Streit um TV-Milliarden vertagt

Ohrfeigen für Rummenigge und Schweinchen Schlau

Bayern München will viel mehr Geld aus dem TV-Topf. Doch die Debatte darüber wird vertagt, um das schöne Image der Fußball-Bundesliga nicht zu gefährden. Ein Burgfrieden auf Zeit – bis der neue Fernseh-Deal perfekt ist.
Der DFL-Ligapräsident gibt im Anschluss an die Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Frankfurt am Main eine Pressekonferenz vor einer Sponsorenwand. Die 36 Clubs der 1. und 2. Fußball-Bundesliga berieten über die Verteilung künftiger TV-Milliarden. Quelle: dpa
Reinhard Rauball

Der DFL-Ligapräsident gibt im Anschluss an die Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Frankfurt am Main eine Pressekonferenz vor einer Sponsorenwand. Die 36 Clubs der 1. und 2. Fußball-Bundesliga berieten über die Verteilung künftiger TV-Milliarden.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie 36 Klubs der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga rücken wieder zusammen. Kein öffentlicher Streit mehr um TV-Gelder, keine unliebsamen Anträge zu Eigentumsverhältnissen mehr, sondern gelebte Einigkeit nach außen. Dies ist das unerwartete Ergebnis der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Frankfurt.

Ausdruck dieser neuen Grundhaltung der Profiklubs ist, dass Zweitligist FC St. Pauli seinen Änderungsantrag zur Verteilung der TV-Gelder ab der Saison 2016/17 noch vor der Mitgliederversammlung zurückgezogen hat. Dies passierte im Einvernehmen mit Liga-Präsident Reinhard Rauball.

Andreas Rettig hatte den umstrittenen Antrag gestellt und von Bayer-Manager Rudi Völler dafür den Spitznamen „Schweinchen Schlau“ erhalten. Rettig und St.-Pauli-Präsident Oke Göttlich erläuterten ihre Haltung nur unter dem Punkt „Verschiedenes“ in der Mitgliederversammlung der Profivereine.

Der Zweitligist wollte Klubs, die sich mehrheitlich im Besitz von Konzernen oder Mäzenen befinden, von den Erlösen aus der Zentralvermarktung ausgrenzen. Dies hätte nach dem jetzigen Stand den VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen und 1899 Hoffenheim betroffen.

St.-Pauli-Manager Rettig erklärte, er sei „extrem verwundert“ darüber, wie dieses Ansinnen in der Öffentlichkeit angekommen sei. „Es entstand der Eindruck, die Zentralvermarktung steht auf dem Prüfstand und die Solidarität infrage“, sagte Rettig. „Unsere Intention war nie, dass die 2. Liga einen Verteilungskampf einläutet.“

Der FC St. Pauli twitterte: "Schweinchen Schlau, du cooler Typ!" Die Mitarbeiter meinten damit ihren Manager Andreas Rettig.
Tweet von St. Pauli

Der FC St. Pauli twitterte: "Schweinchen Schlau, du cooler Typ!" Die Mitarbeiter meinten damit ihren Manager Andreas Rettig.

Rauball nahm die Entscheidung von St. Pauli zum Anlass, an die Profi-Klubs zu appellieren: „Jetzt ist es unerlässlich, dass bei dem Thema wieder etwas Ruhe einkehrt.“ Die Standpunkte seien ausgetauscht, aber man dürfe nicht außer Acht lassen, dass die Liga noch keinen neuen TV-Vertrag habe. Wichtig sei, auch wegen der Abstimmung mit dem Kartellamt: Alle Beteiligten sollten sich in der Öffentlichkeit „diszipliniert verhalten“.

Überdies entscheide über die Verteilung der TV-Gelder anschließend nur der Liga-Vorstand, sagte Rauball weiter. Dies sei in der Satzung der DFL so vorgesehen. Diesem Gremium sei es bisher zudem jedes Mal gelungen, Einvernehmen herzustellen – trotz unterschiedlichster Interessen der einzelnen Vereine.

 

„Die erfolgreichsten Ligen der Welt sind alle zentral vermarktet“
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