Testlauf für längere Ladenöffnungszeiten
Nach dem Fußball zum Mitternachtsshopping

In Sachen Ladenschluss herrscht in diesen Wochen ungewohnter Freiraum: In vielen deutschen Städten lockt der Einzelhandel die Fußballfans mit ausgedehnten Öffnungszeiten, teilweise sogar rund um die Uhr. Was voreerst nur während der WM erlaubt ist, könnte bereits bald Alltag sein.

HB BERLIN. Packende Fußballspiele, fröhliche WM-Besucher, steigende Kauflaune: In das Turnier der weltweiten Kicker-Elite setzt der deutsche Einzelhandel große Hoffnungen. Das Spektakel mit Fanfesten in zahlreichen Innenstädten soll den Funken überspringen lassen und auch heimische Kundschaft in die Einkaufsmeilen locken. Bis zum Finale herrscht dabei ungewohnter Freiraum - mehrere Länder haben den Ladenschluss vorübergehend gelockert, Shoppen ist nicht nur in Spielorten bis spätabends möglich. Nach einer Woche WM- Geschäft ist im Handel aber noch ungewiss, wie der Probelauf ausgehen wird.

Für Kaufhäuser und Filialen bringt dieses Wochenende den zweiten großen Nachfragetest seit Turnierbeginn. Am Samstag öffnen etwa am Endspielort Berlin Elektromärkte und Einkaufszentren bis Mitternacht, auch am Sonntag können Kunden vielerorts auf Einkaufsbummel gehen. Mit den ersten Tagen könne die Branche überwiegend zufrieden sein, heißt es beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE). Wegen unterschiedlicher Handhabungen vor Ort müsse sich aber noch weiter herumsprechen, wo bis wann geöffnet ist. "Es wird hoffentlich nicht mehr lange dauern, bis Klarheit herrscht", sagt eine Sprecherin.

Zum Start der Sonderregeln am ersten WM-Wochenende klingelten die Kassen bei hochsommerlichem Wetter vielfach noch nicht stärker als sonst. Durch die Fußgängerzonen der Austragungsstädte flanieren nun zwar deutlich mehr Menschen. Die Umsätze des Handels zwischen München, Frankfurt/Main und Leipzig beflügelte das nach ersten Einschätzungen aber zunächst kaum. "Fußball ist nicht das Ereignis, das die Leute in den Einzelhandel treibt", meinte bereits der Präsident des hessischen Einzelhandelsverbands, Frank Albrecht. Ganz so schnell wollen andere noch kein Urteil fällen. "Es ist wirklich erst der Anfang", signalisieren etwa die Handelsverbände in Berlin, Brandenburg und Bayern.

Auf einen längeren Atem stellen sich auch die großen Ketten ein - wie genau die Filialen die neue Freiheit nutzen, ist aber verschieden. "In den Spielorten machen wir auf jeden Fall davon Gebrauch", sagt ein Sprecher der Karstadt- Warenhäuser. Bei Rossmann öffnen in Berlin, Hamburg und München etliche Drogerien länger, in den WM-Städten Nürnberg, Kaiserslautern und Köln bleibt es dagegen weitgehend wie bisher. "Es hängt auch davon ab, ob ein Markt im Zentrum oder am Stadtrand liegt", sagt ein Sprecher.

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