Ticketpreise: Die Bundesliga ist zu billig

Ticketpreise
Die Bundesliga ist zu billig

Die Erstliga-Clubs könnten durch Ticketverkäufe bis zu 100 Millionen Euro mehr verdienen – wenn sie die Nachfrage besser ausnutzten. Experten raten zu einer dynamischen Preisgestaltung. Im Ausland geht das per Computer.
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DüsseldorfMarkus Aretz sieht dem Saisonauftakt gelassen entgegen. Der Sprecher von Borussia Mönchengladbach erwartet bei der Partie gegen 1899 Hoffenheim am 25. August ein voll besetztes Stadion – ohne Zuschauerproteste. Dabei hätten die Fans durchaus einen Anlass, ihrem Unmut Luft zu machen. Denn die Borussia bittet ihre Anhänger in der kommenden Saison ordentlich zur Kasse. Rund zehn Prozent mehr kostet der Besuch eines Matches.

Die Saisonkarte für den günstigsten Stehplatz kostet statt 160 Euro demnächst 175 Euro. Der billigste Sitzplatz schlägt mit 330 statt mit 300 Euro zu Buche. Das Argument der Gladbacher für den Aufschlag: Inflationsausgleich. „Das ist die erste Preiserhöhung seit 2004“, sagt Aretz. „Wir haben bislang nur vereinzelt negative Reaktionen bekommen.“ Alle 30.000 Dauerkarten sind bereits vergriffen.

Preiserhöhungen und das Verständnis der Fans, für Philipp Biermann kommt beides nicht überraschend: „Viele Fans wissen, dass die Ticketpreise in der Bundesliga verglichen mit den anderen europäischen Ligen niedrig sind“, sagt der Partner der auf Preisstrategien spezialisierten Bonner Unternehmensberatung Simon Kucher. In England und Spanien berappen die Fans im Schnitt mehr als 40 Euro für ein Ticket. In der Bundesliga zahlten sie nach Angaben der Deutschen Fußball Liga (DFL) in der abgelaufenen Spielzeit 22,75 Euro.

Die Vereine wollen zunehmend aufschließen. Zur Spielzeit 2012/13 haben zehn der 18 Bundesligisten die Dauerkartenpreise für ihre teuersten Sitzplätze erhöht. In den anderen Kategorien sieht es ähnlich aus. „Die Vereine tun gut daran, die Preise in Maßen zu erhöhen“, sagt Biermann.

Kommentare zu " Ticketpreise: Die Bundesliga ist zu billig"

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  • price skimming zerstört den Volkssport! Wer die Fans heute mit unbezahlbaren Preisen schröpft zerstört die Fankultur. Treue Fans und der Nachwuchs verlieren den Bezug zum Fußball und suchen sich andere Hobbys. Dadurch wird auch das allgemeine Interesse sinken und damit verbunden die Attraktivität für Sponsoren.

    Kurzfristige Gewinnmaximierung bei Kartenpreisen wird mittel- und langfristig dem Fußball schaden.

  • Wenn solche Leute, deren Welt die Zahlen sind, die reale Welt beurteilen sollen, muss das schief gehen. Wer einmal zu Gast in England war (habe zuletzt Sunderland v Manchester United gesehen)möchte diese Verhältnisse hier nicht haben.Fußball muss bezahlbar bleiben, für möglichst weiter Kreise der Fans.

  • Experte Biermann empfiehlt indes die Preise der um 20 bis 30 Prozent verbilligten Dauerkarten anzuheben. „Die Dauerkartenbesitzer haben den Vorteil, dass sie auch bei den Top-Spielen einen Platz garantiert haben. Dafür müssten sie eigentlich einen Zuschlag bezahlen.“

    Dieser Kommentar ist der größte Schwachsinn und von einem Powerpoint-Unternehmensberater verfasst und nich von einem Fan, die Dauerkarteninhaben unterstützen Ihre Mannschaft auch an einem kalten Novemberabend gegen Augsburt oder ähnliche Gegner, Der Mythos lebt!

