Stadt Hamburg vor Verlusten
HSV-Abstieg gefährdet 750 Arbeitsplätze

„Porsche, Genscher, hallo HSV“: Kaum ein Verein mobilisiert so viel Geld wie der abstiegsbedrohte Hamburger Sportverein. Geht der Klub am Samstag in die 2. Liga, verliert die Hansestadt einen Wirtschaftsfaktor.
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HamburgLotto King Karl ist ein Phänomen. Außerhalb Norddeutschlands weitgehend in Vergessenheit geraten, lockt der Sänger jedes Jahr Tausende Menschen zum Open-Air-Konzert in den Hamburger Stadtpark. Allerdings: Die Kritiker bemängelten, bei  seinem  42. Auftritt in dem Park am Wochenende sei der Funke nicht so recht übergesprungen.  Denn Lotto King Karl ist der Haussänger des HSV, eröffnet regelmäßig die Spiele mit seinem Vereinslied „Hamburg, meine Perle“.

Die vor dem letzten Bundesliga-Spieltag  steht der HSV nach einer Pleite gegen Stuttgart auf dem vorletzten Platz. Aus eigener Kraft kann er den Klassenerhalt nicht mehr schaffen. Abgestiegen ist er zwar noch nicht, aber die Stimmung im Norden steht kaum noch auf Kampf. Nach mehreren mauen Saisons in Folge fehlt vielen Fans die Inspiration.

Doch wirtschaftlich wäre der Klassenerhalt wichtig. Das betonte zuletzt auch der leidenschaftliche HSV-Sponsor Alexander Otto, im Hauptberuf Chef des Shoppingcenter-Betreibers ECE, im Handelsblatt-Interview. Ein Abstieg würde bedeuten, dass der Vereinsetat von jetzt 120 Millionen auf 75 Millionen Euro sinkt. Fernseh- und Sponsorengelder würden weniger sprudeln – auch wenn Otto an seinen zehn Millionen Euro für ein neues Jugendtrainingszentrum festhalten will.

Einige Mitarbeiter der Geschäftsstelle dürften Arbeitsplätze verlieren, warnte am Montag bereits die „Hamburger Morgenpost“. Dabei, so rechnete die Boulevard-Zeitung vor, habe der HSV noch nie so viel Geld ausgegeben wie in der laufenden Pleite-Saison: 52 Millionen Euro für Spielergehälter, dazu neue Spieler für 32 Millionen Euro. Auch mehrfache Trainerwechsel waren nicht kostenfrei zu haben.

Doch die Effekte eines Abstieges würden weit über den Verein hinausgehen. Das zeigt eine Studie des renommierten Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI):  Zu den 100 direkten vereinsangestellten kommen 1500 Teilzeitkräfte im Stadion, etwa als Ordner oder Würstchenverkäufer. Dazu kommen laut Studie zahlreiche Arbeitsplätze, die etwa durch Städtereisen von Fußball-Fans samt Übernachtung entstehen. 750 Arbeitsplätze in der Stadt sichere der HSV, schätzen die Wirtschaftsexperten bereits vor einigen Jahren. Das seien doppelt so viele wie der Lokalrivale Werder Bremen beziehungsweise Borussia Mönchengladbach in ihren Heimatstädten sicherten. Schließlich sei das Einzugsgebiet des HSV größer, die Stadt für Touristen attraktiver. 84 Millionen Euro steuere der HSV so zur Hamburger Wirtschaftskraft bei.

Die Marke HSV würde ein Abstieg stärker treffen als der ebenfalls drohende Rutsch des FC St. Pauli von der zweiten in die dritte Liga. Der Mythos HSV lebt auch davon, dass der Verein als einziger seit dem Bestehen der Bundesliga immer erstklassig war. Und: Laut Studie sind die HSV-Fans älter und einkommensstärker als der Durchschnitt. Kein Wunder: Der HSV hatte seine letzte echte Hochzeit Anfang der 1980er-Jahre: Er war 1979, 1982 und 1983 Deutscher Meister. Mehr als die Hälfte der Fans ist über 50 Jahre alt und war damals schon dabei.  Und schon damals spottete die Hamburger Punk-Band Goldene Zitronen über den Verein als Bastion der Besserverdienenden: „Porsche, Genscher, hallo HSV.“

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