„Three Lions“ scheitern einmal mehr an ihren Nerven
Portugal nach Elferkrimi im Halbfinale

Aller guten Dinge sind drei, besagt ein Sprichwort. Luiz Felipe Scolari glaubt daran, sagte er vor dem Viertelfinalspiel gegen England. Demnach hatte der brasilianische Trainer Portugals alle Chancen auf seiner Seite. Denn beim dritten großen Turnier in Folge konnte der Brasilianer die Engländer mit seiner Mannschaft besiegen, jedes Mal im Viertelfinale.

GELSENKIRCHEN. Bei der Weltmeisterschaft 2002 in Japan/Südkorea gewann er mit seinem Heimatland Brasilien 2:1. Im Viertelfinale der Europameisterschaft 2004 schlug er England mit den Portugiesen im Elfmeterschießen. Und auch bei der Weltmeisterschaft 2006 kam es wieder zum Elfmeterschießen, nachdem in der regulären Spielzeit und in der Verlängerung kein Tor gefallen war. Ein Duell, das dem Drei-Löwen-Team des schwedischen Trainers Sven-Göran Eriksson gar nicht schmecken konnte, hatten sie doch bei großen Turnieren bereits vier von sieben Elfmeterschießen verloren. Und auch diesmal zogen sie wieder den kürzeren. 3:1 nach Elfmeterschießen hieß es am Ende für Portugal.

Dabei hatten die Portugiesen die Partie nach dem "Skandalspiel" gegen die Niederlande im Achtelfinale zurückhaltend begonnen. Mit den Mittelfeldspielern Deco (FC Barcelona) und Costinha (Dynamo Moskau) waren nicht nur zwei Spieler gesperrt, sondern gleich fünf der Startelf mit einer gelben Karte vorbelastet. Schiedsrichter Horacio Elizondo aus Argentinien kam in der ersten Halbzeit deshalb mit zwei gelben Karten aus: Der englische Innenverteidiger John Terry kassierte in der 31. Minute, der portugiesische Mittelfeldspieler Petit in der 43. Minute eine Verwarnung. Bitter für Petit: Er ist im Halbfinale gesperrt.

Ähnlich gerecht verteilt wie die Verwarnungen waren auch die Spielanteile in der ersten Hälfte; mit einem leichten Übergewicht für die Engländer. Die Mannschaft von Sven-Göran Eriksson bewegte sich viel besser als im Achtelfinale gegen Ecuador und spielte sich ein paar Mal in aussichtsreiche Positionen. Doch am Ende nutzte die Elf, die fast identisch gestartet war wie gegen Ecuador, ihre Möglichkeiten nicht konsequent genug aus. Eriksson hatte nur Michael Carrick (Tottenham) für den wieder genesenen Gary Neville (Manchester United) aus der Mannschaft genommen.

Die Portugiesen wiederum, die ihrem Trainer sicherlich allzu gerne den dritten Triumph gegen England in Folge schenken wollten, standen zunächst erstaunlich tief in der eigenen Hälfte und wagten sich nur zögerlich nach vorne. Erst als die ersten Angriffsversuche der Engländer nach rund einer halben Stunde verpufft waren, erhöhten Figo (Real Madrid) und vor allem der sehr gut aufgelegte Christiano Ronaldo (Manchester United) hin und wieder das Tempo. Doch richtig gute Tormöglichkeiten erspielten sich auch die Portugiesen nicht. Ganz nach dem Credo von Scolari, der vor dem Spiel sinngemäß gesagt hatte, seine Arbeit werde nicht nach schönen Spielen sondern nach Siegen bewertet.

So sahen die 52 000 Zuschauer in der ausverkauften Gelsenkirchener WM-Arena eine erste Halbzeit ohne große Torszenen. Zu sehr waren beide Mannschaften darauf bedacht, nicht in Rückstand zu geraten. Nicht mutig genug spielten sie nach vorne. So dürften bei den Engländern die beiden Innenverteidiger Rio Ferdinand (Manchester) und John Terry (Chelsea) die meisten Ballkontakte gehabt haben. Denn vor vielen Angriffen der Engländer schoben sie sich fünf bis sechs Mal den Ball quer zu.

Doch kurz nach der Pause wechselte Eriksson mit dem jungen Aaron Lennon (Tottenham) den fehlenden Schwung ein. Kapitän David Beckham, dem kaum etwas gelungen war, machte Platz für den 19-Jährigen. Die Engländer spielten nun mutiger nach vorne und hatten schnell zwei gute Chancen: Nach einer Ecke von Steven Gerrard (FC Liverpool) kam Frank Lampard (Chelsea) im Strafraum frei zum Schuss. Doch der Ball flog über die Latte. Ein paar Minuten später umkurvte Lennon auf der rechten Seite drei Portugiesen und überließ Stürmer Wayne Rooney (Manchester) den Schuss. Der trat in den Rasen, doch Joe Cole (Chelsea) hatte eine zweite Chance, die er frei stehend vor Torwart Ricardo (Sporting Lissabon) vergab.

Die Engländer hatten nun eindeutig mehr vom Spiel. Doch in der 62. Minute beraubte Schiedsrichter Horacio, der bis dahin ordentlich gepfiffen hatte, das Drei-Löwen-Team um einen wichtigen Spieler: Er schickte Rooney mit einer Roten Karte vorzeitig zum Duschen. Rooney hatte im Zweikampf dem am Boden liegenden Ricardo Carvalho (Chelsea) wohl eher versehentlich als absichtlich in die Genitalien getreten - Horacio wertete dies als Tätlichkeit. Eriksson reagierte und wechselte mit dem 1,98 Meter großen Peter Crouch (Middlesbrough) einen neuen Stürmer ein - Rooney war bis dato der einzige auf dem Platz. Für ihn ging der erneut enttäuschende Joe Cole (Chelsea) vom Feld.

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