Steuer-Affäre im Fußball
Das absurde Wechseltheater um Cristiano Ronaldo

Kaum ist eine Steueranklage gegen Cristiano Ronaldo öffentlich, kursieren irre Wechselgerüchte. Verlässt der bestbezahlte Sportler wirklich Real Madrid? Nein, sagt der Real-Präsident. Es wäre auch sinnlos. Ein Kommentar.
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Kein Sportler verdient so fantastisch wie Cristiano Ronaldo. Das US-Magazin „Forbes“ schätzte sein Jahreseinkommen zuletzt auf rund 83 Millionen Euro. Gut ein Drittel davon entfällt auf Werbung. Allein durch seine Karriere hat der – neben Leo Messi – beste Fußballer aller Zeiten finanziell ausgesorgt. So jemand hat es eigentlich nicht nötig, gegen das Finanzamt zu zocken.

Doch genau dies ist nach Ansicht der spanischen Behörden in Ronaldos Namen passiert. Es geht dabei inhaltlich um die Vermarktung seiner Bildrechte. Das ist ein Riesengeschäft, auch über seine sportliche Karriere hinaus. Doch seit Dezember 2016 gibt es durch geheime Dokumente von „Football Leaks“ ernsthafte Zweifel, dass im Reich von Ronaldo alles korrekt zugegangen ist.

Der Fiskus teilt diese Haltung und will Ronaldo nun in Spanien vor Gericht bringen und verurteilen, so wie das zuvor schon bei Messi gelungen ist. Doch im Gegensatz zu dem Argentinier geht es bei dem Portugiesen um eine wesentlich höhere Summe, die dem Fiskus vorenthalten worden sein soll. Ronaldo droht daher eine Haftstrafe.

Seine Anwälte bestreiten die Vorwürfe. Doch die Knast-Perspektive macht den ohnehin als eitel bekannten Superstar offensichtlich kirre. Er droht, wie Dritte berichten, unverhohlen mit dem Weggang von Real Madrid. Angeblich gibt es erstklassige Interessenten, die genug Geld haben, um ihn zu kaufen: Manchester United, Paris Saint Germain oder ein Verein aus China.

Gut möglich, dass an diesem Interesse sogar was dran ist. Doch realistisch ist ein Wechsel von Ronaldo nach Frankreich oder England nicht. Denn in Europa wird er sich einer Auslieferung nach Spanien wohl kaum entziehen können. Wer kauft denn in Europa einen superteuren Altstar, wenn dieser womöglich bald hinter Gittern sitzt?

Sportlich macht das keinen Sinn, schließlich ist Ronaldo inzwischen 32 Jahre alt. Er ist zwar noch großartig in Form, doch länger als zwei oder drei Jahre wird er auf allerhöchstem Niveau kaum noch spielen. Wer solch einen Superstar in diesem Alter holt, darf also nicht nur an mögliche Erfolge denken, sondern muss die wirtschaftlichen Folgen kalkulieren. Und die sind gewaltig.

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  • Doch nicht nach Bayern, die würden doch NIEMALS einen Steuerhinterzieher verpflichten!!

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