Südamerikaner blamieren sich bis auf die Knochen
2001: Brasiliens peinlichster Auftritt

Die „Seleçao “ blamierte sich beim Confederations-Cup 2001 in Japan und Korea bis auf die Knochen - am Ende reichte es nur zu Platz vier. Doch der Schuss vor den Bug kam anscheinend genau zur richtigen Zeit: Ein Jahr später sicherten sich die Südamerikaner ihren fünften WM-Titel.

BERLIN. Schon auf dem Flughafen Tokio-Narita entledigte sich der brasilianische Teammanager Antonio Lopes der lästigen Personalie. Er feuerte Nationaltrainer Emerson Leao. Kurz und schmerzlos, in einem Satz. Kein Warum, keine Begründung, aber gerade noch rechtzeitig, bevor Leao den Flieger in die Heimat bestieg. So hatte er die Chance, umzubuchen und in einen entlegenen Winkel dieser Welt zu flüchten, um dem Zorn des brasilianischen Fußballvolkes zu entgehen, das in solchen Angelegenheiten überhaupt keinen Spaß versteht.

Leao verlor seinen Job, weil die brasilianische Nationalmannschaft, Inbegriff von Kunst und Inspiration im Fußball, im Jahr 2001 nach fünf Niederlagen gegen Paraguay, Chile, Ecuador, Uruguay, Argentinien und Bolivien Gefahr lief, erstmals in ihrer Geschichte die Qualifikation für die Weltmeisterschaft zu verspielen. Und, weil sie beim jüngsten Konföderationen Pokal in Japan und Korea einen miserablen Auftritt hingelegt hatte. Zwei Nullnummern in der Vorrunde gegen die nicht gerade als Fußballgroßmächte bekannten Mannschaften aus Kanada (damals Rang 71 der Weltrangliste) und Japan (44) folgte nur ein Sieg gegen Kamerun. Zum Abschluss des Turniers setzte es im Spiel um Platz 3 gar ein 0:1 gegen Australien (68).

Dabei wollten die Brasilianer bei dem Turnier der Kontinentalmeister sich eigentlich bei den Franzosen für die 3:0 Niederlage im WM-Finale drei Jahre zuvor in Paris revanchieren. Die Franzosen, damals Welt- und Europameister, hatten sich schon nach den ersten beiden Gruppenspielen (5:0 gegen Südkorea und 4:0 gegen Mexiko) leicht und locker für das Confed-Cup-Halbfinale gegen Brasilien qualifiziert. Ohne Probleme gewannen die Franzosen nach Toren von Robert Pires und Marcel Desailly mit 2:1 das Spiel, das ohne die Protagonisten des WM-Finales Zidane und Barthez auf der einen sowie Ronaldo, Rivaldo und Ronaldinho auf der anderen Seite nur eine schlechte Kopie des WM-Endspiels war.

Ein Tor von Patrick Vieira reichte den Franzosen auch im Finale gegen Japan, das sich im Halbfinale gegen die überraschend starken Australier mit 1:0 durchgesetzt hatte. Damit sicherte sich Frankreich nach der WM und der EM 2000 den dritten Titel innerhalb von drei Jahren. Und die Brasilianer engagierten mit Luis Felipe Scolaris bereits den neunten Trainer innerhalb der letzten zehn Jahre.

Dass sich die Vorzeichen nur ein Jahr später umkehren sollten, ist hinlänglich bekannt. Mit Scolari schafften die Brasilianer letztlich doch noch problemlos die WM-Qualifikation. Ein Jahr nach dem blamablen Confed-Auftritt wurden sie in Japan Weltmeister. Zwei Tore von Ronaldo reichten im Finale gegen Deutschland, um den Titel zum fünften Mal nach Brasilien zu holen. Die ach so erfolgreichen Franzosen hingegen schossen in drei Spielen kein Tor und fuhren ohne Punkt nach Hause. Und Trainer Roger Lemerre - heute Trainer des Afrika-Meisters Tunesien, der beim Confed Cup in Deutschland antritt - durfte seinen Dienst quittieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%