Streit um DFB-Akademie: Initiative setzt Bürgerentscheid durch

Streit um DFB-Akademie
Initiative setzt Bürgerentscheid durch

Der Verband des Fußball-Weltmeisters muss sich bei seinem „Jahrhundertprojekt“ DFB-Akademie weiter mit Widerstand aus der Bevölkerung herumschlagen. Eine Initiative setzte jetzt einen Bürgerentscheid durch.
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FrankfurtDie Initiative Pro Rennbahn hat einen Bürgerentscheid in Frankfurt erzwungen und damit die Debatte um das geplante millionenschwere Trainingszentrum des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) neu angeheizt. Die Überprüfung der Unterschriftenlisten hat nach Angaben der Stadt vom Mittwoch ergeben, dass von den 18.884 abgegebenen Unterschriften 13.715 gültig sind – erforderlich waren 13 604. Der DFB reagierte auch auf diese Nachricht gelassen, der Verband vertraut weiter auf die Zusage der Kommune.

Die Stadt plant, den Bürgerentscheid nun noch vor den Sommerferien - wahrscheinlich im Juni - durchzuführen. Mindestens 25 Prozent der Stimmberechtigten müssten dann für den Erhalt der Galopp-Rennbahn stimmen, damit der ursprüngliche Beschluss des Magistrats gekippt wird. Der bereits bestehende 99 Jahre gültige Erbbauvertrag für das 15 Hektar große Gelände beläuft sich auf sieben Millionen Euro und müsste in diesem Fall komplett neu verhandelt werden.

Der DFB will auf dem Gelände der bisherigen Rennbahn eine 89 Millionen Euro teure Akademie bauen: Ein „Jahrhundertprojekt“, wie Präsident Wolfgang Niersbach sagte. Geplante Übergabe des Areals ist der 31. Dezember 2015. 213 Architekten aus aller Welt haben sich bereits beworben, im Mai sollen die vier Gewinner gekürt werden.

„Das Bürgerbegehren ist ein demokratischer Prozess, den wir selbstverständlich respektieren. Gleichzeitig vertrauen wir den im Römer gefassten klaren Beschlüssen und sind zuversichtlich, dass die Frankfurter mehrheitlich die positiven Effekte der geplanten Akademie für ihre Stadt sehen“, sagte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker.

„2016 rollen die Bagger, Ende 2018 sollten wir komplett umziehen“, hatte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock im Dezember angekündigt. Zu den Widerständen aus der Bevölkerung sagte Niersbach damals: „Das ist alles in Absprache mit der Stadt geregelt, wir zweifeln nicht an der Seriosität. Wir haben nichts Verbotenes getan, wir haben nicht gedrängt.“ Das Gelände sei dem DFB schließlich angeboten worden.

Die Initiative Pro Rennbahn wehrt sich dagegen, dass „eine 150-jährige Tradition ausgelöscht wird“. Das Projekt DFB koste die Bürger Frankfurts nur Steuergeld fürs Prestige. 2015 läuft auf jeden Fall noch die komplette Turfsaison auf der Galopprennbahn. Dann sollen hier die A-Nationalmannschaft des DFB und andere Auswahlteams ihren Treffpunkt haben, auch die Spitzen-Schiedsrichter.

Geplant sind neben Trainingsplätzen auch Hotel, Halle, medizinische und sportwissenschaftliche Einrichtungen sowie ein Pressezentrum. Auch die Verwaltung des 6,8 Millionen Mitglieder und 26 000 Vereine starken Verbandes will von der Otto-Fleck-Schneise zum neuen Akademiegelände umziehen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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