Tränen vor der Heimreise
Tausende Südkoreaner tief enttäuscht

Nach dem frühen Ausscheiden in der Vorrunde haben tausende Fans in Südkorea vergeblich gegen die Tränen gekämpft und ließen ihren Emotionen freien Lauf. Trainer Dick Advocaat dagegen analysierte das Scheitern nüchtern.

Vor vier Jahren begeisterte Südkorea seine Fans mit dem Erreichen des Halbfinals, in Deutschland war für die Asiaten bereits nach der Vorrunde Schluss. Viele tausende Fans in der Heimat ließen ihren Emotionen freien Lauf und weinten bitterlich, die Spieler sanken im Stadion zu Boden und waren fassungslos. Nur Trainer Dick Advocaat konnte einen normalen Gedanken fassen und analysierte das Scheitern nüchtern. "Trotz ihres Ausscheidens hat sich die Mannschaft weiterentwickelt. Mit einem gewissen Abstand werden das auch unsere Anhänger erkennen", sagte der Niederländer nach dem 0:2 (0:1) gegen die Schweiz.

Dennoch: Im "Roten Meer" von Hannover - die Fans beider Mannschaften erschienen in roter Kleidung im WM-Stadion - gingen die Hoffnungen der Asiaten auf eine Wiederholung ihres Triumphzuges von 2002 baden. Bei der WM-Endrunde vor vier Jahren im eigenen Land hatten sich die "Tiger" bis in die Vorschlussrunde gekämpft und am Ende einen nie erwarteten vierten Platz belegt.

Advocaats Zukunft ungewiss

In Deutschland hingegen überstanden die Südkoreaner zum sechsten Mal bei einer WM-Endrunde die Vorrunde nicht. Nach diesem frühen Scheitern ist somit zweifelhaft, ob Advocaat seine Tätigkeit in Fernost fortsetzt. An die Popularität seines Landsmanns Guus Hiddink, WM-Trainer 2002, kann der Coach nun kaum herankommen. Advocaat: "Ich muss jetzt mit dem koreanischen Verband reden, ob es für uns eine gemeinsame Zukunft geben kann."

Gegen die tempoharten und antrittsschnellen Eidgenossen war klar zu erkennen, wo die größten Defizite der Advocaat-Truppe liegen. "Da waren deutliche Unterschiede festzustellen. Wenn hier nicht in Zukunft noch mehr gearbeitet wird, gibt es für die Koreaner keine weiteren Fortschritte", warnte der 58-Jährige vor Selbstzufriedenheit.

Südkoreanische Liga soll gestärkt werden

Die wichtigste Bedingung dafür, dass der Holländer weiter in Diensten Südkoreas bleibt, ist eine Stärkung der nationalen Liga. Advocaat: "Sieben meiner jungen Spieler kommen aus dieser Spielklasse und werden dort nicht ausreichend auf ihre internationalen Aufgaben vorbereitet. Es reicht, um sich als Vertreter Asiens für die WM zu qualifizieren, doch dann wird die Luft sehr dünn."

Fachleute allerdings halten diese Forderung für utopisch, denn die koreanische Profiliga wird von Firmen-Teams dominiert, der Verband hat nur wenig Einfluss auf die Rahmenbedingungen dieser Spielklasse. Und so bremste Verbandspräsident Chung Mong-Joon asiatisch-höflich den Vorstoß von Advocaat: "Er hat selbst gesagt, wir müssen jetzt miteinander reden. Das werden wir auch tun, aber nicht in der Öffentlichkeit."

© SID

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