Trainer Baxter steht kurz vor Entlassung
Verzweiflung am Kap

Die DFB-Elf hat nach dem schwachen Auftritt gegen die Slowakei gegen Südafrika etwas gut zu machen. Der Gegner scheint dafür gerade recht zu kommen. Denn Deutschlands der Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 ist fußballerisch am Boden.

KAPSTADT. Wie geprügelte Hunde schlichen die Fußballer aus Südafrika am Sonnabend in Burkina Faso vom Feld. Mit 1:3 hatten die Kicker vom Kap, Gegner der deutschen Nationalelf heute Abend in Bremen, gerade gegen die Feierabendspieler aus dem Sahelstaat verloren. Damit blamierten sie sich nicht nur kräftig sondern verspielten auch die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Deutschland. Daheim rang die fußballbegeisterte Nation fassungslos nach Worten für das sportliche Desaster. „Pomadig, ideenlos, stümperhaft“, zürnte die Presse – und forderte postwendend einen neuen Fußballverband.

Die Enttäuschung ist begreiflich. Denn tiefer als Südafrika kann ein Team in nur zehn Jahren eigentlich nicht fallen: 1996, kurz nach der Wiederaufnahme des früheren Apartheidstaates in den Weltfußballverband, wurde die Mannschaft auf Anhieb Afrikameister. Zwei Jahre später war sie noch einmal Finalist. Dann scheiterte sie im Achtelfinale. Und 2004 schied sie vorzeitig in der ersten Runde aus. Bei einer Niederlage im letzten Gruppenspiel gegen den Kongo könnten die Bafana Bafana (unsere Jungs) wie das Team liebevoll im Volksmund heißt, nun sogar die Teilnahme am Afrika-Cup zu Jahresbeginn in Ägypten verpassen.

Unmittelbar vor dem Spiel gegen Deutschland hat der Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 einen absoluten Tiefpunkt erreicht. Drittklassig in Afrika – der Niedergang ist gnadenlos gewesen. Für Empörung sorgt unter den Fans vor allem, mit wie wenig Kampfgeist und Gegenwehr sich das eigene Team in sein Schicksal ergab. 50 Minuten dauerte es, bis sich die Mannschaft die erste Torchance erspielte. Da lag sie aber mit drei Toren bereits aussichtslos zurück. „Ich bin zutiefst enttäuscht“, sagte der englische Coach Stuart Baxter. „Wir haben unzählige Anfängerfehler gemacht, die einem Team international einfach nicht passieren dürfen. Aber wir werden bis zum letzten um die Teilnahme am Afrika-Cup kämpfen.“

Ob Baxter im letzten WM-Qualifikationsspiel nächsten Monat allerdings noch auf der Bank sitzt, darf nach den bisherigen Erfahrungen bezweifelt werden. Erfolgreichere Trainer wie etwa der Franzose Phillipe Troussier oder Carlos Queiroz, der aus Südafrika zu Real Madrid wechselte, wurden für weniger folgenschwere Niederlagen geschasst und öffentlich zum Sündenbock erklärt. Dabei hat gerade Baxter versucht, junge, unverbrauchte Spieler in das Team zu holen. „Viel Geld würde ich nicht darauf wetten, dass er noch lange im Amt bleibt. Womöglich ist das Spiel gegen Deutschland schon sein letztes als Nationaltrainer“, sagte der Zweitliga-Profi Bradley Carnell der Stuttgarter Zeitung.

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