Traurig und niedergeschlagen
Ende des Traums für untröstlichen Ballack

Traurig, niedergeschlagen und innerlich leer wirkte Michael Ballack nach dem bitteren Halbfinalaus gegen Italien. Für den deutschen Kapitän ist der Traum von der Teilnahme an einem WM-Finale in ganz weite Ferne gerückt.

Die Tränen schossen aus den Augen, wie ein Häufchen Elend kauerte Michael Ballack mit leerem Blick auf dem Rasen des Dortmunder WM-Stadions. Punkt 23.28 Uhr am Dienstagabend war für den Kapitän der deutschen Nationalmannschaft eine Welt zusammengebrochen. Zu diesem Zeitpunkt wurde dem 29-Jährigen wohl auf einen Schlag bewusst, dass er in seiner von nationalen Erfolgen gekrönten Karriere möglicherweise nie mehr die Chance haben wird, in ein WM-Finale einzuziehen.

Wie in Trance

"Momentan ist es kein Trost, dass wir ein tolles Turnier gespielt haben. Vielleicht sieht es in einer Woche mit ein wenig Abstand anders aus", sagte der Kapitän rund eine Stunde nach dem bitteren 0:2. n.V. der DFB-Auswahl im WM-Halbfinale gegen Italien - und immer noch schimmerten seine Augen feucht. Wie in Trance absolvierte Ballack die wenigen Schritte von der Kabine zum Mannschaftsbus, wo er auf seinem Sitz in sich zusammensank.

Schon 2002 hatte der ehemalige Münchner, der seit dem 1. Juli beim englischen Meister FC Chelsea unter Vertrag steht, bei der WM in Südkorea und Japan das Finale der deutschen Elf gegen Brasilien (0:2) wegen einer Gelbsperre verpasst. Diesmal sollte vor eigenem Publikum endlich der großen Wurf gelingen, aber die "Azzurri" machten dem gebürtigen Görlitzer einen Strich durch die Rechnung.

Ballack hätte sich Dienstagnacht am liebsten gleich verkrochen. Denn dem Kapitän, der wegen einer Verletzung im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica gefehlt und anschließend in ungewohnt defensiver Rolle wertvolle Dienste für seine Mannschaft geleistet hatte, wurde die Krönung wieder versagt. "Es ist bitter, so auszuscheiden", meinte der völlig aufgelöste Mittelfeldstratege, der sich vor Beginn der Nachspielzeit minutenlang hatte massieren lassen.

Abfangjäger vermisst

Im Achtelfinal-Krimi gegen Argentinien am vergangenen Freitag in Berlin hatte sich Ballack trotz Wadenkrämpfen durchgeschleppt und am Ende im Elfmeterschießen scheinbar mühelos getroffen. Gegen die Italiener musste Ballack, der den gesperrten Torsten Frings sichtlich als Abfangjäger in seinem Rücken vermisste, erneut Schwerstarbeit leisten. Der torgefährlichste Mittelfeldspieler der Welt, wie ihn der frühere Teamchef Rudi Völler bezeichnete, konnte in seiner neuen Rolle seine Offensivfähigkeiten und vor allem seine Kopfballstärke kaum ausspielen.

"Michael wird im Turnier noch ganz wichtige Tore machen", hatte Bundestrainer Jürgen Klinsmann vor dem Halbfinale gemutmaßt, und wurde in der schwarzen Nacht von Dortmund eines Besseren belehrt. Nicht ein Treffer steht bei dieser WM für Ballack, der in Asien dreimal und insgesamt für die DFB-Auswahl schon 31-mal erfolgreich war, vor dem ungeliebten Match um Platz drei zu Buche. Dass er seine Bilanz bei Weltmeisterschaften in vier Jahren in Südafrika verbessern kann, bleibt zu bezweifeln: Michael Ballack wäre dann bereits 33 Jahre alt.

"Mit Chelsea die Champions League gewinnen"

Der 70-malige Nationalspieler setzt sich deshalb erstmal für die nähere Zukunft große Ziele. "Ich will mit Chelsea die Champions League gewinnen", sagte Ballack, der bis 2009 in London unterschrieben hat. Ein Erfolg in der "Königsklasse" könnte zumindest einige Tränen trocknen, nachdem er 2002 mit Bayer Leverkusen im Finale der Champions League gescheitert war. Und auch die EM 2008 in der Schweiz und Österreich sollte eine neue Herausforderung für Ballack werden: Als Kapitän der deutschen Mannschaft ist er nach wie vor unverzichtbar.

© SID

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