Südamerikaner wollen ins Halbfinale
Brasilien will gegen Frankreich Revanche für 1998

Für Brasilien geht es im Viertelfinale gegen Frankreich um Wiedergutmachung für das verlorene Finale von 1998. "Wir müssen vergessen, dass wir damals verloren haben, und das Spiel wie ein Finale angehen", so Ronaldo.

Vor dem Vergleich mit Frankreich im Viertelfinale am Samstag (21.00 Uhr) in Frankfurt scheinen die Spieler der brasilianischen Nationalmannschaft das verlorene Endspiel von 1998 gegen die "Equipe Tricolore" aus den Köpfen gestrichen zu haben. Oder aber versuchen zumindest krampfhaft, es zu verdrängen. "Ich erinnere mich nicht mehr daran", sagt beispielsweise Roberto Carlos.

Aber auch Ronaldo versucht nach dem 3:0 (2:0) im Achtelfinale gegen Ghana die Vergangenheit zu verdrängen und fordert: "Wir müssen vergessen, dass wir damals verloren haben, und das Spiel wie ein Finale angehen." Kein Wunder, durchlebte der Angreifer des spanischen Rekordmeisters Real Madrid damals beim 0:3 im Stadion von St. Denis doch sein persönliches Drama.

Zur Erinnerung: Nur wenige Stunden vor der Partie spielten die Nerven Ronaldo einen Streich, der Kreislauf brach zusammen. Eine Untersuchung in einer Klinik ergab jedoch keinen Befund. Offiziell kündigte die Fifa Edmundo in der Anfangsaufstellung an, Ronaldo tauchte aber auf dem Platz auf und unter. Und mit ihm das ganze brasilianische Team. Wie unter Schock agierte der damalige Titelverteidiger, ließ sich von den Franzosen und dem überragenden Zinedine Zidane fast ohne Gegenwehr vorführen. Verschwörungstheorien machten die Runde. Auch wurde spekuliert, dass Stress oder zu viele Medikamente Ronaldos Körper außer Gefecht gesetzt hatten. Die ganze Wahrheit kam nie ans Licht.

Brasilianer liefern nur die Show der Resultate

Acht Jahre später ist der Torjäger wieder obenauf. Das 1:0 gegen Ghana in der fünften Minute war bereits sein 15. Treffer bei WM-Endrunden. Damit ist Gerd Müller seinen Rekord los, der deutsche "Bomber der Nation" ist nur noch Nr. zwei in der "ewigen WM-Torschützenliste". "Noch mehr Rekorde. Ronaldo wird zum König und steht vor Revanche gegen Frankreich", titelt dann auch die Zeitung Estado de Minas. Die übrigen Medien schreiben aber nach weiteren Treffern von Adriano (45. +1) und Ze Roberto (84.) nüchtern von einem "Sieg ohne Glanz" (O Globo) und "Auftrag erfüllt" (Estadao). Statt der Show des Fußballs liefert das Starensemble vom Zuckerhut nur die Show der Resultate. Vier Siege, 10:1-Tore, elftes gewonnenes WM-Spiel in Folge, zum 15. Mal in der Runde der letzten Acht, und doch blieb die Selecao auch gegen die Afrikaner, die sogar mehr Ballbesitz hatten, vieles schuldig.

"Die Geschichte der WM spricht nicht vom schönen Spiel, sondern von Weltmeistern. Und wir haben schon fünfmal den Titel geholt", meint Trainer Carlos Alberto Parreira süffisant, bemängelt dann aber: "Wir haben Schnelligkeit mit Eile verwechselt und zu viele Bälle zu früh im Angriff verloren." Empfänger der Botschaft war vor allem Ronaldinho. "Er ist nur auf einem durchschnittlichen Niveau", kritisierte der 63-Jährige den Dribbelkünstler vom FC Barcelona. Mit sieben Fehlpässen und vier Ballverlusten in Zweikämpfen blieb der amtierende Weltfußballer erneut blaß, versprach aber: "Mein Tor wird schon zum richtigen Zeitpunkt fallen."

Auf Treffer gegen den hohen Favoriten hatten auch die Black Stars aus Ghana gehofft, nach 18 "Fehl"-Schüssen Richtung Brasiliens Schlussmann Dida treten die Afrikaner mit gewonnenen Sympathien die Heimreise an. Da bleibt Trainer Ratomir Djukovic vor allem nach dem nicht geahndeten Abseitstor von Adriano nur die Erkenntnis, dass "Brasilien nicht unschlagbar, aber unberührbar" sei.

© SID

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