Leserbrief-Schreiber Thomas Mimler in der Regionalzeitung „Nürnberger Nachrichten“, die inzwischen auf Sonderseiten die öffentliche Reaktion bündelt. Und im Internet-Chatroom „www.pruefungsgeil.de“ der Uni Erlangen-Nürnberg sind es vor allem die Wirtschaftswissenschaftler, die sich über den Namen erzürnen. Höhepunkt des Protests war die von den Ultras Nürnberg organisierte inoffizielle „Taufe“ in „Max-Morlock-Stadion“ (nach einem berühmten Nürnberger Fußballer), zu der 600 Teilnehmer kamen.

Bei der Norisbank versucht man seither, die Wogen zu glätten, preist das eigene Erfolgsprodukt „Made in Nürnberg“ an. Der Ratenkredit, der nicht nur in 99 eigenen Filialen, sondern auch in rund 9 000 Geschäftsstellen derVolks- und Raiffeisenbanken angeboten wird, habe inzwischen einen bundesweiten Bekanntheitsgrad von 75 Prozent, Tendenz steigend. Prozentual zweistelliges Wachstum bei Umsatz und Ertrag und deutlich steigenden Mitarbeiterzahlen sind die Folge.

Dennoch ist die Bank von der Dauerdiskussion über den Namen genervt. „Wir haben damit gerechnet, dass der Name nicht auf Gegenliebe stößt“, sagt Sprecher Thomas Tjiang. Inzwischen werde in der Öffentlichkeit reichlich übertrieben, glaubt er.

Nun ist Namenssponsoring bei Stadien, Hallen oder Parks inzwischen in Deutschland längst weit verbreitet. Besonders die Finanzwelt engagiert sich und hofft auf einen weit reichenden Werbeauftritt, wenn „Sportschau“ oder „Sportstudio“ die Spiele einem Millionenpublikum präsentieren. Die Allianz-Arena in München, die Commerzbank-Arena in Frankfurt, die AWD-Arena in Hannover oder der Signal Iduna Park in Dortmund sind die markantesten Beispiele dafür. Kritische Stimmen gab es zwar dort auch. Doch nirgendwo kochte die Volksseele so sehr wie in Nürnberg. Einer der Gründe: Nie vorher wurde ein Stadion nach einem Produkt benannt, sondern stets nach einem Institut.

Darin sieht Bernd Samland, dessen Kölner Agentur Endmark eine der größten in Deutschland im Bereich Namensfindung ist, auch das Hauptproblem. „Einen Produktnamen zu verwenden, ist bereits suboptimal. Dass es sich zusätzlich noch um ein englisch benanntes Produkt handelt, verschärft die Sache noch“, sagt er. Viele Franken machen aus der Not bereits eine Tugend, schreiben den Namen in der veröffentlichten Meinung so wie sie ihn aussprechen: „Isigreddid“ ist in Mittelfranken inzwischen Ausdruck des Protestes gegen den ungeliebten Namen.

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