Stürmer ist hochmotiviert
Schewtschenko will "Landsleute" rauskegeln

Im zweiten Viertelfinale zwischen Italien und der Ukraine sind alle Augen auf Superstar Andrej Schewtschenko gerichtet. Der Angreifer war zweimal Torschützenkönig in der Serie A und will seine "Landsleute" nun ärgern.

Wie ein Geist kursiert vor dem Viertelfinale gegen die Ukraine (21.00 Uhr/live in der ARD und bei Premiere) ein Name durch das Lager Italiens: Andrej Schewtschenko. Der Stürmerstar der Osteuropäer wurde zweimal Torschützenkönig in der italienischen Serie A und bereitet der "Squadra Azzurra" die größten Sorgen. "Er kann jeder Defensive der Welt mächtig Ärger machen. Andrej ist ein überragender Spieler. Er ist der Mann, den es zu stoppen gilt", erklärte Kapitän Fabio Cannavaro vor dem Duell in Hamburg. Die Begegnung reduziert sich auf ein Duell der besten Abwehr gegen einen der zurzeit besten Stürmer der Welt.

Italiens Abwehrzentrum ist löchrig

Doch ausgerechnet vor dem Härtetest plagen Trainer Marcello Lippi personelle Probleme im Abwehrbollwerk. Innenverteidiger Alessandro Nesta bekam nach einer Untersuchung in einer Duisburger Klinik wegen seiner Adduktorenverletzung kein grünes Licht für einen Einsatz, das Traumduo mit Cannavaro im Abwehrzentrum ist gesprengt.

Da Nesta-Ersatz Marco Materazzi eine Sperre absitzen muss, wird Lippi wohl oder übel auf eine Notlösung bauen müssen. Die einzige Alternative des "Mister" zum Milan-Verteidiger ist Andrea Barzagli, dessen Vita bescheidene acht Länderspiele aufweist.

Nesta stichelt gegen Deutschland

"Wir werden ihm helfen und Tipps geben", sagte Nesta und nahm seinen Vertreter aus der Schusslinie. Genau wie sein gesamtes Team, dass sich nach bislang durchweg uninspirierten Auftritten heftiger Kritik erwehren musste. "Es ist Mode, den italienischen Fußball zu kritisieren. Wir waren gegen Australien zu zehnt, das darf man nicht vergessen. Wenn die deutschen Journalisten uns kritisieren, zeigt das, dass sie Angst haben", murrte Nesta und eröffnete den verbalen Schlagabtausch vor einem möglichen Halbfinale gegen die DFB-Elf.

Zunächst aber gilt es in der Ukraine einen dicken Brocken aus dem Weg zu räumen, die "Sbirna" strotzt vor Selbstbewusstsein. "Wir werden bis zum bitteren Ende fighten. Wir wollen nun in jedem Spiel Geschichte schreiben", prophezeit Trainer Oleg Blochin. Der ehemalige europäische Fußballer des Jahres hofft auf einen weiteren Streich des letzten Überraschungsteams der WM. "Wir haben unser Minimalziel erreicht. Alles was kommt, ist eine Zugabe, aber ich bin sehr optimistisch", erklärte Blochin, der allerdings den Leverkusener Angreifer Andrej Woronin (Muskelfaserriss im Oberschenkel) ersetzen muss. Für den Bundesliga-Profi ist die WM vorzeitig beendet.

"Schewa" hat Sieg vor Augen

Trotzdem ist Schewtschenko vom Weiterkommen überzeugt. "Unsere Waffe ist die Gruppe. Wir werden auf Sieg spielen", kündigte Schewtschenko an. Sein Ziel ist klar: "Wir können mit einem Erfolg endgültig zu Nationalhelden werden!" Sollte es wie gegen die Schweiz erneut zu einem Elfmeterschießen kommen, will der zukünftige Akteur des englischen Meisters FC Chelsea trotz seines verschossenen Strafstoßes wieder antreten.

Im Vorfeld der Partie versuchte die Ukraine mit Sticheleien und Vorwürfen die Vorbereitung der Italiener zu stören. "Totti simuliert viel, die Schiedsrichter müssen aufpassen", warnte Mittelfeldspieler Andrej Gusin. Und sein Coach erntete mit der Antwort auf die Frage nach einem Einsatz des Superstars vom AS Rom schallendes Gelächter. "Das ist allein das Problem von Herrn Trapattoni", meinte Blochin - dabei heißt der italienische Nationalcoach Marcello Lippi ...

Italien bleibt cool

Italien reagierte auf die Angriffe gelassen, im Umgang mit Störfaktoren ist man auf dem Apennin längst routiniert. Seit Wochen überschattet der Wett- und Manipulationsskandal die WM-Auftritte des dreimaligen Weltmeisters. Am Donnerstag begann in der Heimat der Prozess gegen die vier Traditionsvereine Juventus Turin, Lazio Rom, AC Mailand und AC Florenz und wurde gleich bis Montag vertagt. 13 Spieler aus dem 23-köpfigen Kader könnten im schlimmsten Fall noch im Sommer zur Vereinssuche gezwungen sein. Lippi gesteht ein: "Wir müssen die volle Konzentration für das Spiel erst noch finden".

Zumal der Selbstmordversuch von Juve-Generalmanager Gianluca Pessotto die Mannschaft und das gesamte Land in einen Schockzustand versetzte. "Das ist schrecklich, wir sind sehr traurig. Jetzt wollen wir auch für ihn den Titel holen", sagte Nesta.

© SID

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