Superstar Ibrahimovic
Im Namen des Zlatans

Alle Fußball-Hoffnung Schwedens trägt einen Namen: Zlatan Ibrahimovic. Der Weltstar gilt als einer der besten seiner Zunft – und als Exzentriker. Sportlich verehrt, charakterlich umstritten: Portrait eines Superstars.
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BerlinSchwedens einzige Fußball-Hoffnung im WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland legte mal wieder einen atemberaubenden Charakter-Slalom hin. Weltstar Zlatan Ibrahimovic hat sich seit letzter Woche mal brutal, mal arrogant sowie größenwahnsinnig und dann plötzlich wieder charmant, mit brillantem Spielwitz, sowie als kinderfreundlicher Spaßvogel präsentiert. Und natürlich als rettender Siegtorschütze beim mühsamen 2:1 gegen die Färöer.

„Fußball ist Religion, und alle sind willkommen“, fasste der 31- Jährige vor dem Berliner Spiel im Interview mit dem Schweden-Sender Kanal 5 seine Grundhaltung zusammen. Wenn Trainer Erik Hamrén seine blaugelbe Truppe ansonsten eher biederer Fußball-Handwerker ins Olympiastadion schickt, ragt Zlatan, wie ihn daheim alle nennen, nicht nur wegen seiner 1,95 Meter heraus. Zeitweise der höchstbezahlte Fußballer der Welt mit Stationen bei Ajax Amsterdam, Inter Mailand, FC Barcelona, AC Mailand und jetzt Paris St. German, ist „Ibra“, wie ihn die italienischen Fans nennen, daheim auch noch als Buchautor fast so erfolgreich wie Joanne K. Rowling mit Harry Potter.

Im Bestseller „Ich bin Zlatan“ erzählt der Sohn bosnisch-kroatischer Zuwanderer lebendig, erfrischend ehrlich und auch ermutigend für andere von der wilden Jugend im „Problemviertel“ Rosengård seiner südschwedischen Geburtsstadt Malmö. Er beichtet seine schwer zu zügelnde Spielsucht mit Xbox und Playstation sowie den gefährlichen Hang zu 300 Kilometer pro Stunde im Ferrari Enzo.

Image sei ihm egal, berichtet Ibrahimovic in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Montag). „Das ist doch alles Folklore“, sagte er. „95 Prozent von dem, was in Zeitungen geschrieben wird, ist sowieso erfunden, 2,5 Prozent sind Vermutungen und nur die restlichen 2,5 sind die Wahrheit“, meint Ibrahimovic . „Es ist nur schade, dass ich für Falschmeldungen kein Geld bekomme.“ Apropos Geld: Die Millionensummen findet er gerechtfertigt: „Qualität hat eben ihren Preis. Qualität gab es noch nie umsonst.“ Schon gar nicht von Ibrahimovic.

Einnehmend ehrlich schreibt er auch über Tricksereien zusammen mit dem Agenten zur Anhebung der Transfersummen bei diversen Vereinswechseln. „Wir haben einfach gelogen“, liest man da über den Wechsel von Barcelona: „Real Madrid, Real Madrid, haben wir überall gestreut, aber in Wirklichkeit mit AC Mailand verhandelt.“

Weniger einnehmend fanden Journalisten, Mitspieler und Gegner letzte Woche beim schwedischen WM-Qualifikationsspiel auf den Färöer, dass Zlatan sie nacheinander grundlos beschimpfte und verächtlich machte. „Kindisch“ fand Frodi Benjaminsen, Kapitän der Gastgeberelf, den ihm vom Schweden-Kapitän verpassten Ellenbogencheck mitsamt folgenden Schimpftiraden über Einkommens- und andere Standesunterschiede.

Aber Zlatan sorgte dann eben auch mit einem Super-Pass zum 1:1-Ausgleich und dem selbst geschossenen 2:1-Siegtreffer für die bitter benötigten drei Punkte vor Schwedens Spiel gegen den klaren Gruppenfavoriten Deutschland. Als ihn nach dem Abpfiff im kleinen Torshavn der 12 Jahre alte Balljunge Helgi um das gelbe Trikot bat, war das schon vergeben. Der Weltstar mit den Diva-Allüren zeigte seine nette Seite: In „Aftonbladet“ war der kleine Helgi am Tag danach in Zlatans großen blauen Fußball-Hosen abgebildet.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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