Studie zum globalen Spielermarkt
Kleine sprechen beim WM-Gewinn ein Wörtchen mit

Es gibt international keine Fußball-Zwerge mehr - diese Erkenntnis von Ex-Teamchef Rudi Völler haben Forscher nun wissenschaftlich untermauert. Eine Studie zeigt die unterschiedlichen Folgen für Vereins- und Nationalmannschaftswettbewerbe - und warum Deutschland sich berechtigte Hoffnungen auf den WM-Titel machen kann.

HB BERLIN. Eine Ursache ist schnell gefunden: der mangelnde Nachwuchs im eigenen Land. Seit Fußball-Clubs in Europa ausländische Spieler fast unbegrenzt einsetzen können, fehlten den Vereinen die Anreize, neue Talente aufzubauen, sagt Arbeitsmarktforscher Michael Neumann von der Uni Würzburg. Dank des Kaufs von vornehmlich lateinamerikanischen Nachwuchsstars würden die reichen Ligen wie die in Spanien, Italien oder England europäische Vereinswettbewerbe zwar zunehmend dominieren.

Gleichzeitig holten die Nationalteams finanzschwächerer Länder aber auf, weil die reichen Mannschaften der europäischen Spitzenligen lieber Spieler im Ausland kauften, statt selbst Nachwuchs auszubilden. Machten Länder mit Top-Ligen früher auch eine WM oder EM unter sich aus, könnten Nationen mit ärmeren Ligen mittlerweile auf viel mehr Spieler mit Erfahrung in Spitzenteams zurückgreifen.

Auslöser der Entwicklung ist das so genannte Bosman-Urteil von 1995. Seitdem muss in der EU keine Ablöse für Spieler nach Vertragsende mehr gezahlt werden, und der Einsatz von EU-Ausländern in Vereinsmannschaften ist zudem unbeschränkt. Fußball-Teams stehen seit dem Bosman-Urteil vor einem Problem, das Ökonomen aus der Wirtschaft kennen, wie Neumann erläutert.

Weil Firmen keine Eigentumsrechte an ihren Auszubildenden haben und diese nach Ende der Ausbildung zu anderen Arbeitgebern wechseln können, schwindet der Anreiz, selbst auszubilden. Stattdessen werben Firmen und eben auch Fußball-Clubs lieber gut ausgebildete Kräfte ab. "Das war nach dem Bosman-Urteil gut zu beobachten: Die deutschen Vereine haben sich mit ausländischen Spielern eingedeckt, statt auf den eigenen Nachwuchs zu setzen", sagt Neumann. Für die Nationalmannschaft hat die fehlende Förderung von Talenten im eigenen Land jedoch verheerende Konsequenzen.

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