Studie
Das überschätzte Turnier

Die Ökonomen sind sich einig: Der gesamtwirtschaftliche Nutzen der Weltmeisterschaft ist gering. "Unterm Strich verpufft der Effekt", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF. Die öffentliche Hand hat die Fußball-Weltmeisterschaft in einem nicht zu rechtfertigendem Ausmaß subventioniert. Dies ist das Fazit einer Studie der beiden Wirtschaftswissenschaftler Bernd Süßmuth (TU München) und Malte Heyne (Uni Bremen). Die beiden Ökonomen schätzen: Die Ausrichtung der Fußball-WM ist der deutschen Bevölkerung rund 260 Mill. Euro wert.

Der deutsche Staat investierte nach Angaben der Ökonomen dagegen 2,5 bis drei Mrd. Euro in die Ausrichtung des Turniers. "Die Bereitstellung von öffentlichen Gütern durch die Ausrichtung von Sportgroßveranstaltungen rechtfertigt eine öffentliche Subventionierung in der aktuellen Höhe nicht", lautet das Fazit von Süßmuth und Heyne.

Eine repräsentative Umfrage unter rund tausend Deutschen, die die Ökonomen in Auftrag gegeben haben, ergab: Zwar halten 85 Prozent der Befragten die Ausrichtung der WM für einen Gewinn für Deutschland. Knapp die Hälfte ist trotzdem der Meinung, die Steuermittel für die Ausrichtung der WM hätten besser für andere Zwecke verwendet werden sollen. Im Schnitt wäre jeder Befragte bereit, gerade einmal 3,15 Euro dafür zu bezahlen, dass die WM im Deutschland stattfindet.

Auch der Nutzen des Turniers für die Gesamtwirtschaft wird vermutlich gering ausfallen. Diese Ansicht vertreten führende deutsche Ökonomen. "Unterm Strich verpufft der Effekt", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, dem Handelsblatt. Am ehesten kann sich der Volkswirt noch Auswirkungen auf die Konsumfreude im Gastgeberland vorstellen: "Das ist der mit Abstand sensibelste Bereich." Das Kaufverhalten sei durch die Weltmeisterschaft kurzfristig womöglich beeinflussbar - beispielsweise durch einen großen sportlichen Erfolg der deutschen Mannschaft und eine so ausgelöste Euphorie.

Konsumexperte Rolf Bürkl vom Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK ist ebenfalls skeptisch: "Die Stimmung der deutschen Verbraucher bessert sich zwar seit Jahresbeginn kontinuierlich. Das hat aber vermutlich mehr mit der für 2007 angekündigten Mehrwertsteuererhöhung zu tun als mit der WM", vermutet er. Diesen Schluss zieht Bürkl aus einer GfK-Analyse der Anschaffungsneigung deutscher Konsumenten. Mit dem Ergebnis: Viele Deutsche wollen den Kauf größerer Anschaffungen vorziehen, um der Steuererhöhung zuvor zu kommen.

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