Trainertagung bringt Zeitstrafe ins Spiel
Klinsmann: „Vielleicht 2010 wieder dabei“

dpa BERLIN. Jürgen Klinsmann ist erstmals seit seinem Abschied als Bundestrainer wieder öffentlich aufgetreten - und seine Trainer- Kollegen haben eine Zeitstrafe im Fußball ins Spiel gebracht.

Der Wahl-Amerikaner Klinsmann beteiligte sich beim internationalen Trainer-Kongress in Berlin, der am 13. September zu Ende ging, mit einer Video-Liveschaltung überraschend an der Diskussion. „Vielleicht kehre ich früher oder später wieder auf die Trainerbank zurück und ich bin 2010 in Südafrika wieder dabei“, übermittelte Klinsmann den rund 200 Kongress-Teilnehmern, die drei Tage über die Erkenntnisse aus der Weltmeisterschaft 2006 diskutierten.

„Das spielerische Niveau hätte besser sein können“, blickte der 42-Jährige zurück, ergänzte jedoch: „Für uns war die WM ein riesiger Imagegewinn. Deutschland hat sich während der WM beinahe neu entdeckt.“ Der 108-malige Nationalspieler freute sich wie sein einstiger Assistent Joachim Löw über das viele Experten-Lob für das Auftreten des deutschen Teams: „Wir wollten einen offensiven und aktiven Stil praktizieren. Anders als beispielsweise Italien, das auf Veränderungen während des Spiels schnell reagieren konnte, war es unsere Absicht, den Gegner schon zu Spielbeginn zu überraschen.“

Klinsmanns Kollegen vor Ort diskutierten auch einige Dinge, die ihnen bei der WM nicht gefallen hatten: Meldefristen, Coachingzone, Abseits-Entscheidungen. „Wir haben vieles diskutiert und es vorgetragen. Jetzt muss es von Fifa und Uefa überprüft werden“, erklärte Frankreichs Vize-Weltmeister-Trainer Raymond Domenech und eröffnete mit dem Vorschlag einer „Zeitstrafe“ im Fußball eine völlig neue Debatte. Beispielsweise könnte nach einem bösen Foul der Sünder genauso lange aus dem Spiel genommen werden, wie der Gefoulte behandelt würde.

Auch bei der so genannten Notbremsen-Regelung sahen einige der 52 anwesenden Nationaltrainer Handlungsbedarf. Beim heute gültigen zwingenden Rot im Strafraum würde der Spieler gleich drei Mal bestraft, mit Elfmeter, Platzverweis und Sperre. Wenn keine übertriebene Härte im Spiel gewesen sei, könnte mitunter auch Gelb reichen, argumentierten die Trainer. Bundestrainer Löw forderte zudem neue Regelungen in der Coachingzone: „Da wird man permanent beobachtet, der vierte Unparteiische ist wie ein Polizist.“

Löw-Vorgänger Klinsmann, der vom Technischen Direktor der Uefa, Andy Roxburgh, interviewt wurde, berichtete indessen von seinem zurückgewonnenen normalen Leben. „Ich kümmere mich mit meinen amerikanischen Partnern um meine Firma Soccersolutions und bringe meine Kinder in die Schule.“

Ein Geheimnis des WM-Erfolges der DFB-Elf habe darin bestanden, dass die Fitness der Mannschaft „oberste Priorität“ besessen habe, verriet Klinsmann seinen internationalen Kollegen. „Wir haben den Spielern vermitteln können, dass eine WM im eigenen Land eine einzigartige Möglichkeit ist. Daher waren unsere Jungs auch bereit, zusätzlich zum Vereinstraining Sonderschichten einzulegen“, berichtete er aus Kalifornien. Er habe als junger, unerfahrener Trainer zum Glück von großen Kollegen wie Carlos Alberto Parreira lernen können. Und er könne weiter dazu lernen, betonte Klinsmann.

Der Ex-Bundestrainer glaubt, dass es in Zukunft im Fußball immer mehr auf die individuelle Stärke der Spieler ankommen wird. „Daher sollten wir darauf auch das Augenmerk legen, sie fördern und sie weniger in vorgefertigte Systeme pressen“, bemerkte der 42-Jährige.

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