Timo Hildebrand steckt in vertrackter Situation
Härteprüfung für einen Verunsicherten

Der orientierungslose Stuttgarter Torwart Timo Hildebrand muss am Samstag beim Länderspiel gegen Georgien seine Klasse beweisen.

STUTTGART. Seine Körpersprache ließ keinen Raum für Zweifel. Sein Blick suchte einen Punkt irgendwo in der Tiefe des Raumes. Serdar Tasci ist erst 19 Jahre alt. In dem Moment auf dem Rasen im Berliner Olympiastadion aber muss der junge Spieler des VfB Stuttgart gespürt haben, dass der Kollege Zuspruch und Aufmunterung braucht. Timo Hildebrand sah einfach deprimiert aus.

Diesmal hatte er keinen Fehler gemacht, nicht wie die Woche zuvor in Bremen. Er hatte aber auch keinen Ball gehalten, den gute Torhüter halten, so wie früher als es ihm besser ging und jeder sehen konnte, hier steht ein junger Mann, der mit Talent und Ehrgeiz nach oben will.

Jetzt, nach der berauschenden WM, die für ihn als Nummer drei ohne eine Spielminute Einsatz als nicht beachtete Randfigur endete, steht er wieder an einem Punkt, der innere Orientierungslosigkeit und mehr offenbart. Hildebrands Vertrag beim VfB Stuttgart ist noch nicht verlängert. Es ist zu hören, er wisse nicht einmal genau, ob er bleiben wolle und im Nationalteam gerät nun sogar seine Position hinter Jens Lehmann als Nummer zwei in Gefahr. Er darf spielen im Test gegen Georgien, aber gleichzeitig spricht er offen über eine Kampagne gegen ihn. Er klagt. Mal laut, mal leise. Auf alle Fälle ohne Selbstvertrauen und mit wenig Zuversicht. Er fühle sich in eine „Ecke gedrängt“ steht auf seiner Homepage im Internet. Er werde als „Motzki“ hingestellt, der am VfB Stuttgart herumnörgele und „ständig schlechte Laune“ habe. Seine Sicht der aktuellen Lage „baumelt zwischen Wut, Hoffnung und Zuversicht“.

Viele in Stuttgart sind der Meinung, die vertrackte Situation hänge zumindest zum Teil mit seinem Berater, dem ehemaligen Journalisten Volker Dietrich zusammen. Der in Herrenberg ansässige Neumanager hatte einst die kühne Idee seinen Klienten als Nummer eins fürs deutsche WM-Tor zu platzieren. Der Plan schlug kläglich fehl. Auch, weil das Duo die Kräfteverhältnisse im deutschen Torhüterwesen falsch einschätzte. Das passiert nun wieder. Der 27 Jahre alte Hildebrand sollte wenigstens die Nummer zwei werden und bleiben. In vielen Zeitungen aber wird der blonde Torhüter heftig aufs Korn genommen. Allen voran im Boulevardblatt „Bild“, auch in der Stuttgarter Ausgabe. Als „Fehlerbrand“ bezeichnet ihn die Zeitung gerne. Tagelang griffen sie und andere Blätter Hildebrand an und feierten gleichzeitig die Konkurrenz aus Hannover (Robert Enke) und Dortmund (Roman Weidenfeller). Die beiden spielen seit Monaten tatsächlich besser als Hildebrand. Dazu verfügen deren Berater über ein gut funktionierendes Netzwerk in Medienkreisen.

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