Steuer-Fall Hoeneß
Staatsanwaltschaft durchsucht Finanzbehörden

Ab März steht Uli Hoeneß vor Gericht. Jetzt aber stehen bayerische Behörden im Fokus der Ermittler. Die Staatsanwaltschaft will herausfinden, wer vertrauliche Dokumente aus Hoeneß' Steuerakte an die Presse weiterleitete.
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MünchenRund sechs Wochen vor Beginn des Steuerprozesses gegen Uli Hoeneß haben Ermittler bayerische Finanzbehörden durchsucht. Die Staatsanwaltschaft will unter anderem herausfinden, wer ein Dokument aus der vertraulicher Steuerakte des FC-Bayern-Präsidenten an Journalisten weitergeleitet hatte. Im Oktober 2013 war dieses Dokument Hoeneß von Journalisten vorgehalten worden, wie Staatsanwaltssprecher Thomas Steinkraus-Koch am Donnerstag sagte.

Hoeneß habe daraufhin eine zweite Strafanzeige wegen Verletzung des Steuergeheimnisses gestellt. Bereits ein halbes Jahr zuvor hatte er nach Angaben der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen unbekannt erstattet, nachdem die Ermittlungen gegen ihn wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung an die Öffentlichkeit gelangt waren. Ermittelt wird wegen Verletzung des Steuer- und des Dienstgeheimnisses.

„Es soll geklärt werden, welche Personen Zugriff auf sowohl die elektronische Steuerakte wie auch die Steuerakte in Papierform des Herrn Hoeneß hatten und wie das interne Dokument an das Presseorgan gelangen konnte“, sagte Steinkraus-Koch.

Es handle sich bei dem Dokument um ein rein internes Papier, zu dem außerhalb der Finanzverwaltung nach bisherigen Erkenntnissen niemand Zugang hatte. Die Staatsanwaltschaft erwirkte daraufhin Durchsuchungsbeschlüsse „für Objekte im Bereich der Bayerischen Finanzverwaltung“.

Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks wurden das Finanzamt in Miesbach und das Rechenzentrum des Landesamtes für Finanzen in Nürnberg durchsucht. Steinkraus-Koch bestätigte die Orte nicht und wollte sich zu Details der laufenden Durchsuchungen am Donnerstag ebenfalls nicht äußern.

Die Ermittlungen gegen Hoeneß wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung waren im April 2013 öffentlich geworden, Ende Juli erhob die Staatsanwaltschaft München Anklage gegen den Bayern-Boss. Vom 10. März an muss Hoeneß sich vor dem Landgericht München verantworten.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Steuer-Fall Hoeneß: Staatsanwaltschaft durchsucht Finanzbehörden"

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  • Was macht denn der Wowereit, wenn Bayern nicht mehr in den LFA einzahlt???

  • Haben Sie unwiderlegbare Beweisen, daß Hoeneß Steuern hinterzogen hat oder soll auf Grund eines Anfangsverdachts ein Urteil gesprochen werden?

  • Wenn ich mir hier so manche Kommentare ansehe, so sollte man vielleicht auf begründen, warum die Herausgabe von steuerrelevanten Informationen eine Straftat ist, die unbedingt geahndet werden muss:
    Als Selbständiger werde ich vom Finanzamt geprüft. Das Finanzamt weiß daher wirklich alles über mich. Mein Finanzamt kann nahezu lückenlos darüber Auskunft geben, was ich wann wo gemacht habe. Neben dem Buchhaltungsjournal hat das Finanzamt schließlich Zugriff auf sämtliche Belege, Kreditkartenabrechnungen und Kontoauszüge. Dass Finanzämter ein Interesse daran haben, geradezu Bewegungsprofile zu erstellen, konnte ich selbst feststellen, als mich ein Prüfer mal fragte, warum er für eine Zeit von zwei Wochen keine Belege und noch nicht einmal Kontobewegungen fand. Nun, da war ich auf einem Segeltörn. So, eigentlich regen sich hier doch alle immer über die Datensammelwut des Staates auf. Das Finanzamt weiß bereits alles über mich. Und ich möchte eben nicht, dass diese Informationen raus gehen. Auch nicht an andere Behörden. Dass es hier unerlaubten Austausch gibt, konnte ich selbst schon daran erkennen, dass es massive Probleme mit meinem Finanzamt gab (fingierte Strafanzeige), nachdem ich Stress mit den Abfallwirtschaftsbetrieben meiner Kommune hatte. Leider sind die Behörden in einigen Kommunen derart verquickt, dass zum Schaden des Bürgers gemauschelt wird. Daher sind Beamte, die vertrauliche Informationen nach draußen geben, unbedingt strafrechtlich zu verfolgen und ohne Pensionsansprüche fristlos zu entlassen. Ansonsten leidet nämlich irgendwann die Kooperationsbereitschaft der Steuerzahler mit den Finanzbehörden. Und dann gibt es im Endeffekt weniger Geld für den Staat.

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