Subventionierte Starensembles
Staatskredit für Spaniens Fußballwunder

Sportlich sonnen sich Spaniens Klubs im Erfolg. Doch der ist auf Pump finanziert. Die Situation ist absurd: Während die Regierung einen harten Sparkurs fährt, leihen sich die Vereine vom Steuerzahler Milliarden.
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KölnSpaniens Fußballklubs haben in Europa die Vormachtstellung übernommen: Real Madrid und der FC Barcelona stehen im Viertelfinale der Champions League. Heute Abend schicken sich mit Atletico Madrid, Athletic Bilbao und Valencia auch drei Vereine in der Europa League an, ins Viertelfinale einzuziehen.

Doch der sportliche Glanz kann kaum überdecken: Wirtschaftlich steckt der spanische Fußball in seiner schwersten Krise. Mit vier Milliarden Euro stehen die Profiklubs nach Untersuchungen der Universität von Barcelona in der Kreide. Die Verbindlichkeiten sind so hoch, dass die Regierung nun Verhandlungen über einen Abbau der Steuerschulden aufgenommen hat. Doch ist es richtig, dass der Steuerzahler den sportlichen Erfolg subventionert?

Real Madrid hat nach eigenen Angaben beim Finanzamt keine Schulden. Der Club sei mit der Zahlung seiner Steuern und seiner Abgaben an die Sozialversicherung auf dem Laufenden, betonte der spanische Fußballrekordmeister nach Medienberichten vom Donnerstag in einer Erklärung.

Auslöser der Debatte war eine Anfrage der Linkspartei Izquierda Unida an die Regierung, die Steuerschulden der Klubs offenzulegen. Ergebnis: Anfang Januar schuldeten die spanischen Profiklubs den Finanzämtern 752 Millionen Euro. Davon entfallen 490 Millionen Euro auf die erste Liga. Von Schuldenabbau keine Spur: „In vier Jahren ist die Schuld der Vereine bei den Finanzämtern um fast 150 Millionen Euro gestiegen“, sagt die Abgeordnete Caridad García der Izquierda Unida. Es sei „ein echter Skandal“, dass die Behörden diese Entwicklung bei der Geldnot des Staates zugelassen hätten.

Aber statt die Schulden einzutreiben, deutete der für Sport zuständige Staatssekretär Miguel Cardenal vor wenigen Tagen einen Schuldenschnitt an – was im Ausland für einen Aufschrei sorgte: „Das ist für mich ein Hammer, das ist für mich undenkbar“, sagte der Präsident von Bayern München, Uli Hoeneß. Dass die spanischen Klubs sich den Erfolg mit Unterstützung des Staates kaufen, würde nicht nur den Wettbewerb in Europa verzerren, sondern weckt auch Erinnerungen an die Finanzhilfen für Griechenland. Muss am Ende „der deutsche Steuerzahler für Messi und Ronaldo blechen“, wie die „Bild-Zeitung“ titelte?

Ganz falsch ist der Gedanke nicht: Der Krisenstaat Spanien borgt sich derzeit mit Rekordzinsen Geld am Kapitalmarkt, und selbst diese Finanzierung hängt an europäischen Garantien. Und für die steht wiederum zunehmend Europas stärkste Volkswirtschaft ein, Deutschland.

Wenn Spaniens Regierung auf Steuereinnahmen von den Fußballklubs verzichten würde, spräche das allen Versprechungen zur Haushaltskonsolidierung Hohn. Auch daher ruderte Staatssekretär Miguel Cardenal nun zurück – und dementierte Pläne über einen Schuldenerlass: „Der Fußball wird seine Steuerschulden begleichen“, versprach er.

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  • Dieser flache Populismus um die Schulden spanischer Kulbs ist nicht nur bedauernswert, sondern kostet dem Staat (auch der EU) genauso viel Geld wie der weit hergeholte und frei erfundene Fall der Schuldenerlassung. Messi und Ronaldo Bspw. spielen bei Klubs, die nicht ein Cent an den Staat schulden. Und was die Verbindlichkeiten dieser Klubs mit privaten Banken angeht ist es einzig und allein ihr Problem. Anders sieht es bei Atlético, da kann ich als spanischer Steuerzahler (und nicht irgend eine Zeitung in Deutschland)den Ärger als aller erster nachvollziehen. ich bitte doch um etwas mehr Seriösität, bin selten etwas anderes aus Deutschland gewohnt.

  • Keine Markt (€) dieses mafioesen Strukturen in Spanien. Nicht 1,- € darf in die Taschen dieser Vereine fließen. Nicht direkt und nicht indirekt und unsere Steuergelder sind natürlich im Besonderen ausgeschlossen.
    Laßt die span. Vereine absaufen, dann sind sie da wo sie hingehören!!

  • Da scheinen einige Entscheidungsträger in Spanien ihren Verstand da zu haben wo normale Menschen drauf sitzen.

    Spanien ist zwar noch nicht so Pleite wie GR, dennoch ist es ungeheuerlich dass Sportvereine Staatkredite erhalten wo die Jugendarbeitslosigkeit bei über 35% liegt. Aber Hauptsache, die Jungs in den kurzen Hosen bekommen - nicht verdienen - ihr Millionen. Und zu allem Überfluß soll dann der deutsche Steuerzahler und die Steuerzahlerin für Spaniens Schulden haften.
    Wenn diese Vereine Pleite sind, dann sind sie halt Pleite und müssen von der Bildfläche verschwinden. Der wirtschaftliche Nutzen dieser Vereine ist der gleiche als wenn in China ein Sack Reis umfällt.

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