Torwartfrage: Kahn findet zu alter Stärke zurück

Torwartfrage
Kahn findet zu alter Stärke zurück

Den Kampf mit Jens Lehmann hat Oliver Kahn schon längst vergessen. Er blüht im Trainingslager auf, ist hochmotiviert und sich sicher: Kein anderer als er steht bei der WM im Tor. Auch Felix Magath ist mit seinem Schlußmann zufrieden. Kahn sei nicht mehr so angespannt.

HB DUBAI. Meisterschaft, Pokal, Champions League und als krönender Abschluss die WM - Oliver Kahn sprüht im Trainingslager vor Ehrgeiz und spricht sogar vom möglichen totalen sportlichen Triumph in der Weltmeisterschafts-Saison.

"Die Nationalspieler hier beim FC Bayern haben die seltene Möglichkeit, im kommenden Halbjahr vier Titel zu gewinnen. Das ist ein großes Ziel. Es ist natürlich nur ein theoretisches Ziel, denn vier Titel zu gewinnen, ist schon eine mächtige Aufgabe", sagte der Kapitän des FC Bayern München am Dienstag in Dubai.

Kein Wunschdenken, sondern Gewissheit ist für den 36-Jährigen, dass er und nicht sein Rivale Jens Lehmann (Arsenal London) am 9. Juni beim WM-Eröffnungsspiel in München gegen Costa Rica im Tor der deutschen Nationalmannschaft stehen wird.

"Jürgen Klinsmann hat sich - was die Nummer 1 angeht - schon klar geäußert: Er hat gesagt, dass ich die Nummer 1 bin. Und wenn meine Leistung so bleibt, wird sich daran auch nichts mehr ändern", sagte Kahn selbstbewusst.

Die Frage, wann der Bundestrainer die Torhüter-Rotation beendet und ob Jürgen Klinsmann womöglich seine Entscheidung über die Nummer 1 erst während der unmittelbaren WM-Vorbereitung bekannt gibt, stelle sich darum aktuell auch gar nicht, betonte Kahn. "Das ist eigentlich keine Diskussion mehr, sondern nur eine Diskussion, die extern geführt wird. Deswegen sehe ich die Dinge ganz gelassen", sagte der mit 83 Länderspielen erfahrenste aktuelle deutsche Nationalspieler.

Trainer Felix Magath sieht in Kahns Zuversicht beim Kampf um das WM-Tor einen Grund dafür, dass sein Kapitän wieder zur Form früherer Jahre zurückgefunden habe. "Er ist nicht mehr angespannt wegen dieser Situation. Das hat sich auch positiv auf seine Leistung ausgewirkt. Er macht wieder den Eindruck wie vor der WM 2002", sagte Magath.

Den von Klinsmann entfachten Torhüter-Wettstreit hat Magath von Anfang an kritisch gesehen und als Nachteil für seinen Schlussmann empfunden. "Die Situation war ungewohnt und aus meiner Sicht auch nicht gerecht, weil es nicht so war, dass zwei Torhüter die gleiche Ausgangsposition hatten. Es war leider so, dass der Druck auf der Nummer 1 lag, und das war Oliver Kahn. Für den Herausforderer war es dagegen eine Bombensituation. Damit hatte Oliver am Anfang verständlicherweise Schwierigkeiten. Aber er hat es mit Bravour gehandled und ist immer sicherer geworden", sagte Magath am Dienstag.

Nach seiner Vertragsverlängerung bis 2008 schuftet Kahn in Dubai zunächst für die großen Herausforderungen in dieser Saison. Wegen Hüftproblemen musste er allerdings am Dienstag etwas kürzer treten. "Das ist aber nichts Ernsthaftes", versicherte er.

Die Aussicht auf mehrere Titel triebe die Spieler an und ließe sie das harte Training besser ertragen, meinte Kahn: "Man merkt, dass große Dinge anstehen. Das steigert die Motivation, das erleichtert die Arbeit."

Kahn sieht den FC Bayern fünf Jahre nach dem Mailänder Champions- League-Triumph wieder vor einer großen Zukunft. "Hier wächst eine sehr starke Mannschaft zusammen", glaubt er. Auch der drohende Abgang von Michael Ballack, dessen Zukunft nach eigener Aussage weiter ungeklärt ist ("Es gibt nichts Neues"), beunruhigt den Kapitän nicht.

"Ich sehe das ganz pragmatisch: Der Michael ist noch ein halbes Jahr bei uns und steht uns als Top-Spieler zur Verfügung." Und wenn Ballack gehe, komme ein anderer Top-Mann. "Der FC Bayern war schon immer in der Lage, große Spieler zu holen", meinte Kahn.

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