Stürmer erneut verletzt
Kollers Verletzung schockt siegreiche Tschechen

In den Jubel über den 3:0-Erfolg gegen die USA mischte sich bei den siegreichen Tschechen auch ein bitterer Beigeschmack: Die Verletzung von Stürmer Jan Koller trübte die Freude im Lager der Gewinner.

Jan Koller schlug die Hände vors Gesicht und wand sich vor Schmerzen: Schon nach 42 Minuten schien für den Dortmunder die WM beendet. In einer ersten Diagnose wurde ein Muskelriss im Oberschenkel diagnostiziert, der wohl das WM-Aus für den Torjäger der Tschechen bedeutet hätte. Doch nach einer Kernspintomografie in Gelsenkirchen konnte der 2,02 m große Hüne eine gute Stunde nach dem Abpfiff Entwarnung geben. "Es ist nur eine kleine Zerrung, ein Muskelfaserriss. Ich muss vier Tage Pause einlegen. Ich habe weiter eine Chance, bei der WM zu spielen, vielleicht nicht in der Vorrunde, aber dann wieder im Achtelfinale", erklärte Koller, dessen Blessur dennoch die tschechische Freude über den überzeugenden 3:0 (2:0)-Auftaktsieg gegen die USA trübte. Entsprechend drastisch waren noch die Kommentare der Teamkollegen ausgefallen.

"Dieser Erfolg könnte sich für uns als ganz bitterer Sieg erweisen, weil wir Jan Koller verloren haben. Das ist ein zu hoher Preis", sagte BVB-Klubkollege Tomas Rosicky, der mit zwei Toren (36. und 76.) und einer Weltklasseleistung maßgeblich zum erfolgreichen WM-Start des Mitfavoriten ausgerechnet in der Veltins-Arena des Dortmunder Erzrivalen Schalke 04 beigetragen hatte. 34 von 39 Pässen des 25-Jährigen, der sich im zentralen Mittelfeld mit Superstar Pavel Nedved ideal ergänzte, erreichten einen Mitspieler.

Auch Pechvogel Koller, der erst kurz vor der WM nach siebenmonatiger Zwangspause wegen eines Kreuzbandrisses sein Comeback gegeben hatte, war zunächst optimal in seine erste Weltmeisterschaft gestartet: Schon in der fünften Minute hatte der künftige Monegasse den Weltranglistenzweiten vor den Augen von Staatspräsident Vaclav Klaus mit einem für ihn typischen Kopfballtreffer in Führung gebracht. Doch über sein 43. Tor im 69. Länderspiel konnte sich der längste und schwerste WM-Spieler noch nicht einmal bis zur Halbzeitpause freuen.

Koller nach Laufduell verletzt

Nach einem Laufduell mit Oguchi Onyewu blieb Koller zum Entsetzen seiner fast 20 000 Landsleute unter den 52 000 Zuschauern mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen (42.) und musste vom Platz getragen werden. "Jans Ausfall ist das einzig Negative am heutigen Spiel. Leider ist die Verletzung schwer, das macht mich sehr traurig", sagte Trainer Karel Brückner: "Er hat so sehr gekämpft, um wieder ins Team zu kommen. Das ist der große Schatten über diesem Sieg."

Der Coach hatte Koller als einzige Spitze aufgeboten, weil ohnehin schon Milan Baros angeschlagen ist. Der Torschützenkönig der EM 2004 saß wegen einer Fersenverletzung nur auf der Bank. "Wir haben schon Vladimir Smicer vor der WM verloren, und Milan ist auch verletzt, wir müssen irgendwie mit dieser Situation fertig werden", sagte Rosicky. Ob Baros im zweiten Spiel der Gruppe E am Samstag (18.00 Uhr) in Köln gegen Ghana wieder mitwirken kann, ist fraglich. "Ich habe wieder Schmerzen", sagte der Stürmer von Aston Villa.

Rosicky glänzt als Doppel-Torschütze

Für Koller sprang Rosicky als Torschütze in die Bresche. Zunächst setzte der künftige Arsenal-Profi einen fulminanten Schuss aus 25 Metern unhaltbar für den Gladbacher Keeper Kasey Keller ins Netz, dann besiegelte er nach einem Traumpass von Nedved die achte Niederlage der Amerikaner im achten WM-Spiel auf europäischem Boden. Dazwischen hatte der scheidende Dortmunder noch die Latte getroffen (68.). "Der Trainer hat gesagt, wir sollen viel schießen, das habe ich gut hingekriegt", sagte Rosicky, der bei seiner Auswechslung vier Minuten vor Schluss von den tschechischen Fans frenetisch gefeiert wurde.

Die Amerikaner, die vor vier Jahren noch das Viertelfinale erreicht hatten, enttäuschten auf der ganzen Linie. Der Fünfte der Fifa-Weltrangliste kam lediglich durch Kapitän Claudio Reyna zu einem Pfostenschuss (28.) und durch den eingewechselten Eddie Johnson (70.) zu einer weiteren Chance. "0:3 zu verlieren, ist sehr enttäuschen. Aber das erste Tor hat uns gleich kalt erwischt", sagte der frühere Bundesliga-Legionär Reyna und blickte schon auf die nächste Partie am Samstag gegen Italien: "Wir müssen schnell aus unseren Fehlern lernen."

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%