Stürmer gedopt?
Behandlung mit manipuliertem Blut bringt Ronaldo unter Dopingverdacht

Eine Oberschenkelverletzung setzte den Stürmerstar Ronaldo lange außer Gefecht. Mitten in die Diskussion, ob Milan den Brasilianer nun sogar verkauft, platzte die nächste Bombe: Ronaldo steht unter Dopingverdacht.

HB BERLIN. Es mag am „Corriere dello Sport“ gelegen haben, dass Ronaldo Luís Nazário de Lima seine Heimreise nach Mailand vorgezogen und für heute morgen terminiert hat. „Milan verkauft Ronaldo“, hatte das italienische Sportblatt gestern getitelt und dies allem Anschein nach nicht nur, um beim Kioskverkauf ein wenig nachzuhelfen. Ronaldo überstrapaziert seit Tagen die Nerven der Milan-Funktionäre, weshalb Spekulationen des Corriere, Klub-Patron Silvio Berlusconi werde den alternden Superstürmer mit Beginn des Transfermarktes im Januar in die Auslage stellen, von Beobachtern des „Calcio“ geteilt werden.

Ronaldo doktert seit dem 31. Juli an einer Oberschenkelverletzung, die nicht verheilen will, weshalb er vorige Woche den Dottori Milans den Rücken kehrte und sich einen Termin beim Arzt der brasilianischen Nationalmannschaft Jose Luiz Runco in Rio de Janeiro geben ließ. Seither sind die Dottori verärgert, Trainer Carlo Ancelotti auch und dementsprechend der Ex-Staats-Presidente, der Insiderberichten zufolge angeordnet haben soll, die Causa Ronaldo auf die handelsübliche Weise zu schließen.

Ist’s mal wieder das übliche Theater? Nicht ganz, seit gestern schellen zu allem Übel bei der Anti-Dopingbehörde des Italienischen Olympischen Komitees (Coni) die Alarmglocken. Ronaldo steht unter dem dringenden Verdacht, zur schnelleren Heilung seiner Blessur sein Blut hat frisieren lassen. Mit anderen Worten: Er habe gedopt.

Im Zentrum der Ermittlungen steht Ronaldos Leibmedikus. Runco hat seinem Patienten, nicht ohne vorher den Italienern Dilettantismus vorzuwerfen, zur Behandlung des Oberschenkels angeblich proteinangereichertes Eigenblut zur Genmanipulation injiziert. Diese Methode ist seit dem 1. Januar 2003 von der Weltantidoping-Agentur Wada als Doping eingestuft und seit Dezember 2004 in Europa verboten.

Beim Coni wird nun eifrig debattiert, ob es sich bei der Bluttransfusion um eben eine Gentherapie handelt oder nicht. Coni-Chefermittler Ettore Torri will den „Fall genauer untersuchen. Ich will wissen, ob es sich nur um eine medizinische Behandlung handelt, oder ob eine Genehmigung notwendig war, die nicht beantragt worden ist.“ Der italienische Fußballverband soll nun Auskunft erteilen, Torre will aber nicht ausschließen, „dass Ermittlungen in die Wege geleitet werden.“

Bei Milan halten sie das für reichlich überzogen. Einer offiziellen Mitteilung des Klubs zufolge handelt es sich nicht um Eigenblutdoping, sondern um die legale Behandlung mit „Wachstumsfaktoren“. So werden Proteine genannt, die Signale von einer auf eine zweite Zelle weiterleiten und somit eine wichtige Rolle beim Wachstum von Zellen spielen. Unterteilt werden sie in sechs große Familien, eine davon ist die TGF-Familie, die für das Embryonalwachstum unerlässlich ist. Sie ist mit den IGFs, den insulin-ähnlichen Wachstumsfaktoren verwandt, die auf der Dopingliste stehen. Für Luigi Frati, Präsident der Anti-Dopingagentur des Coni, ist der Fall somit klar: „Die Behandlung mit Wachstumsfaktoren ist Doping.“

Frati stellte in Rom klar, dass Ronaldo in diesem Fall „vor der Behandlung hätte nachfragen müssen, ob er sich ihr unterziehen darf.“ Dies sei aber nicht geschehen, wofür es beim Coni und bei der Wada klare Regelungen gebe: Sperre, mindestens zwei Jahre. Einzig der Umstand, dass die Wada zu Verwandtschaft von IGFs und TGFs noch keine klare Stellung bezogen habe, könnte Untersuchungen gegen Ronaldo vorerst verhindern, so Frati. Aber man sei willens, Licht in die Sache zu bringen.

Ronaldo selber bestieg gestern die Maschine Richtung Mailand, schweigend. Er fliegt recht ungewissen Tagen entgegen.

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