Torloses Unentschieden
Japan und Kroatien treten auf der Stelle

Nach ihren Niederlagen am ersten Vorrundenspieltag haben Japan und Kroatien am Sonntag den ersten Punkt bei der diesjährigen WM verbucht. Doch das trost- und torlose Unentschieden könnte für beide Mannschaften zu wenig gewesen sein - das Achtelfinale können sie aus eigener Kraft nicht mehr erreichen. Dabei hatten die Kroaten vor 41 000 Zuschauern den Torschrei schon auf den Lippen.

HB NÜRNBERG. Kroatien hat im "Spiel um Sein oder Nichtsein" den Sieg verschenkt und ist für den angestrebten Einzug ins Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft auf Schützenhilfe angewiesen. Der WM-Dritte von 1998 kam am Sonntag in Nürnberg wegen eines verschossenen Elfmeters nicht über ein mageres 0:0 gegen Japan hinaus. Vor 41 000 Zuschauern im ausverkauften Frankenstadion war Dario Sprna in der 22. Minute mit einem Foulelfmeter an Japans Keeper Yoshikatsu Kawaguchi gescheitert und hatte die beste Tormöglichkeit der Partie vergeben. In ihrem letzten Gruppenspiel am Donnerstag gegen Australien benötigen die Kroaten einen Sieg mit deutlicher Tordifferenz, um noch eine Chance auf das Weiterkommen zu haben.

"Es war ein hartes und schweres Spiel. Wir haben sehr gut gespielt, unser Problem war nur, dass wir nicht getroffen haben. Das Spiel gegen Australien wird für uns das Endspiel", sagte Kroatiens Trainer Zlatko Kranjcar. "Wir wollen dann so gut spielen wie gegen Brasilien und Japan mit dem einen Unterschied, dass wir dann die Tore machen wollen." Sein Kollege Zico ergänzte: "Das war ein spannendes Spiel. Beide Teams wussten, dass sie bei einer Niederlage raus sind."

"Das ist ein Spiel um Sein oder Nichtsein", hatte der kroatische Mannschaftskapitän Nico Kovac vor der Partie angekündigt. Beide Teams standen nach ihren Niederlagen in den ersten Gruppenspielen unter großem Erfolgsdruck, was man den Aktionen zu Beginn der Partie auch anmerkte. In den ersten 20 Minuten agierten die Profis auf dem Rasen nervös und zurückhaltend. Nach dem Flitzer-Zwischenfall bei der Partie zwischen Kroatien und Brasilien am Dienstag in Berlin wurde das Spielfeld von rund 120 Sicherheitsbeamten in einem doppelten Ring geschützt, um einen weiteren solchen Vorfall zu verhindern.

Zunächst erschienen auch die beiden Strafräume wie streng bewachte Zonen. Für den ersten Höhepunkt der mäßigen Partie sorgte Kawaguchi, als er Srnas Strafstoß parierte. Der Fehlschütze war nach der Partie untröstlich: "Ich entschuldige mich bei allen Fans zu Hause. Es ist einfach alles schief gelaufen." Mit fünf Toren in der Qualifikation war er noch der treffsicherste KroateFür das Foul an Dado Prso sah Japans Kapitän Tsuneyasu Miyamoto seine zweite Gelbe Karte im Turnier und wird daher am Donnerstag im abschließenden Gruppenspiel gegen Brasilien in Dortmund ebenso fehlen wie Robert Kovac bei den Kroaten.

Erst nach dem verschossenen Foulelfmeter kam mehr Schwung in die Partie. Vor allem die Kroaten, bei denen Trainer Kranjcar der Formation vertraute, die gegen Brasilien trotz der 0:1-Niederlage eine beeindruckende Vorstellung geboten hatte, erarbeiteten sich gute Torchancen. Doch Trainersohn Niko Kranjcar (29.) und der Bremer Ivan Klasnic (40.) scheiterten mit Distanzschüssen. Bei den Japanern hatte die Umstellung von einer 3-5-2-Formation auf ein 4-4-2-System nach dem bitteren 1:3 gegen Australien nur phasenweise die erhoffte Stabilisierung der Abwehr zur Folge.

Nach dem Seitenwechsel wurde die Partie lebendiger, Torchancen ergaben sich in den ersten zehn Minuten nach der Pause fast im Minutentakt. Die größte vergab Atsushi Yanagisawa (51.), der frei vor dem leeren Tor den Ball per Außenrist am linken Pfosten vorbeischob. Im Anschluss scheiterten auf der Gegenseite Klasnic (53.) und Kranjcar (54.). Und auch Hidetoshi Nakata (56.) konnte den kroatischen Keeper Stipe Pletikosa nicht überwinden. Mit der Einwechslung von Ivica Olic (69.) setzte Kranjcar mit drei Stürmern auf totale Offensive. Doch die Angriffsbemühungen waren vergebens.

Kranjcar machte für die Probleme seiner Elf auch die "heißen Temperaturen" von etwa 30 Grad Celsius verantwortlich. Sein gegenüber Zico wurde deutlicher. "Es ist ein Verbrechen, eine WM-Partie um diese Uhrzeit zu spielen. Aber leider lässt uns das Fernsehen keine andere Wahl", sagte der Brasilianer: "Es sind schon Spieler auf dem Platz gestorben. Das Problem ist bekannt. Nur: Es wird nichts getan."

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