Taktik der Nationalmannschaft
Ende eines deutschen Sonderwegs

Frings oder nicht? 4-4-2 oder 4-3-2-1? Fortsetzung der kleinen taktischen Revolution aus dem Spiel gegen Portugal oder nicht? Vor dem Halbfinalspiel der deutschen Mannschaft gegen die Türkei sind das die drängendsten Fragen der Nation. Die Antworten hütet Bundestrainer Joachim Löw wie ein Staatsgeheimnis. Gewisse Einblicke gibt es trotzdem, wie auch ein paar andere Indizien.
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TENERO. Doch, es geht immer noch ein bisschen geheimer. Zwar durften Fans und Medienvertreter schon in den vergangenen Wochen nicht dem Training der deutschen Nationalmannschaft beiwohnen, aber Letztere behalfen sich zunehmend mit einer Klettertour auf ein benachbartes Hotel. Bundestrainer Joachim Löw nutzt deshalb inzwischen einen anderen Trainingsplatz auf dem Centro Sportivo in Tenero. Nichts sollte in den Tagen vor dem heutigen EM-Halbfinale gegen die Türkei Aufschlüsse geben hinsichtlich der drängendsten Fragen der Nation: Frings oder nicht? 4-4-2 oder 4-5-1?

Gewisse Einblicke gibt es trotzdem, wie auch ein paar andere Indizien. Frings hat sich eine gute Woche nach seinem Rippenbruch wieder für einsatzfähig erklärt, und zumindest sein Kapitän scheint in einer Rückkehr keinen Nachteil zu sehen. "Er ist wieder fit, er hat die letzten Tage trainiert und sich zurückgemeldet. Er ist schmerzfrei und von daher kein Risiko, wenn er spielt", sagte Michael Ballack gestern. Besteht Frings die letzten Belastungstests, wäre es trotz seiner mäßigen Form in den ersten Turnierspielen nur zu logisch, würde einer der Referenzspieler der Ära Klinsmann/Löw wieder in die Mannschaft kommen. Für ihn müsste wohl eher Thomas Hitzlsperger als Simon Rolfes aus der "Doppel-Sechs" weichen.

Wenn, ja wenn es diese zweifache Absicherung vor der Abwehr überhaupt wieder geben wird. In ihrer reinen Form ist sie ein Merkmal der 4-5-1 beziehungsweise 4-2-3-1-Formation, womit man beim nächsten Thema wäre: Wird Löw wie gegen Portugal mit fünf Mittelfeldspielern agieren oder zum System mit zwei echten Stürmen zurückkehren, das er in den anderen 25 Spielen seiner Amtszeit praktizieren ließ? Dass er es überhaupt einmal aufgab, war schon eine kleine Sensation, so unverhandelbar hatte er es zuvor verteidigt als "bestes System für unsere Spielidee", sprich: "schnell und vertikal nach vorn zu spielen".

Und doch spricht vieles für eine Institutionalisierung der kleinen taktischen Revolution, zumindest bis zum Ende dieser EM. Die Äußerungen der Spieler etwa, allen voran jene von Ballack. "Im Moment ist es das Beste für uns, weiter so zu spielen", sagte der, und auch Torwart Jens Lehmann sprach sich jedenfalls "bei Auswärtsspielen, und das ist es hier ja für jedes Team" für das 4-5-1 aus. Damit stünde man "tatsächlich sicherer".

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