Stefan Effenberg

Der Tiger ist angezählt

Stefan Effenberg darf offenbar in Paderborn Trainer bleiben. Nach Gesprächen im Anschluss an die 0:4-Pleite gegen Kaiserslautern bekam der Coach vorerst Rückendeckung von Klubboss Finke und will die Wende einleiten.
Update: 13.02.2016 - 15:55 Uhr
Der Ex-Nationalspieler darf vorerst Trainer in Paderborn bleiben. Quelle: dpa
Stefan Effenberg

Der Ex-Nationalspieler darf vorerst Trainer in Paderborn bleiben.

(Foto: dpa)

PaderbornStefan Effenberg hat trotz der Krise beim Zweitligisten SC Paderborn Rückendeckung vom Klubboss erhalten und kann bei seiner ersten Anstellung als Trainer im Profifußball wohl weiter um seinen Arbeitsplatz kämpfen. „Er ist sich im Klaren darüber, dass er bisher im Februar noch nicht geliefert hat. Aber er hat mich damit überzeugt, wie er am kommenden Wochenende in Bielefeld spielen lassen will“, sagte Vereinspräsident Wilfried Finke am Samstag dem Online-Portal sport1.de.

Finke habe im Anschluss an die 0:4-Niederlage am Freitag gegen den 1. FC Kaiserslautern mit Effenberg und „wichtigen Spielern“ gesprochen. „Durch diese Gespräche habe ich das Gefühl bekommen, dass Effenberg Trainer bleiben sollte. Ich gehe davon aus, dass er in Bielefeld auf der Bank sitzen wird“, wird Finke zitiert.

Effenberg zeigte sich nach dem Telefonat mit dem auf Mallorca weilenden Vereinschef optimistisch, dass er die Gelegenheit bekommt, im anstehenden Ostwestfalen-Derby gegen Arminia Bielefeld am 21. Februar (13.30 Uhr) die Wende herbeizuführen. „Ich gehe so in diese Trainingswoche, dass ich am Sonntag in Bielefeld auf der Bank sitze“, sagte Effenberg im TV-Sender Sky.

Das machen „Effes“ Teamkollegen heute
Stefan Effenberg
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Stefan Effenberg ist neuer Trainer beim SC Paderborn. Der frühere Fußball-Nationalspieler einigte sich am Dienstag mit dem Bundesliga-Absteiger auf einen Vertrag bis zum 30. Juni 2017. Für Effenberg ist es die erste Station als Trainer. „Für den Einstieg in dieses Metier ist Paderborn eine Top-Adresse, was auch die eindrucksvollen Karrieren meiner Vorgänger zeigen“, erklärte Effenberg in einer Pressemitteilung auf der Vereins-Homepage.

Debüt als Trainer?
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Bereits am Freitag wird der 47-Jährige gegen Eintracht Braunschweig sein Debüt geben. Effenberg hatte 2004 seine Spielerkarriere beendet und 2012 die Fußballlehrer-Lizenz erworben. Seither wartete er auf ein Engagement im Profigeschäft und trat als TV-Experte für „Sky“ auf. Doch was ist aus denen geworden, mit denen er 2001 die Champions League gewann?

Oliver Kahn
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Da wäre zuvorderst Oliver Kahn zu nennen, auch liebevoll als Titan geadelt. Er wurde mit drei gehaltenen Elfmetern gegen Zahovic, Carboni und Pellegrino der Held des Finals gegen den FC Valencia (5:4 nach Elfmeterschießen). 2008 beendete er seine Karriere und zog sich zunächst vom Profitum zurück. Als Experte beim ZDF kommentiert er seither die Geschehnisse wichtiger Fußball-Spiele. „Irgendwann“, sagte Kahn, wolle er zurück ins Geschäft, voraussichtlich als Manager.

Samuel Kuffour
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Einer der Abwehrrecken von einst war Samuel, genannt Sammy, Kuffour. Der gebürtige Ghanaer wechselte 2005 nach Rom, kickte zudem in Livorno und Amsterdam. So gut wie in Oberbayern ward er jedoch nie mehr. 2009 beendete er seine Karriere und kehrte in seine afrikanische Heimat zurück, wo er seither sein Geld mit Immobiliengeschäften verdienen soll. Hat er damals nicht alles falsch gemacht, dürfte er auch noch von ein paar Mark leben, die unter seinem Kopfkissen liegen.

