Trainer La Volpe pöbelt statt über Doping-Verdacht aufzuklären
Mexiko im Zwielicht

Über dem Confederations Cup hängt weiter schwer die dunkle Wolke des Doping-Verdachts gegen zwei Mexikaner. Während eine offizielle Stellungnahme des Verbandes auch am Donnerstagmittag noch ausstand, pöbelte Nationaltrainer Ricardo La Volpe nach dem letzten Vorrundenspiel gegen Griechenland am Mittwochabend in Frankfurt lieber die nachbohrenden Journalisten an, statt Licht ins Dunkel zu bringen.

FRANKFURT. "Wir wollen, dass die Welt weiter über uns redet", hatte La Volpe nach dem Überraschungssieg gegen Weltmeister Brasilien gesagt. Das tat sie dann auch nach dem 0:0 gegen den Europameister, das dem Team den Gruppensieg und damit am Sonntag in Hannover ein Halbfinale gegen Argentinien bescherte - nur passte das Thema dem kauzigen Argentinier in Diensten der Lateinamerikaner ganz und gar nicht in den Kram. Wenn Blicke töten könnten, hätte mindestens einer der Journalisten die Pressekonferenz nach dem Spiel nicht jedenfalls überlebt. Mit blitzenden Augen und sichtlich wütend drehte sich La Volpe beim Hinausgehen noch mehrmals in Richtung des "Übeltäter" um, der zum Schluss noch einmal nachgebohrt hatte, und murmelte ein "Unglaublich!" in seinen stattlichen Bart. Mexikos Nationaltrainer hatte nach dem 0:0 gegen Griechenland einfach keine Lust, die "disziplinarischen Gründe" näher zu erläutern, die dazu geführt hatten, dass er am Morgen seine beiden Stammspieler Aaron Galindo und Salvador Carmona (beide CF Cruz Azul) ins Flugzeug nach Mexiko City gesetzt hatte.

"Sie haben unseren Verhaltenskodex verletzt. Mehr hat sie nicht zu interessieren, die Journalisten sollten sich lieber die Spiel und den Sport anschauen", polterte La Volpe. "Ich frage sie ja auch nicht, ob und worüber sie sich mit ihrer Frau gestritten haben. Jeder sollte vor seiner eigenen Tür kehren", pöbelte er. Der Fifa-Verantwortliche, der bereits zuvor erfolglos versucht hatte, vom Thema abzulenken, beendete danach angesichts drohender weiterer Nachfragen kurzerhand die Pressekonferenz. Eine Antwort auf die mehrmals vorgetragene Frage, ob er ein Dopingvergehen in seinem Team ausschließen könne, blieb La Volpe schuldig.

Um das Nervenkostüm des kauzigen Argentiniers war es nicht zum Besten bestellt. Wie sollte es nach diesen Presseberichten aus der Heimat auch. Der Fernsehsender "TV Atzteca" und die beiden Zeitungen "El Universal" und "Reforma" hatten die Fußball-Welt mit einer Meldung aufgeschreckt, die, sollte sie sich bewahrheiten, ein Jahr vor der WM in Deutschland zur handfesten Krise für den mexikanischen Fußball werden könnte: Bei zwei Spielern sei bei internen Dopingtests des heimischen Fußballverbandes das verbotenen Mittel Nandrolon gewiesen worden. Erstmals bereits schon vor der Abreise nach Deutschland. Erneut dann nach dem überraschenden 1:0 gegen Brasilien. Es sei nahe liegend, dass es sich dabei um Galindo und Carmona handele. Noch schlimmer: Der Verband habe die beiden Spieler sofort nach Hause geschickt, um sie dem direkten Zugriff der Fifa in Deutschland zu entziehen. Diese zeigten sich bei ihrer Ankunft in Mexiko City wortkarg und erklärten, sie wollten zunächst mit ihren Klub-verantwortlichen sprechen.

Nachdem die Fifa am Spielabend noch zurückhaltend reagiert und keinen Handlungsbedarf gesehen hatte, baute sie am Donnerstag Druck auf den mexikanischen Fußballverband auf. Fifa-Pressechef Markus Siegler erklärte auf der täglichen Pressekonferenz in Frankfurt: "Wir haben den mexikanischen Verband am Donnerstagmorgen schriftlich aufgefordert, zur Abreise der beiden Spieler und zu den Doping-Gerüchten deutlich Stellung zu beziehen. Wir erwarten eine Antwort noch im Laufe des Donnerstag." Dabei hatte zuvor noch Fifa-Chef Sepp Blatter eine Art Ehrenerklärung für die Mexikaner abgegeben. Der Rausschmiss der Spieler Carmona und Galindo aus der "El Tri" sei nicht wegen eines möglichen Dopingvergehens, sondern allein aus disziplinarischen Gründen erfolgt sei. Dies hätten ihm die Mexikaner versichert und es gebe keinen Grund, an dieser Versicherung zu zweifeln.

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