Transfermarkt Warum Fußballdeals weder verrückt noch irrsinnig sind

Der Transfermarkt im Fußball bewegt aktuell mehr als fünf Milliarden Euro. Das empfinden Manager und Beobachter als Irrsinn. Eine Fehleinschätzung: Die Geldströme sind ökonomisch sehr vernünftig. Ein Kommentar.
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Der Transfer des brasilianischen Fußballstars setzt neue Maßstäbe, an denen man sich künftig orientiert. Quelle: AFP
Neymar

Der Transfer des brasilianischen Fußballstars setzt neue Maßstäbe, an denen man sich künftig orientiert.

(Foto: AFP)

DüsseldorfAm Fußballmarkt ist es zur Mode geworden, sich über die Millionensummen aufzuregen, die für Superstars gezahlt werden. Nur ein Beispiel von vielen ist die jüngste Titelgeschichte des viel gelesenen Fachmagazins „Kicker“: „Der Transfer-Irrsinn“ lautete die Schlagzeile. Hintergrund: Für neue Spieler haben die Klubs in diesem Sommer mehr als fünf Milliarden Euro ausgegeben.

Der allergrößte Teil der Summe entfiel dabei auf die fünf großen Ligen in England, Spanien, Italien, Deutschland und Frankreich: für 648 Spieler investierten die Top-Klubs in diesen Ländern mehr als 4,2 Milliarden Euro, wie Zahlen von Transfermarkt.de ergeben. Vor allem begehrte Stürmer brachten viel mehr als erwartet, weshalb manche aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommen.

Verrückt oder irrsinnig ist dies jedoch keineswegs, wie so viele Beobachter gerne den Fans einflößen, die mit den Millionen für Spieler und den Milliarden am Markt nichts mehr anfangen können. Im Gegenteil: Die Klubs handeln ökonomisch in den meisten Fällen sehr vernünftig, weil sie in der Regel nur das Geld ausgeben, das sie anderswo eingenommen haben.

Unvernünftig wäre es, sich mit Schulden sportlichen Erfolg zu erkaufen. Das haben die Top-Klubs in den großen Ligen jedoch gar nicht mehr nötig. Sie werden ohnehin von Firmen, reichen Einzelpersonen und TV-Sendern mit Millionenbeträgen überhäuft. Angesichts dieser gigantischen Geldspritzen wird der gemeine Fan immer stärker zum Applaus-Statisten.

Die Einnahmen im Stadion und bei Spielen sind zwar noch wichtig, doch ihr Anteil sinkt stetig. Große Umsatzzuwächse erwarten die Vereine in den nächsten Jahren vor allem durch die TV-Einnahmen. Viele Deals sind über mehrere Jahre festgezurrt worden und haben häufig eine dynamische Komponente. Je stärker ein Verein im TV präsent ist, umso attraktiver wird er für die Werbung der Firmenkunden.

Das Geld der Sponsoren fließt besonders üppig, wenn ein Klub nicht nur beliebt, sondern auch erfolgreich ist. Dies sichert gute Plätze im Fernsehen und auf Sicht auch mehr Fans. Beides ist für Unternehmen wichtig, die über den Fußball nicht nur ihr Image aufpolieren wollen, sondern auch Geschäfte mit Kunden weltweit anbahnen möchten.

Eine prima Plattform für Geschäfte aller Art
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4 Kommentare zu "Transfermarkt: Warum Fußballdeals weder verrückt noch irrsinnig sind"

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  • Den Irrsinn könnte man ganz schnell ein Ende bereiten, in dem Keiner mehr hin geht.
    Denn so einen atemberaubenen Fußball zeigen Neymar und Co auch nicht. Ich sehe über sky sehr viel Fußball und muß mich manchmal fragen, wofür bekommen die eigentlich soviel Geld. Da habe ich schon Spiele aus der 3. Liga gesehen, die waren spannender. Und ein gut ausgebildeter Verteidiger läßt auch einen Superstar alt aussehen, wie letztens Dänemark gen Polen, sah Lewandowski keinen Stich.

  • naja, man nimmt sich ja was Events angeht gerne Amerika als Vorbild...auch hier gibt es Gehaltsdeckel in den großen Ligen (NHL, NFL, NBA etc). Von Planwirtschaft kann da keine Rede sein...

  • @Herr Max Nolte, 05.09.2017, 13:46 Uhr

    „Ein Gehaltsdeckel wäre ja mal ein Anfang“

    Ein Gehaltsdeckel wäre Planwirtschaft pur – und damit wäre das Spiel dann irgendwann ganz aus.

    Eine breite Diskussion anzustoßen und sich mal ausführlich mit den Mechanismen respektive den vielen einzelnen Parametern, Faktoren und individuellen Wertmaßstäben, die für die Entwicklung des jetzigen, auf „nackter“ Marktwirtschaft basierenden (und daher extrem komplexen) Systems richtungsweisend sind auseinanderzusetzen, wäre ganz bestimmt mehr als nur lohnend.

    Aber derzeit gibt es nur eine Alternative: Mitmachen – oder draußen bleiben.
    (Gilt jedenfalls für alles, was sich oberhalb der ganz lokalen Ebene abspielt).

    Für die Fußballspieler und Fans dieser Welt wohl nicht wirklich eine Alternative.

  • für mich wird es immer ein Irrsinn bleiben, denn für mich haben Fußballer schon vor 20 Jahren zu viel Geld verdient und deshalb ist und bleibt es Irrsinn, nur dass keiner ihn stoppen kann. Ein Gehaltsdeckel wäre ja mal ein Anfang.

    Der Hunger in Asien nach Events ist gerade erstmal entfacht und wird wahnsinnig werden und auch in unseren Breitengraden wird der "Fan" ja immer bequemer. Siehe RB Leipzig, ein totals Kunstprodukt, hat nichts mehr mit einem Fußballverein zu tun, dabei haben wir so viele tolle die es seit Jahrhunderten gibt.
    Daran wird die Fankultur zerbrechen, weil der Fan im Stadion kaum noch gebraucht wird aus finanzieller Sicht und das ist einfach extrem gefährlich. Der "Krieg dem DFB" spielt dabei auch eine Rolle und den großen Knall wird es geben, Fankurven leer bleiben.

    Alles wird sich aufblähen, klar werden auch andere, kleinere daran mitverdienen, dennoch ist die Fußballwelt in Gefahr, so wie wir sie kennen.

    Aus der Sicht also alles andere als normal. In 30 Jahren gibt es vielleicht gar keine Fans mehr, alles künstlich erzeugt, Zuschauer die auf Kommando klatschen, die Spieler modifiziert mit neuester Technik, Torjubel auf Knopfdruck - ein ekelhafter Albtraum.

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