Stürmernotstand bei „Three Lions“
Schock für England: WM für Owen beendet

Die schlimmsten Befürchtungen haben sich bewahrheitet: Der englischer Fußballverband (FA)hat mitgeteilt, dass die Verletzung von Michael Owen das WM-Aus für Englands Stürmerstar bedeutet. Einzelheiten über die Verletzung im rechten Knie gab die FA vorerst nicht bekannt. Das übernahm stattdessen ein englischer Fernsehsender.

HB KÖLN/BÜHLERTAL. Englands Karneval in Köln dauerte nur eine halbe Nacht. Das WM-Drama um Michael Owen hat David Beckham und Co. schwer geschockt und bei den "Three Lions" vor dem Achtelfinale gegen Ecuador den Stürmer-Notstand ausgelöst. "Michael tut mir furchtbar Leid. Er hat unheimliches Pech, und für uns ist das ein großer Verlust", sagte Trainer Sven-Göran Eriksson am Mittwoch im englischen WM-Quartier. Eine Kernspintomographie in der Max-Grundig-Klinik nahe des englischen WM-Hotels Bühlerhöhe bestätigte die schlimmsten Befürchtungen nach dem 2:2 gegen Schweden. "Owen fällt für den Rest der WM aus", teilte der englische Verband FA offiziell mit.

Einzelheiten über die Verletzung im rechten Knie gab die FA vorerst nicht bekannt, englische Medien dagegen berichteten von einem Kreuzbandriss und einer Pause von mindestens sechs Monaten. Owen flog am Mittwoch nach England zurück und wird bei seinem Club Newcastle United weiter behandelt. "Es tut mir schrecklich Leid, dass ich die Jungs verlassen muss", sagte Owen, "aber ich bin sicher, dass sie ihren Weg gehen und weiter erfolgreich sein werden". Eriksson geht davon aus, dass Owen bald wieder spielen wird: "Er ist mental sehr stark und ein echter Profi. Er wird so schnell wie möglich wieder für Newcastle und England spielen."

Die 45 000 Zuschauer im ausverkauften Kölner Stadion, die zigtausend Fans vor den Großleinwänden am Rhein und Mill. Menschen in der englischen Heimat hielten den Atem an, als Owens 80. Länderspiel schon nach einer Minute vorbei war. Der 26-Jährige verdrehte sich bei einer unglücklichen Aktion das Knie, ging mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden und wurde wenig später vom Platz getragen. "Ich wusste sofort, dass da was passiert ist", sagte Owen.

"Es sieht nicht gut aus", meinte Eriksson nach dem Spiel. "Wir werden für ihn beten", sagte Steven Gerrard. Owens Frau habe nur noch geweint, berichtete ein FA-Sprecher. "Das ist niederschmetternd", sagte Kapitän Beckham zur Tragik des aktuell erfolgreichsten englischen Stürmers (36 Tore). Erst vor einem Monat war Owen, der sich am 31. Dezember den Fuß gebrochen hatte, zurückgekehrt.

Trainer Eriksson steckt im Dilemma, denn in Wayne Rooney, Peter Crouch und dem erst 17 Jahre alten und total unerfahrenen Theo Walcott stehen ihm für das Duell mit Ecuador am Sonntag in Stuttgart nur noch drei Stürmer zur Verfügung. Zudem ist der Einsatz von Rio Ferdinand (Leistenbeschwerden) fraglich. "Aber ich mache mir keine Sorgen. Mit Gerrard oder Joe Cole haben wir Alternativen", betonte der Coach und hofft auf Rooney-Tore: "Er wird immer besser."

An Rooneys Stelle bewiesen Cole (34.) mit seinem Traumtor zum 1:0 und Gerrard (85.) mit dem Kopfball zum 2:1 Torjägerqualitäten. "Zwei fantastische Tore", sagte Eriksson. Es reichte aber nicht zum ersten englischen Sieg gegen Schweden seit 38 Jahren. Die zunächst harmlosen Skandinavier trumpften nach der Pause auf und wirbelten Englands Abwehr durcheinander. "Defensiv müssen wir uns steigern, solche Tore aus Standardsituation dürfen wir nicht mehr zulassen", sagte Eriksson nach den Treffern von Marcus Allbäck (51.) und Henrik Larsson (90.).

"Bis auf die Gegentore war alles perfekt. Wir haben Deutschland vermieden und sind Gruppensieger. Ich bin sehr glücklich", stellte Eriksson trotz der Owen-Verletzung erleichtert fest. Auf dem Weg zum ersten WM-Titel seit 40 Jahren will sich der Weltmeister von 1966 auch nicht von Ecuador stoppen lassen. "Ecuador hat technisch sehr versierte Spieler. Sie werden uns das Leben schwer machen, aber wir wollen ins Finale und werden deshalb gewinnen", kündigte der 58- Jährige an und verabschiedete sich mit einem Gruß an seinen schwedischen Kollegen Lars Lagerbäck aus Köln: "Viel Glück am Samstag - und haut die Deutschen raus."

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