Südkorea dreht Rückstand
Afrika geht wieder leer aus

Nach dem chaotischen Vorspiel und der Trainer-Posse um Otto Pfister stehen Togos Fußballer bei ihrer Weltmeisterschafts-Premiere mit leeren Händen da. Gegen Südkorea, Halbfinalist bei der WM 2002, zogen die Afrikaner mit 1:2 den Kürzeren. Dabei sorgte ausgerechnet ein Bundesliga-Legionär für den Siegtreffer.

HB FRANKFURT/MAIN. Wie angewurzelt blieb Otto Pfister auf der Bank sitzen, nach den Chaos-Tagen seiner Mannschaft und der Trainer- Posse wollte Togos Coach mit sich und seiner Enttäuschung ganz allein sein. Als die Südkoreaner nach dem glücklichen 2:1 (0:1)-Sieg gegen den WM-Neuling ausgelassen jubelten und die enttäuschten Afrikaner vom Rasen schlichen, stand der 68 Jahre alte Kölner mit leeren Händen da. "Wir waren uns sicher, dass wir dieses Spiel gewinnen", sagte Pfister nach der bitteren Auftaktniederlage. "Ich bin schon enttäuscht - ich hätte mir drei Punkte ausgerechnet."

Ausgerechnet "Joker" Ahn Jung-Hwan vom Bundesliga-Absteiger MSV Duisburg sorgte am Dienstag in Frankfurt/Main in der 72. Minute für das siegbringende Tor der Südkoreaner zum mühsamen Auftaktsieg in der Gruppe G gegen den nie aufsteckenden WM-Neuling. Mohamed Kader hatte das historische erste WM-Tor für Togo erzielt (31.); nach dem 1:1 durch Lee Chun-Soo (54.) war der Traum vom ersten "Dreier" eines afrikanischen Teams bei dieser Endrunde geplatzt, zumal Jean-Paul Abalo eine Minute zuvor mit Gelb-Rot vom Platz geschickt wurde. Pfisters Kollege Dick Advocaat war mit sich und der Welt zufrieden: "Zum einen war das Glück heute auch auf unserer Seite, aber der Sieg war hoch verdient."

Pfister hatte erst 45 Minuten vor dem Anpfiff im Frankfurter WM- Stadion auf der Bank der Westafrikaner Platz genommen. Zuvor soll es nach Ankunft eines hohen Regierungsvertreters zu weiteren Unstimmigkeiten innerhalb des togoischen Fußballverbandes gekommen sein. Vor vier Tagen war der eigenwillige Kölner wegen eines Prämienstreits verärgert aus dem WM-Quartier abgereist.

Für Außenseiter Togo ging vor 48 000 Zuschauern in der ausverkauften WM-Arena zunächst alles schief: Erst mussten die Spieler die falsche Hymne über sich ergehen lassen, dann fanden sie auch auf dem Rasen nicht ihren Rhythmus. Aber auch die Südkoreaner boten eine erschreckend schwache Leistung, agierten ideen- und planlos. Selbst Eckstöße segelten ins Nirwana. Chancen - Fehlanzeige. Bei ihrer Heim-WM waren die Koreaner 2002 noch sensationell Vierter geworden. Dank der Steigerung nach der Pause drehte das Team von Dick Advocaat in Überzahl die Partie aber noch.

Die Harmlosigkeit der Asiaten in der ersten Halbzeit wurde von Kader bestraft: Nach einem Abwehrfehler schockte Togos Stürmer die Asiaten mit einem straffen 15-Meter-Schuss genau an den rechten Innenpfosten. Bei einem tückischen Freistoß von Yao Junior Senaya (42.) musste Koreas Keeper Lee Woon-Jae auf der Hut sein.

Erstmals bei dieser WM wurde das Dach über einer Arena geschlossen - aber nicht wegen der Hitze, sondern um störende Licht-Reflexe auf dem Rasen zu vermeiden. Unter der Kuppel staute sich dafür eine Dunstglocke, auf der Spielfläche herrschten rund 40° Celsius. Hunderte der 48 000 Plätze in der Arena blieben unbesetzt; vor dem Stadion blühte der Schwarzmarkt.

Advocaat wechselte den späteren Matchwinner Ahn Jung-Hwan erst zur Pause sein, Pfister strich den verletzten Karim Guédé von den Amateuren des Hamburger SV kurzfristig aus dem Kader. Bis zum Führungstor ging bei den defensiv eingestellten Afrikaner nach vorn fast gar nichts. Auch ihr bester Mann, Emmanuel Adebayor vom FC Chelsea, konnte in der harmlosen Offensive nicht für Torgefahr sorgen. Mit elf Treffern in der Qualikation hatte er den größten Anteil an der erstmaligen WM-Qualifikation der Togoer.

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