Studie zur Finanzierung von deutschen Fußballklubs
Bundesliga braucht mehr TV-Gelder

Die Vereine der Ersten und Zweiten Liga gehen davon aus, dass sich ihre wirtschaftliche Lage dank steigender Einnahmen und sinkender Ausgaben in den kommenden Jahren verbessern wird. Dabei bietet der TV-Vertrag für die Saison 2006/2007 keinen Grund zur Hoffnung.

FRANKFURT. Deutschlands Fußballmanager schätzen die derzeitige Situation der Fußballbranche deutlich positiver ein als noch im letzten Jahr. 65 Prozent bezeichnen die derzeitige wirtschaftliche Lage als gut oder eher gut. Im Vorjahr hatten nur 48 Prozent ein positives Urteil gefällt.

Die Mehrheit der Klubmanager (53 Prozent) geht zudem von steigenden Einnahmen in der kommenden Saison aus. Die Hoffnungen liegen dabei vor allem im Bereich des Sponsoring. 64 Prozent der Befragten erwarten, dass die Einnahmen aus dieser Quelle steigen werden. Das ist das Ergebnis einer Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young. Die Studie basiert auf einer Befragung von Managern der Klubs der Ersten und Zweiten Bundesliga.

Im internationalen Vergleich dagegen sieht die finanzielle Situation der deutschen Klubs eher schlecht aus. Denn aus der Vermarktung der TV-Verwertungsrechte nimmt die Bundesliga weit weniger ein als die anderen großen europäischen Ligen. Finanziell droht sie deshalb ins Hintertreffen zu geraten. In der kommenden Saison werden den Klubs insgesamt rund 295 Millionen Euro aus TV-Einnahmen zufließen.

Zum Vergleich: Die Premier League in England kann Einnahmen in Höhe von 710 Millionen Euro verzeichnen, die italienischen und französischen Vertreter der höchsten Spielklasse erhalten jeweils 550 Millionen Euro. Hauptgrund für die relativ niedrigen TV-Einahmen der Bundesliga ist die bislang geringe Marktdurchdringung des Pay-TV in Deutschland. Die Möglichkeit, Zusammenfassungen der Bundesligaspiele sehr zeitnah im Free-TV zu sehen, verringert die Attraktivität des einzigen Pay-TV-Senders Premiere.

"Signifikante Einnahmensteigerungen der Klubs ab Juli 2006 werden nur über das Pay-TV möglich sein“, so Arnd Hovemann von Ernst & Young. Deshalb werde die aktuelle Bundesligaberichterstattung künftig stärker auf das Bezahlfernsehen übertragen. „Noch lebt der deutsche Fernsehzuschauer, was das Programmangebot, den zusammenhängenden Spieltag und auch die zeitnahe Berichterstattung im Free-TV angeht, in paradiesischen Zuständen." Das müsse sich dringend ändern: "Andernfalls verlieren die deutschen Vereine finanziell den Anschluss“, so Hovemann.

Nicht nur die Einnahmen durch die Bundesligaberichterstattung muss sich erhöhen. Ebenfalls muss laut Ernst & Young das Geld anders verteilt werden. Falls beispielsweise Juventus Turin in der kommenden Saison wieder italienischer Meister wird, kassiert der Verein ca. 111 Millionen Euro aus TV-Einnahmen. Der englische Landesmeister erhält ungefähr 48 Millionen Euro und der französische Meister immerhin rund 32 Millionen Euro und damit das Doppelte der Einnahmen des deutschen Meisters (ca. 16 Millionen Euro).

Der Grund dafür ist der Verteilungsschlüssel, der die TV-Einnahmen gleichmäßig auf die Profiklubs verteilt. „Die Bundesliga muss sich entscheiden, ob sie am Solidaritätsprinzip festhalten oder die finanzielle Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Spitzenklubs auf europäischer Bühne über eine Änderung des Verteilungsschlüssels erhalten will. Beides gleichzeitig ist kaum möglich“, sagt Arnd Hovermann.

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