Transfertheater beschädigt Klose
Von „Everybodys Darling“ zum Buhmann

Torschützenkönig, WM-Held, Fairplay-Preisträger, Saubermann - Miroslav Klose hatte bisher ein nahezu perfektes Image. Ein böses Wort über den 28 Jahre alten Fußballspieler fiel nie, großen Respekt genoss der bescheiden auftretende Stürmer sogar in fremden Stadien. Doch sein Ruf ist innerhalb weniger Wochen ramponiert. Nach einem beispiellosen Transfertheater ist Klose für viele Fans des SV Werder Bremen zum Buhmann geworden.

dpa BREMEN. Im schnelllebigen Amüsierbetrieb Bundesliga wirkte Klose bisher wohltuend normal. Der Spätstarter, der noch im Herrenbereich auf Bezirksebene gespielt und eine Lehre zum Zimmermann absolviert hatte, war wie der perfekte Gegenentwurf zu abgehobenen internationalen Topstars wie David Beckham oder Ronaldinho. Dass er zu Beginn der Rückrunde in einer Krise steckte und mehr als 1 000 Minuten kein Tor erzielte, hatten die Werder-Fans klaglos ertragen. Auch sein immer häufiger vorgetragener Wunsch, ins Ausland wechseln zu wollen, war für sie kein Problem.

Das positive Bild in der Öffentlichkeit hat allerdings Risse bekommen. Zu den Bayern wechseln zu wollen ist für Werder-Fans schon schlimm, übertroffen höchstens von einem Transfer zum Hamburger SV. Aber das heimliche Treffen mit Münchens Manager Uli Hoeneß und Trainer Ottmar Hitzfeld hat die Fanseele tief getroffen. Bei den Anhängern ist er in Ungnade gefallen: Beim Halbfinal-Hinspiel des Uefa-Cups in Barcelona beschimpften die mitgereisten Anhänger ihren einstigen Liebling, im Gästebuch der Werder-Internetseite wird er als „geldgierig“, „Söldner“ oder „Klodollare“ bezeichnet.

Wenig schmeichelhaft war auch die Einschätzung von Werder-Manager Klaus Allofs, der Klose „eine gewisse Naivität“ unterstellte. Wie und warum es zu dem Treffen kam, dass Klose als „Informationsgespräch“ abtat, ist nicht zu klären. Sind die Versprechungen der Bayern so verlockend und groß? Oder gibt es trotz anders lautender Gerüchte gar kein Angebot eines ausländischen Topclubs? Oder ist Klose einfach nur schlecht beraten?

Die Kritik an Alexander Schütt, der sich um Kloses Management kümmert, ist jedenfalls lauter geworden. „Jeder Spieler hat den Berater, den er verdient“, lästerte Kloses ehemaliger Berater Michael Becker in der „Süddeutschen Zeitung“. Der „Kicker“ bezeichnet Schütt als „möglicherweise überfordert“. Und Werder-Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer schrieb in einer Kolumne der „Kreiszeitung Syke“: „Wie naiv oder dreist muss ein Spielerberater sein, der seinem Klienten rät, zwei Tage vor einem wichtigen Spiel mit einem anderen Verein Gespräche zu führen? Eigentlich hätte Herr Schütt sich für diesen Fauxpas bei Werder entschuldigen müssen.“

Kloses Zukunft ist offen, auch wenn es am Tag vor dem zweiten Spiel gegen Espanyol Barcelona eine Art Burgfrieden gab und der Verbleib bis 2008 verkündet wurde. Lautstarke und anhaltende Proteste des Publikums würden die Situation wahrscheinlich sehr schnell ändern. Andererseits könnten ein paar wichtige Tore in der Endphase der Saison dazu führen, dass die gekränkten Fans ihre Klose-Sprechchöre wieder anstimmen.

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