Stimmen zur WM-Auslosung
Deutsche freuen sich über Glückslose

Ein Land, eine Meinung: Ganz Fußball-Deutschland war hochzufrieden über die Glückslose Costa Rica, Polen und Ecuador. Auf Gastgeber Deutschland warten beim Unternehmen WM-Titelgewinn 2006 keine größeren Stolpersteine in der Vorrunde. "Wir nehmen die Favoritenrolle an."

HB LEIPZIG. Bundestrainer Jürgen Klinsmann blieb gar nichts anderes übrig, als dies zu sagen. Die Fußball-Welt gratulierte den Deutschen zu einer gelungenen Show, der Gastgeber freute sich über sein Losglück. Als "Glücksfee" Lothar Matthäus mit Costa Rica den Eröffnungs-Gegner für die deutsche Nationalmannschaft gezogen hatte, huschte Jürgen Klinsmann ein Lächeln der Erleichterung über das Gesicht.

"Ja, wir sind zufrieden. Das ist natürlich eine Gruppe, in der wir als Heimmannschaft weiterkommen müssen", sagte der Bundestrainer nach der Endrunden-Auslosung zur Weltmeisterschaft 2006 in Leipzig Genüsslich blickte Klinsmann auf das Tableau, auf dem der deutsche WM-Weg aufgezeichnet war: 9. Juni in München gegen Costa Rica, 14. Juni in Dortmund gegen Polen und am 20. Juni in Berlin gegen Ekuador.

Auch Franz Beckenbauer ließ keinen Zweifel aufkommen, dass es die DFB-Elf härter hätte treffen können. "Es gibt sicher schwierigere Gruppen als unsere", sagte Beckenbauer. Der WM-OK-Chef mahnte aber: "Eröffnungsspiele sind oft peinlich und mit einer bösen Überraschung für den Favoriten ausgegangen." Vor vier Jahren hatte Titelverteidiger Frankreich in Seoul gegen Senegal mit einem sensationellen 0:1 sein Vorrunden-Aus eingeleitet.

Die Bilanz spricht aber für Deutschland. Gegen den vermeintlich stärksten Gegner Polen hat die DFB-Auswahl in 14 Spielen bei zehn Siegen noch nie verloren. Keine einzige Partie bestritt der dreifache Weltmeister in seiner über 100-jährigen Geschichte gegen Costa Rica und Ekuador. Diese Gegner liegen aber auf den Positionen 21 (Costa Rica) und 37 (Ekuador) in der FIFA-Weltrangliste ebenso hinter den Deutschen (Rang 16) wie Polen (23). "Wir werden keine dieser Mannschaften in irgend einer Form unterschätzen. Wir werden sie bis ins Detail studieren", kündigte der Bundestrainer an.

In der Debatte um seinen Wohnsitz in den USA war das Auftakt-Los eine willkommene Vorlage, die Ex-Stürmer Klinsmann gerne aufnahm. "Costa Rica habe ich schon drei Mal gesehen. Es ist ja nicht so weit für mich aus Kalifornien", sagte der 41-Jährige. Die Beobachtung der Gegner ist aber nicht alleinige Chefsache. Noch am Samstag versammelte Klinsmann seinen Stab in Frankfurt um sich. Ein entscheidender und viel beschäftigter Mann wird in den kommenden Monaten Chef-Scout Urs Siegenthaler sein.

Die deutschen Gegner waren ebenso glücklich mit den von Pele, Johan Cruyff, Matthäus und Roger Milla gezogenen Losen. "Das ist das wichtigste Spiel in unserer Geschichte. Wir sind glücklich, das erste Spiel der WM bestreiten zu können", sagte Costa Ricas Trainer Alexandre Guimaraes. Sein Kollege aus Ekuador, Luis Suarez, gab Freude strahlend Interviews: "Das ist für uns eine ganz große Herausforderung, gegen Deutschland zu spielen. Wir wollen zeigen, was wir gelernt haben." Polens Coach Pawel Janas, als Spieler WM-Dritter 1982, jubilierte ebenfalls: "Das ist eine Riesensache. Schade nur, dass wir nicht das Eröffnungsspiel machen."

Lange Gesichter machten andere: Den Niederlanden blieb ein auf beiden Seiten gefürchtetes Duell mit Nachbar und Erzrivale Deutschland erspart. Dafür wurden Argentinien, Serbien-Montenegro und die Elfenbeinküste zugelost, weshalb sich "Oranje" als großer Verlierer des Abends fühlte. "Das ist eine richtig harte Gruppe. Es ist überhaupt nicht sicher, dass wir weiter kommen", sagte Bondscoach Marco van Basten. Für Beckenbauer war aber keineswegs die Gruppe C der dickste Brocken, sondern die Gruppe E mit Italien, Ghana, den USA und Tschechien. "Die scheint mir sogar noch ein bisschen schwerer."

Der "Kaiser" war nach der Leipziger WM-Woche mit unzähligen Sitzungen, vielen Interviews und der Auslosung als stimmungsvollem Höhepunkt erschöpft und erleichtert. "Ich glaube, wir haben diese Woche ganz gut hinter uns gebracht. Wir sind von allen Seiten mit Komplimenten bedacht worden", schilderte er das Echo auf die Gala in der Leipziger Messe. Weder das bunte Rahmenprogramm, noch die Moderationen von Heidi Klum und Reinhold Beckmann und schon gar nicht die von FIFA-Mediendirektor Markus Siegler souverän geleitete Auslosung selbst ließen Wünsche offen. Auch FIFA-Präsident Joseph Blatter, der den WM-Machern zu Wochenbeginn noch eine Schulnote 2+ gegeben hatte, sprach nun in Superlativen: "Ich bin überzeugt, dass aus der 2+ noch eine 1 wird."

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