Streit mit DFB
Gericht gibt Spielervermittler teils recht

Im Geschäft um Transfers von Fußballprofis kämpfen Spielerberater gegen Einschränkungen und haben einen Teilerfolg errungen. Der DFB musste nun vor dem Landgericht Frankfurt ausbaden, was ihm die FIFA eingebrockt hat.
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Frankfurt/MainIm Rechtsstreit um das neue Reglement für Spielerberater im Profifußball hat die Firma Rogon Sportmanagement einen Teilerfolg gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) errungen. Das Landgericht Frankfurt/Main hat einem Antrag der Agentur auf Einstweilige Verfügung in Teilen stattgegeben. Dies sagte ein Gerichtssprecher am Donnerstag. Bei der Verhandlung am Mittwoch hatte Rogon gegen den DFB geklagt. Dieser hatte die vom 1. April an geltenden Vorgaben vom Weltverband FIFA übernommen. Viele Spielerberater sehen darin einen unzulässigen Eingriff in die Dienstleistungsfreiheit.

In drei Punkten gab das Gericht Rogon recht. Demnach müssen sich Spielerberater, die sich beim DFB registrieren lassen, nicht den Statuten und Regeln der Fußball-Organisation unterwerfen. Außerdem befand das Gericht das Verbot von Vermittlungsprovisionen bei Spielertransfers, die sich an Ablösesummen orientieren, als nicht rechtmäßig. Dies gelte grundsätzlich auch für Honorare, wenn minderjährige Lizenzspieler vermittelt werden. Unklar ist, inwiefern das Urteil dem DFB Ungemach mit der FIFA bringen kann.

Spieleragenten brauchen nach den neuen Regularien im Profifußball nicht mehr wie bisher eine Lizenz, sondern können sich beim DFB für 500 Euro und unter Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses registrieren lassen. Kritisiert wird von Beratern vor allem, dass die Abtretung von Transferrechten nun verboten ist. In diesem Punkt folgte das Gericht dem Kläger.

Bisher war es öfter praktiziert worden, dass die Fußballprofis nicht mehr den Vereinen gehören, sondern die Transferrechte bei Unternehmen lagen. Die sogenannte „Third Party Ownership“ wird von der FIFA und auch dem Europa-Verband UEFA als ein Grundübel im Weltfußball angesehen. Weiterhin verlangen können die Verbände, dass Spielerverträge offen gelegt werden. Die FIFA erhofft sich mehr Transparenz im Millionengeschäft.

„Wir freuen uns, dass wir mit unseren Argumenten vor dem Landgericht zum überwiegenden Teil Erfolg gehabt haben“, sagte Rainer Koch, DFB-Vizepräsident Rechts- und Satzungsfragen beim DFB, schränkte aber ein: „Wir können uns nicht vorstellen, dass der Minderjährigenschutz zugunsten der Verdienstmöglichkeiten von Spielervermittlern zurückgestellt werden soll. Jetzt warten wir zunächst die schriftliche Urteilsbegründung ab und werden dann über das weitere Vorgehen entscheiden.“

Allein in der Saison 2013/2014 haben die deutschen Erst- und Zweitligisten insgesamt 100 Millionen Euro an Spielerberater bezahlt. Die Agentur Rogon gehört zu den bekanntesten in der Bundesliga und ist auch in Brasilien tätig. Sie betreut nach eigenen Angaben unter anderem Weltmeister Julian Draxler (Schalke 04), Roberto Firmino (1899 Hoffenheim), Luiz Gustavo (VfL Wolfsburg) und Alexander Meier (Eintracht Frankfurt).

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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