Thomas Kroth
"Die Bundesligaklubs drehen jeden Euro zweimal um"

Ex-Bundesligaprofi Thomas Kroth ist heute Geschäftsführer bei Pro Profil und Vizepräsident der Deutschen Fußballspieler-Vermittler Vereinigung (DFVV). Über Trends im Transfergeschäft sprach er mit Thomas Mersch.

Handelsblatt: Der Wechsel Ihres Klienten Manuel Neuer zu Bayern München war der bislang teuerste in diesem Sommer. Welche Rolle haben Sie bei der Festlegung der Transfersumme gespielt? Berichtet wird über 22 Millionen Euro...

Thomas Kroth: Ein Berater hat darauf gar keinen Einfluss. Die Vereine lassen sich da nicht gerne reinreden. Wir vermitteln höchstens, wenn es bei den Verhandlungen hakt.

Abgesehen von den Bayern halten sich die Bundesligaklubs zurück, vor allem bei Spielerkäufen im Ausland. Ist die Liga für internationale Stars nicht attraktiv?

Kroth: Im Gegenteil. Der spanische Fußball zum Beispiel ist schwer angeschlagen. Eine wachsende Zahl von Spielern möchte nach Deutschland wechseln. Aber die Bundesligaklubs verkleinern ihre Kader und drehen derzeit jeden Euro zweimal um.

Ist das nicht schlecht für Ihr Geschäft?

Kroth: Nein. Denn dass Berater an Ablösesummen partizipieren, ist die Ausnahme. Bei uns war das nie so. Es geht um den Abschluss von Verträgen - unabhängig davon, ob der Spieler wechselt oder nicht.

Die Vereine reduzieren auch die Gehälter, indem sie wie jüngst der HSV teure Stars abgeben und jüngere Talente verpflichten. Ist der Spielraum ausgereizt?

Kroth: Das Gehaltsgefüge ist am oberen Ende angekommen. Da gibt es eine Korrektur. In der dritten Liga sind die Gehälter bereits stark gesunken.

Müssen auch die Stars Einschnitte befürchten?

Kroth: Vor allem Durchschnittsspieler sind betroffen. Bei Topspielern gibt es noch Potenzial, vor allem wenn man Gehalt und Werbevermarktung zusammen betrachtet.

In der letzten Saison überraschten Klubs mit kleinen Budgets. Können diese mittelfristig einen guten Kader finanzieren?

Kroth: Man kann auch mit wenig Geld gut einkaufen. Zudem machen sich die Leistungszentren für den Nachwuchs bezahlt, die alle Bundesligisten nach der EM 2000 einrichten mussten.

Auch junge Spieler haben heute oft einen Berater. Brauchen sie den tatsächlich schon?

Kroth: Viele Eltern sind bei der Vereinswahl oder Vertragsgestaltung überfordert. In den letzten Jahren ist der Erfolgsdruck in Schule und Ausbildung sowie Verein und Auswahltraining enorm gestiegen. Wir versuchen, den Druck abzumildern - unser Standpunkt ist, dass Schule und Ausbildung vorgehen.

Spielervermittler haben in der Saison 2009/10 rund 72 Millionen Euro in der ersten und zweiten Bundesliga umgesetzt. Was halten Sie vom Fifa-Plan, die Provisionen auf maximal drei Prozent zu beschränken?

Kroth: Die DFVV hat keine Einwände gegen eine Gebührenordnung. Aber drei Prozent, das funktioniert nicht. Ich habe einige Mitarbeiter, die ich bezahlen muss. Und wenn ich einen Spieler unter 18 Jahren vermittele, verlange ich dafür kein Honorar. Das ist für mich eine Investition in die Zukunft: Es dauert vier, fünf Jahre, bis ich Erträge erwirtschafte. Abhängig davon, was der Spieler dann verdient, sind sechs bis zwölf Prozent vom garantierten Jahresbruttogehalt vernünftig und meines Erachtens auch vertretbar. Sollte die Fifa die Drei-Prozent-Regelung einführen, öffnet sie einem Schwarzmarkt Tür und Tor.

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