  • Erst vor zwei Jahren wurden im ENGLISCHEN "FourFourTwo" Magazin, 10 Gründe genannt, weshalb englische Fans neidisch auf die Bundesliga seien:
    (http://sportbild.bild.de/SPORT/fussball/international/2010/01/21/englands-fans/schwaermen-von-der-bundesliga.html)

    Viele dieser Gründe beruhen auf fairen Preisen, vollen Stadien, den (günstigen) Stehplatz Tickets, und der damit verbundenen Fankultur.
    Daher gibt es mittlerweile auch in England eine Bewegung die genau diese (deutschen) Verhältnisse erreichen will: "Make a Stand" von der The Football Supporters' Federation.

    Also, lieber Herr Biermann, wenn eine Liga der anderen was voraus hat, ist es die Bundesliga und nicht die englische BARCLAY Kommerzliga.

    P.S.
    Dieser Beitrag kommt ebenfalls von jemanden der Finanzen und Wirtschaftswissenschaften studiert hat, und in diesem Bereich tätig ist.

  • Und trotzdem gehen Ihre Rechnungen nicht auf:
    Zum Ersten: Bisher zahlen die Vereine (bzw. Konzerne) Der Bundesligen mehr Steuern (direkt bzw. als Lohnsteuer) an den Staat, als für die Polizeieinsätze (und anderes) ausgegeben werden muß. Mal ganz von den weiteren Einnahmen durch das "Drumherum" (z.B. Umsatz in Kneipen, Benzin für die Fahrten usw.) abgesehen.
    Zum Zweiten: Bei den Castortransporten könnte man ja auch entsprechende Gelder von den "Veranstaltern" der Touren bezahlen lassen (also den Energiekonzernen, zu derem Gewinn doch die Transporte benötigt werden).
    Zum Dritten: Auch für "Kneipenmeilen" (ich weiß nicht, wie diese bei Ihnen in Frankfurt heißt, in Düsseldorf und MG wäre es die Altstadt, in Bochum das Bermudadreieck usw.) wird von den Kneipenbesitzern kein Geld dafür verlangt, daß draußen für Sicherheit gesorgt wird/werden muß. Ist wohl ziemlich vergleichbar, auch hier geht es ja um Unterhaltung.

  • Waren Sie mal bei einem Premiere League Spiel bzw. haben sich mit Ticketpreisen in London beispielsweise auseinander gesetzt? Dann wüssten Sie, dass die Tickets in Deutschland in der Tat noch moderate Preise haben.

  • Beim ersten Satz merkt man, wie gut hier recherchiert wurde. Herr Aretz heißt nicht Holger sondern Markus.

  • Bayern München ist ein Plastikclub, wie Leverkusen und Wolfsburg?! Und Kommerzpolitik ist bööööse...

    Aber GAZPROM als Trikotsponsor, ich lach mich schlapp!!! ^^ Muhahahaaaaa

  • Die von der DFL genannten 22.75€ Durchschnittspreis sollte mal jemand erklären. In fast keinem Stadion der Liga bekommt man für unter 25€ einen Sitzplatz (ganz im Gegenteil, die kosten im Schnitt sicher eher um die 40€). Und weder machen die (für weniger als 25€ zu bekommenden) Stehplätze 70% der Stadionkapazitäten aus noch sind Dauerkarten derart drastisch rabattiert um den tatsächlich vom Fan bezahlten Durchschnitt auf 22.75€ senken zu können.

    Das alte Spiel: Man lügt sich seine eigenen Einnahmen tief (man betrachtet nur "normale" Plätze, rechnet Frei- und Ehrenkarten mit hinein, zieht virtuelle Gebühren wie "Vorverkauf", "Catering", "Parkplatz" usw ab) und vergleicht sie mit ganz anders zusammengerechneten möglichst hohen Zahlen anderswo (siehe "Spieltagseinnahme": d.h. inklusive Einnahme Logen, ohne Abzug der eben genannten Gebühren usw).
    Und schon glaubt man, behaupten zu können, wie unfassbar günstig man doch im Vergleich ist. Lächerlich.


  • Immer wenn sich die sogenannten Experten irgendwo einmischen (seien es Banken, Industrie oder jetzt der Sport), dann kann man einen kurzfristigen Erfolg sehen, der wenigen Leuten viel Geld bescheert. Langfristig steht nach einem Experten immer der Tod des Theaters auf dem Programm (siehe Banken, Industrie und hoffentlich nicht bald der Fussball, Tennis haben Sie ja schon geschafft die Experten).

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