Patrik Andersson
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„Alter Schwede“, staunten einst die Mitspieler, als sie ihr Abwehrchef wenige Tage vor dem Endspiel gegen Valencia in der Bundesliga mit seinem Freistoß-Knaller gegen den HSV zum Meister machte. Nach dem CL-Finale verkauften die Bayern ihn nach Barcelona, wo er jedoch glücklos blieb. Seit 2008 ist Andersson Sportchef beim schwedischen Klub Malmö FF.

Thomas Linke
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Er war der Ruhige. Der Konstante. Einer, der nicht viel Aufhebens um seine Person machte, sondern durch Leistung überzeugte. Vor allem in der Abwehr. 2005 wechselte Thomas Linke zu Red Bull Salzburg, kam 2007 noch einmal zu den Bayern zurück und beendete seine Karriere in der 2. Mannschaft. Mittlerweile ist er zurück in der Bundesliga – als Sportdirektor des FC Ingolstadt. Dezent. Nahezu geräuschlos. Aber erfolgreich. Thomas Linke eben.

Willy Sagnol
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„Willyyyyyyyyyy“ schallte es durchs Stadion, wenn der Publikumsliebling am Ball war. Der Franzose gewann gleich in seiner ersten Saison bei den Bayern den Champions-League-Titel. 2007 verletzte er sich schwer und fand nimmer zu seinem Top-Niveau zurück. Zwei Jahre später war die Karriere vorbei. Zunächst blieb er dem FCB als Scout und Berater treu. 2014 wurde Sagnol jedoch zu Höherem berufen: Seither trainiert er den französischen Erstligisten Girondins Bordeaux.

Nach mittlerweile neun Spielen in Serie ohne Sieg hat sich die Lage der Paderborner in der Abstiegszone verschärft. Am Sonntag droht der Sturz auf den 17. Tabellenplatz. Die Partie in Bielefeld sei laut Effenberg „von enormer Bedeutung. Ob es ein Endspiel ist, müssen andere beurteilen.“

In der Situation um den angezählten Trainer ist Finke offenbar hin- und hergerissen. „In der Konstellation wird es schwierig, weiter zusammenzuarbeiten, um die Klasse zu halten“, hatte Finke der „Bild“-Zeitung (Samstag) gesagt. Es ist davon auszugehen, dass er von seinem Urlaubs-Domizil die Geschehnisse koordiniert. Für Sonntag sei eine weitere Telefonkonferenz mit den Verantwortlichen des Vereins geplant. Wann Finke nach Deutschland zurückkehrt, blieb vorerst unklar.

An weitere Suspendierungen wie im vergangenen Dezember, als die Spieler Daniel Brückner, Mahir Saglik und Srdjan Lakic mit sofortiger Wirkung freigestellt wurden, denkt Finke allerdings nicht. „Da standen wir unter einer Drucksituation, das hätten wir anders kommunizieren müssen. Das war auch mein Fehler“, räumte Finke laut sport1.de ein.

„Ich bin mir der Situation bewusst, ich kenne die Mechanismen im Fußball“, sagte Effenberg, der bereits am Freitag einen Rücktritt ausgeschlossen hatte. „Natürlich ist die Situation nicht einfach, aber es ist wichtig, dass man zusammenhält“, sagte Effenberg, der im vergangenen Herbst den Job in Paderborn angetreten hatte.

Finke hatte seinen Coach bereits in der Winterpause unter Druck gesetzt und ihn aufgefordert, „zu liefern. Denn wenn er nicht liefert, steigen wir ab.“ Am Samstagmorgen zitierte die „Sport Bild“ den mächtigen Club-Boss mit den Worten: „Jeder Trainer weiß, dass nach neun sieglosen Spielen auch die Trainer-Diskussion nicht ausbleibt.“

Der Bundesliga-Absteiger laufe Gefahr, direkt in die dritte Liga „durchgereicht zu werden“. Er sehe es „nicht so, dass wir es zu 100 Prozent schaffen“, sagte Finke und ergänzte: „Seit dem Spiel gegen Kaiserslautern bin ich zutiefst besorgt.“

Stürmer Süleyman Koc dagegen stellte sich trotz der sportlichen Talfahrt hinter seinen Trainer. „Ich weiß es nicht, ob Effenberg weitermachen darf, ich hoffe nicht, dass er rausgeschmissen wird. Er ist der Beste, er kann nichts dafür, dass wir so dumm sind und nicht das umsetzen, was er uns vorgibt“, sagte Koc bei sport1.de und betonte: „Wir können es nur als Team schaffen und wir werden es schaffen und wir schaffen es nur mit Effenberg.“

  • dpa
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