Fußball
Stammspieler-Status kein Kriterium für WM-Aufgebot

Der Status eines Stammspielers im Verein ist nicht mehr zwingend erforderlich, um 2006 im WM-Aufgebot der deutschen Mannschaft zu stehen. Dies erklärte Bundestrainer Klinsmann im Rahmen der Leistungstests in Hamburg.

Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat sich gut neun Monate vor dem ersten Anpfiff bei der WM 2006 den realen Gegebenheiten des Alltags anpassen müssen. Am Dienstag nahm der Nationalcoach vor den Länderpielen gegen die Türkei in Istanbul (Samstag) und gegen China in Hamburg (12. Oktober) von seinem Grundsatz Abstand, nur auf Spieler zu setzen, die im Klub zum Stammpersonal gehören. "Es ist möglich, dass ein Spieler mit zur WM fährt, der im Verein nicht zu zum Zuge kommt", sagte Klinsmann im "Literaturhauscafe" an der Hamburger Außenalster.

Nach dem Confederations Cup im Sommer hatte Klinsmann den Nationalspielern noch "gedroht": Wer bei der WM dabei sein wolle, der müsse sich in der nunmehr laufenden Saison in seinem Klub "klar positionieren", müsse dort zu den "dominierenden" Akteuren gehören und sich "durchsetzen". Jetzt muss der Bundestrainer zurückrudern: Es wäre der "Idealfall", wenn er ausschließlich mit Stammspielern zur WM fahren könnte, "wir wissen aber sehr genau, dass dies nicht bei allen Spielern der Fall sein kann. Die Top-Mannschaften leisten sich zwei Top-Teams, das müssen wir einplanen", sagte Klinsmann.

Hitzlsperger, Hinkel und Deisler betroffen

Einige der potentiellen WM-Kandidaten haben derzeit einen schweren Stand. Thomas Hitzlsperger und der nun auch noch verletzte Andreas Hinkel haben beim VfB Stuttgart Probleme sich zu behaupten. Sebastian Deisler kommt bei Bayern München ebenfalls nicht in der von ihm selbst gewünschten Häufigkeit zum Einsatz. Assistenzcoach Joachim Löw sieht die Situation freilich noch gelassen: "Wir sind im ersten Drittel der Saison, man muss sehen, wie das weiterläuft. Ich sehe diese Fälle jetzt nicht so dramatisch. Entscheidend wird sein, wie die Situation im nächsten April ist."

Allein Robert Huth muss sich ernsthafte Gedanken machen. Der Verteidiger von Chelsea Londen bringt es beim englischen Meister weiter nur auf seltene Kurzeinsätze und läuft damit Gefahr, seine Zukunft in der Nationalmannschaft zu verspielen. "Das mit Robert Huth ist sicher ein Problem. Er hat jetzt schon über Monate hinweg nicht gespielt. Er hat ein enormes Potenzial, aber es reicht eben nicht, nur mit Weltklasseleuten zu trainieren. Auf Dauer ist es wichtig, regelmäßig zu spielen", sagte Löw. Diesmal gehört Huth freilich noch zum Kader.

Bis zur WM in Bestbesetzung

Ungeachtet der kleinen und großen Sorgen um sein Personal will Klinsmann neun Monate vor dem WM-Auftaktspiel am 9. Juni 2006 in München aber auch die Phase der Experimente allmählich beenden. "Es war ein deutliches Zeichen, dass wir den Kader von 35 Spielern diesmal deutlich reduziert haben", sagte der Bundestrainer. Jetzt solle versucht werden, "einen gewissen Rhythmus aufzunehmen" und in den fünf Testpartien bis zur Nominierung des WM-Kaders "möglichst in Bestbesetzung anzutreten, was aber nicht heißt, dass wir nicht weiter testen und probieren".

Lob für Borowski

Schon gegen die Türkei muss ohnehin der Ernstfall geprobt werden. Nach dem Ausfall von Michael Ballack, der allenfalls für das Spiel gegen China in Hamburg zur Verfügung steht, wird aller Voraussicht nach Tim Borowski in zentraler Mittelfeld-Position in die Mannschaft rücken. "Er hat gute Chancen", versicherte Löw und pries den Bremer als beispielhaften Spieler, der konsequent an sich arbeite. "Wir waren sehr kritisch mit ihm", räumte Klinsmanns Assistent ein, aber seit dem "Confed Cup" habe sich Borowski "ganz klar gesteigert. Wir sind absolut zufrieden mit ihm."

Beruhigenmder Fitness-Zustand

Beruhigend ist außerdem der aktuelle Fitness-Zustand des erweiterten Kaders. Nach den ersten Leistungstests in Hamburg, wo bis zum Dienstagnachmittag der insgesamt dritte Spieler-"TÜV" seit September 2004 stattfand, sagte Assistent Löw: "Ohne jetzt die einzelnen Ergebnisse genau zu kennen, muss ich sagen, dass sich einige Spieler erheblich verbessert haben." Auch der erneut aus den USA eingeflogene Fitness-Coach Mark Verstegen war voll des Lobes: "Vor allem bei der Beweglichkeit kann man die Fortschritte mit dem bloßen Auge erkennen."

Ballack, Christian Wörns, Hinkel und Miroslav Klose konnten die Tests verletzungs- oder krankheitsbedingt ohnehin nicht mitmachen, der angeschlagene Lukas Podolski absolvierte nur ein reduziertes Programm. Dies wollen Klinsmann und sein Stab bei der Auswertung aber ebenso berücksichtigen wie die jüngsten hohen Belastungen bei Spielern wie Kevin Kuranyi oder Fabian Ernst. "Wir werden die Beurteilung natürlich einfließen lassen, wenn jetzt zum Beispiel ein Spieler in der Vorbereitung auf diese Saison verletzt war", versicherte DFB-Internist Tim Meyer.

© SID

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