Streit um DFB-Ausrüstervertrag eskaliert weiter
Bierhoff droht mit Rücktritt

Im Streit um den zukünftigen Ausrüster der deutschen Nationalmannschaft hat Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff mit seinem Rücktritt gedroht. "Ich habe das beim DFB auch schon angesprochen, und wenn es so sein sollte, dass ich das Problem bin, dann habe ich damit auch kein Problem. Dann lasse ich den Job sein, dann gehe ich halt", sagte der Europameister von 1996 in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung und ergänzte: "Wenn ich merke, dass die Skepsis mir gegenüber zu groß ist, dann müsste man es wirklich bleiben lassen."

Die Reaktion des Deutschen-Fußball-Bundes (DFB) kam prompt. "Ich denke überhaupt nicht daran, Oliver Bierhoffs Position zu überdenken. Er hat diesem Posten überhaupt erst ein Gesicht und ein Profil gegeben. Und er erfüllt seine Aufgaben zu 100 Prozent", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger der Bild-Zeitung.

Bierhoff bezieht sich mit dieser Aussage auf den Wirbel um seine Person, der im Zusammenhang mit dem Angebot des Sportartikel-Giganten Nike an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) über 500 Mill. Euro entstanden ist. Bierhoff wurde vor allem durch den deutschen Meister Bayern München, der wie derzeit auch der DFB vom deutschen Sportartikel-Hersteller Adidas ausgerüstet wird, Parteilichkeit vorgeworfen. Bierhoff hatte acht Jahre als Werbeträger für Nike gewirkt. Dazu Zwanziger: "Es wäre doch nicht im Sinne des DFB gewesen, wenn solch ein Angebot wie von Nike von uns ferngehalten worden wäre. Auf die Entscheidung hat Oliver Bierhoff keinen Einfluss."

"Ich-AG vom Starnberger See"

Der ehemalige Nationalstürmer hatte im November das Kuvert mit dem Angebot von Nike persönlich an den DFB überbracht. "Details" habe er nicht gekannt, "aber die Eckpunkte". Dass er nicht in die Gespräche mit Adidas und über das Nike-Angebot eingebunden gewesen sei, bemängelte Bierhoff in diesem Zusammenhang. "Deshalb auch meine Forderung, ich müsste eigentlich ins DFB-Präsidium - nicht etwa, weil ich machtbesessen wäre. Aber ein Verband, der vor allem durch die Einnahmen der Nationalelf lebt, müsste doch einen führenden Vertreter der Nationalelf im Präsidium sitzen haben", erklärte Bierhoff.

Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge hatte dem Nationalmannschafts-Manager zuletzt unterstellt, sich als ehemaliger Berater ganz bewusst für Nike eingesetzt zu haben: "Man kann sich so ein Angebot anhören, aber man darf es nicht in die Öffentlichkeit tragen. Und eben das wurde gezielt gemacht, um Druck zu erzeugen. Man muss mit diesen Dingen seriös umgehen, und eben das tut Oliver Bierhoff nicht", sagte Rummenigge der Sport Bild. Rummenigge hatte Bierhoff in diesem Zusammenhang als "Ich-AG vom Starnberger See" bezeichnet.

DFB-Präsident Theo Zwanziger und der Verband nehmen den Nationalmannschaftsmanager allerdings in Schutz. Schließlich sei es nicht verwerflich, wenn Bierhoff die Gewinnmaximierung des DFB forciere. "Man wirft Oliver Bierhoff zu Unrecht vor, dass noch eine Abhängigkeit zu Nike bestünde. Oliver Bierhoff hat unser vollstes Vertrauen, und er hat darauf zu achten, dass es zu keiner Interessenskollision kommt", hatte Zwanziger bereits am Dienstag auf einer Pressekonferenz in der DFB-Zentrale in Frankfurt betont.

© SID

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