Terror, Böller und Fußball
Die neue Angst im Stadion

Das Erlebnis im Fußballstadion ist nicht mehr so unbeschwert. Durch den Terror dieser Tage wird die Angst zum ständigen Begleiter. Die Gefahr einer Massenpanik steigt. Der Bundesliga-Spieltag im Zeichen der Sicherheit.

DüsseldorfWenn heute um 20.30 Uhr der Hamburger SV gegen Borussia Dortmund in der Bundesliga um Punkte kickt, dann spielt auch die Angst mit. Die Spieler selbst können den Terror von Paris vielleicht im Match noch am besten abschütteln, doch ob das auch den Fans auf den Rängen gelingt? Gründe, Angst zu haben, gibt es genug: unabhängig vom Terror und wegen des Terrors.

Radikalen Fußballfans gelingt es seit Jahren regelmäßig, in vielen Bundesliga- und Pokalspielen Feuerwerkskörper ins Stadion zu schmuggeln und dort zu zünden. Das führte vereinzelt sogar zu Verletzungen, verursacht aber in jedem Fall Angstgefühle im Umfeld. Die Vereine haben das Problem noch immer nicht im Griff und kassieren daher regelmäßig hohe Geldstrafen. Wenn die Täter ermittelt werden konnten, verhängten die Gerichte in Einzelfällen sogar Haftstrafen.

Nach den Anschlägen von Paris und der damit einhergehenden Terrorgefahr für Großveranstaltungen wird die Pyrotechnik im Stadion vom Problem zur konkreten Gefahr: Im Stadion könnte schneller eine Massenpanik entstehen, weil die Zuschauer schon beim Zünden eines Feuerwerkskörpers einen möglichen Anschlag fürchten und ausweichen wollen.

Dieses Szenario beschrieb als einer der ersten der Unternehmer Martin Kind, Boss des Fußballvereins Hannover 96: „Böller waren immer verboten“, sagte er in der „Sport Bild“. „Jetzt hat das Zünden aber noch eine deutlich andere Qualität. Es könnte zu einer Situation führen, die nicht mehr kontrollierbar ist und hochgefährlich enden könnte.“

Deshalb appellieren nun Manager, Spieler, Polizei und Politiker unisono an die Fans, auf Feuerwerkskörper im Stadion zu verzichten. „In der aktuellen Lage wäre es geradezu fahrlässig“, sagte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz der Bundesländer, Roger Lewentz, der auch rheinland-pfälzischer Innenminister ist. „Liebe Fans, lasst die Pyrotechnik zu Hause, ihr helft in dieser angespannten Sicherheitslage damit der Polizei.“

„Wir wissen jetzt, dass es nicht mehr nur um Pyrotechnik geht“, pflichtete Jörg Radek, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), bei. „Auch die Stadien sind zu potenziellen Anschlagszielen geworden.“ Durchsuchungsmöglichkeiten sind allerdings begrenzt. Immer wieder gelangt Pyrotechnik in der Unterwäsche oder gar in Körperöffnungen ins Stadion. Es liegt der Schluss nahe, dass so auch weit gefährlichere Substanzen und Gegenstände einschmuggelt werden könnten. Das gilt jedoch für alle Menschenansammlungen.

Um andere Menschen zu gefährden, braucht es aber zuvorderst einen Täter. Und auf potenzielle Gefährder gebe es aktuell und in der Vergangenheit keine Hinweise. Zudem sei bei Menschenmengen immer das Vertrauen, dass nichts geschehen wird, die Grundlage, heißt es aus Expertenkreisen. Bisher hat sich dies als stichhaltig erwiesen.

Sicherheitsexperten warnen daher davor, „in Panik“ zu verfallen. „Dank der intensiven Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden können die Klubs auf gut funktionierende Netzwerke zurückgreifen", versuchte Hendrik Große-Lefert, der Sicherheitsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zu beruhigen. Es gebe zudem keine Hinweise, dass Spiele gefährdet seien.

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