Studie zu Fremdenhass und Gewalt im Fußball
Fanforscher: „Rassismus wird subtiler“

Offener Rassismus ist dank zunehmender Kontrollen und Aktionen der Vereine in deutschen Fußballstadien auf einzelne Vorfälle beschränkt. Doch raus aus den Arenen ist er deshalb noch lange nicht. Die Formen der Diskriminierung werden subtiler und verdeckter.

DÜSSELDORF. Dies sind zentrale Ergebnisse einer neuen Studie des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp), die Sport-Soziologe Gunter Pilz am Donnerstag in Berlin vorgestellt hat.

Besonders in den neuen Ländern seien die Problem größer, sagte Pilz im Gespräch mit Handelsblatt.com. „Das hat vor allem damit zu tun, dass die soziale Kontrolle in den dortigen Stadien nicht in der gleichen Weise vorhanden ist wie das in den alten Bundesländern der Fall ist.“

Rassismus sei aber keine fußballspezifische Erscheinung oder auf spezielle Bevölkerungsschichten begrenzt. Vielmehr sei der Fußball Spiegelbild gesellschaftlicher Problem. „Der Rassismus hat längst die Mitte unserer Gesellschaft erreicht.“ Das zeige sich auch im Stadion: „Das Thema ist über alle Zuschauergruppen im Stadion verteilt: Rassistische Parolen kommen aus der Fan-und Ultra-Kurve genauso wie von den Sitzplatzbereichen bis hin zu den VIP-Tribünen.“

Entscheidend sei, dass die Vereine konsequent gegen Schläger und rechtsradikale Parolen vorgehen. Gute Beispiele seien etwa der FC St. Pauli und der FC Schalke 04. Dagegen müsste etwa Dynamo Dresden mehr gegen Fremdenhass tun.

Teilergebnisse der Studie Wandlungen des Zuschauerverhaltens im Profifußball - Notwendigkeiten, Möglichkeiten und Grenzen gesellschaftlicher Reaktionen" waren bereits im Sicherheitskonzept der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 verankert. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sollen Einfluss auf den künftigen Umgang der deutschen Fußballclubs und des DFB mit ihren Fans haben.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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