Transfermarkt
Das Geschäft mit den Spieler-Deals

Spielertransfers sind zu einer hochkomplexen Wissenschaft geworden. Und mitunter werden Spielerwechsel auch zur Geldwäsche benutzt. Die Fifa will mit Strenge für Transparenz sorgen – und macht ein Geschäft damit.
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KölnEs ist kinderleicht, ein Fußball-Manager zu sein. Zumindest an der Spielekonsole. Ein zwei Klicks, Marktwerte und Leistungsdaten poppen auf, bestätigen, bezahlen – und der neue Stürmer ist im Einkaufskorb. In der Wirklichkeit ist es anders: Scouts fliegen um die Welt, ausgefuchste Spielerberater feilschen mit Klubchefs um das kickende Kapital – und immer häufiger bieten externe Finanziers Beteiligungsgeschäfte an, um im millionenschweren Geschäft mitzumischen.

Klubs kaufen Hoffnung. Gerade im Sommer, wenn der Ball in den Profiligen noch ruht, rollen Rubel, Euro und Pfund im Transfergeschäft. Und das ist hoch spekulativ. Ob der gezahlte Preis für einen Spieler marktüblich ist, ob der Wert steigt, weiß niemand. Die weltweite Megadatenbank wie im Computerspiel, ein transparentes Börsensystem fehlt – noch.

Das Transfergeschäft im Profifußball ist zu einer hochkomplexen, globalen Angelegenheit geworden. Allein 11.552 grenzüberschreitende Transfers registrierte der Weltfußballverband Fifa im Jahr 2012. Die damit verbundenen Geldflüsse, die oft über verschiedene Mittelsmänner laufen, sind immens: umgerechnet rund 1,9 Milliarden Euro gaben die Klubs im vergangenen Jahr aus, meldet die vom Weltfußballverband eingesetzte Tochterfirma Transfer Matching System GmbH (Fifa TMS).

Fifa-Präsident Josef Blatter hat TMS als Kontrollinstanz nicht umsonst aus der Taufe gehoben – das oft schwer zu durchschauende System von Kompensationen, Provisionen und Handgeldern im Zusammenhang mit Vereinswechseln lockt auch Kriminelle. Der „Economist“ berichtet in diesem Monat – ohne Namen zu nennen – von der angeblich verbreiteten Praxis einiger Klubverantwortlicher, im Zuge von Spielerverkäufen Schwarzgelder ins System zu schleusen – und so gesäubert in die Bilanzen der Klubs zu bekommen. Und das sei nur ein Trick von vielen, um Gelder aus dubiosen Quellen zu waschen. Es gebe im internationalen Profifußball ein funktionierendes Geflecht von eingeweihten Beratern und Vertrauensmännern bei anderen Klubs, heißt es im Economist-Bericht.

Seit dem 1. Oktober 2010 müssten alle Klubs der 209 Fifa-Mitgliedsländer jeden grenzüberschreitenden Transfer der Fifa TMS über ein Online-System melden. Erst wenn beide Klubs exakt übereinstimmende Angaben hinterlegen, erteilt das TMS den nötigen internationalen Freigabeschein. Rund 5600 professionelle Vereine in aller Welt sind betroffen, über 30 Einzelangaben sind einzuspeisen. Klubs müssen alle relevanten Vertragsdokumente auf die TMS-Datenbank hochladen und die Zahlungen dokumentieren. An den heißen Tagen direkt vor Ablauf der Transferperiode werden Spielerverkäufe in den TMS-Rechnern im Fünf-Minuten-Takt abgewickelt.

Kommentare zu " Transfermarkt: Das Geschäft mit den Spieler-Deals"

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  • nicht nur Fifa/Blatter, auch OLYMPIA gehört zu dem "Verein" .......... immerhin auch noch gut "bestückt" mit dem internationalen Adel!!! und natürlich die internationalen Sportverbände .......

  • Nachtrag: kurios, beim nächsten Palästinenser-Artikel (über die Gefangenenfreilassung) ist plötzlich der Kommentartab da -
    Man kann aber TROTZDEM KEIN KOMMENTAR SCHREIBEN.

    Sicherlich nur ein Software-Fehler. Bitte beheben, liebe Redaktion.

  • FIFA ... Blatter u. Co. ??!!!
    dieser hochkorrupte Betrügerverein will Transparenz?? ;-) ...witzig, ... wirklich richtig witzig

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