Transfer-Wahnsinn

Das Milliardenspiel im europäischen Fußball

In England, Spanien und Italien kaufen die Klubs wieder Fußballspieler, ohne groß auf den Preis zu schauen. Franzosen und Portugiesen profitieren davon schon lange, nun auch die Deutschen. Die Transferbilanz in Europa.
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Geld spielt keine Rolle: Manchester City investierte in den vergangenen zehn Jahren so viel Geld in Spieler wie kein anderer Verein in Europa: 1,15 Milliarden Euro. Nur knapp 300 Millionen Euro flossen jedoch durch Verkäufe wieder in die Kasse. Quelle: Reuters
Manchester City

Geld spielt keine Rolle: Manchester City investierte in den vergangenen zehn Jahren so viel Geld in Spieler wie kein anderer Verein in Europa: 1,15 Milliarden Euro. Nur knapp 300 Millionen Euro flossen jedoch durch Verkäufe wieder in die Kasse.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfDer „Millionen-Wahnsinn“, wie ihn viele schon nennen, hat Methode im europäischen Fußball. Seit vielen Jahren schon. Und auf längere Sicht betrachtet ist es eher ein Milliarden-Wahnsinn, wie ein Vergleich der fünf großen Fußballligen in Europa zeigt. Nicht nur in dieser Transferperiode sticht die englische Premier League ganz klar heraus.

Mehr als eine Milliarde Euro investierten die 20 englischen Klubs gerade in gut 400 neue Spieler. Für ebenfalls gut 400 Abgänge kassierten sie aber nur etwa die Hälfte der Summe, die in Käufe gesteckt wurde. Ein miserables Geschäft – wenn man allein diese Bilanz betrachtet. Der Zehnjahres-Vergleich mit den Daten von Transfermarkt.de zeigt ein noch drastischeres Bild.

Beispiel Premier League: Für rund 5800 Spieler gaben die englischen Erstligisten mehr als acht Milliarden Euro aus. Das sind im Schnitt 1,42 Millionen Euro pro Kicker. Dem stehen Einnahmen von rund 4,6 Milliarden Euro gegenüber. Das bedeutet im Saldo tiefrote Zahlen: 3,7 Milliarden Euro Minus im Kauf und Verkauf von Spielern – in nur zehn Jahren. Eine wahnwitzig hohe Summe.

Beispiel Primera División: Knapp 3200 Spieler waren den spanischen Vereinen mehr als vier Milliarden Euro wert. Der Schnitt pro Spieler liegt mit 1,35 Millionen Euro nur unwesentlich unter dem englischen Niveau. Allerdings verkauften die Spanier besser, daher summierte sich ihr langfristiges Transferminus „nur“ auf rund 900 Millionen Euro. Das ist ein deutlicher Abstand zu den Engländern, gleichwohl jedoch ebenfalls ein sehr hohes Minus.

Wer nun denkt, dass die Bundesliga-Vereine es besser machen, der kann bisher nur aus der jüngsten Transferperiode Hoffnung schöpfen. Denn im Zehnjahresvergleich kommen die 18 deutschen Erstligisten auf ein Minus von knapp 650 Millionen Euro. Das ist immerhin etwas besser als die italienische Bilanz: Minus 730 Millionen Euro kommen hier zusammen.

Unter den fünf Top-Ligen in Europa entziehen sich nur die Franzosen bisher dem Muster, mit teuren Spielern den sportlichen Erfolg zu erzwingen. In den vergangenen zehn Jahren schafften sie eine nahezu ausgeglichene Bilanz mit einem kleinen Minus von zehn Millionen Euro. In der aktuellen Periode beläuft sich ihr Plus dabei auf rund 95 Millionen Euro. Allerdings befindet sich der Topklub Paris SG auf dem englischen Weg: Viel ausgeben, wenig einnehmen.

Transfergewinne: An der Spitze stehen die Brasilianer
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