Fußball
Thema Ausgliederung beim HSV vorerst vom Tisch

Der Hamburger SV ist mit seinen Plänen zur Ausgliederung der Lizenzspielermannschaft vorerst gescheitert. Wegen der großen Ablehnung wurde bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung sogar auf ein Votum verzichtet.

Einen Strich durch die Rechnung haben die Mitglieder des Hamburger SV den Verantwortlichen des Bundesligisten bei der außerordentlichen Versammlung am Montagabend gemacht. Nachdem Vorstandschef Bernd Hoffmann ein Konzept zur Strukturreform mit dem Plan einer Ausgliederung der Lizenzspielermannschaft aus dem eingetragenen Gesamtverein vorgestellt hatte, schlug ihm große verbale Ablehnung entgegen. Noch vor der Abstimmung der Klubangehörigen darüber, ob das Vorhaben bis zur Jahreshauptversammlung Ende 2005 weiter vorangetrieben werden soll, trat der HSV-Boss ans Rednerpult und verzichtete auf das Votum.

"Man muss auch Niederlagen hinnehmen können"

"Man muss auch Niederlagen hinnehmen können. Der HSV ist auf einem guten Weg, aber wir haben gedacht, dass wir ihn auf einen noch besseren bringen können", sagte Vorstandschef Hoffmann, der nun das Vorhaben auf unbestimmte Zeit verschieben muss.

Engagiert hatte Hoffmann sein Konzept für eine Strukturreform vorgetragen. Neben dem Profiteam sollten auch die Regionalligamannschaft, das Nachwuchsleistungszentrum, die Vermarktungsabteilung, das Stadionmanagement und der Frauen-Fußball in eine gemeinsame Aktiengesellschaft umgewandelt werden.

Der vornehmlich für den Amateursport verantwortliche Mutterverein wäre aber mindestens zu 75,1 Prozent Träger des neuen Tochterunternehmens geblieben. Die restlichen 24,9 Prozent der Fußball-AG hätten zum Zweck der Kapitalgewinnung allerdings an einen strategischen Partner verkauft werden können.

Doch anschließen wollte sich Hoffmann so recht niemand. Zu groß ist die Angst der Mitglieder, zukünftig an Rechten einzubüßen oder fremdbestimmt zu werden. Somit sah sich der Klubboss fast gezwungen, noch vor der Abstimmung darüber, ob die Pläne bis zur Jahreshauptversammlung Ende 2005 weiter vorangetrieben werden soll, ans Rednerpult zu treten und auf das beabsichtigte Votum zu verzichten.

"Ich hätte die Pläne gern zum Abschluss gebracht"

"Der Vorstand hat einstimmig entschieden, die Ausgliederungs-Aktivitäten einzustellen", erklärte Hoffmann unter dem tosenden Beifall der 432 anwesenden Mitglieder mit Stimmrecht und fügte nach Versammlungsende hinzu: "Auf Grund der Stimmungs- und Diskussionslage hatten wir nicht das Gefühl, dass wir unser Vorhaben inhaltlich und juristisch vermitteln konnten. Ich hätte die Pläne aber gern zum Abschluss gebracht."

Da Hoffmann mit seinem Rückzug einer Antragsoption des Ehrenrates entsprach, können die Vorbereitungen zur Ausgliederung erst nach einem positiven Entschluss der Mitgliederversammlung wieder aufgenommen werden. Zuvor hatten sich selbst Teile des Aufsichtsrats und der frühere HSV-Präsident Peter Krohn entschieden gegen das Vorhaben gewehrt.

Vereinsintern war es für Hoffmann bereits der zweite Rückschlag binnen eines Monats. Die für seine in der vergangenen Woche erfolgte Vertragsverlängerung (bis 2008) erforderliche Zweidrittel-Mehrheit im Aufsichtsrat hatte er auch nur im zweiten Anlauf erreicht. "Die gescheiterte Ausgliederung sehe ich nicht als persönliche Niederlage. Mein Einsatz für den HSV war vorher 120 Prozent und ist es immer noch. Wir werden alle Anstrengungen unternehmen, konkurrenzfähig zu sein", sagte Hoffmann.

© Sport-Informations-Dienst, Neuss

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