Trauriger Fußball-Tag

Zweiter Schock für den Weltmeister

Terrorangst statt Freundschaftsmatch: Das abgesagte Länderspiel gegen die Niederlande ist der nächste Schock für die deutsche Nationalmannschaft innerhalb von vier Tagen. Bundesliga-Spieltage finden statt.
Zwei Polizisten stehen am frühen Morgen in der leeren HDI-Arena in Hannover. Das Freundschaftsspiel Deutschland-Niederlande wurde wegen Terrorfurcht abgesagt. Quelle: dpa
Deutschland - Niederlande abgesagt

Zwei Polizisten stehen am frühen Morgen in der leeren HDI-Arena in Hannover. Das Freundschaftsspiel Deutschland-Niederlande wurde wegen Terrorfurcht abgesagt.

(Foto: dpa)

HannoverNach der Länderspiel-Absage von Hannover hat im deutschen Fußball eine Debatte um die Sicherheit begonnen. „Das wird den Fußball verändern und stellt uns vor eine neue Herausforderung“, sagte Präsident Martin Kind von Hannover 96 der Deutschen Presse-Agentur. Ligapräsident Reinhard Rauball versicherte trotz der kurzfristigen Absetzung der Testpartie zwischen der deutschen Nationalmannschaft und den Niederlanden wegen einer Terrorwarnung am Dienstagabend, die Bundesliga werde am Wochenende spielen. „Der Spieltag wird stattfinden“, sagte Rauball.

Rainer Koch, der derzeit gemeinsam mit Rauball den Deutschen Fußball-Bund (DFB) führt, warnte vor übereilten Reaktionen. „Wir müssen jetzt entsprechend besonnen damit umgehen und einfach wachsam sein und auch die Sicherheitsvorkehrungen entsprechend für zukünftige Veranstaltungen kritisch überprüfen und gegebenenfalls auch erhöhen, wo notwendig“, sagte Koch.

Es war das zweite Schockerlebnis für die Weltmeister: Die Fußball-Nationalmannschaft war schon auf dem Weg zum Stadion, da wurde der Mannschaftsbus in Hannover kurz vor der Arena gestoppt.

Statt mit dem Freundschaftsspiel gegen die Niederlande nach den direkt miterlebten Anschlägen in Paris ein Symbol für Frieden und Freiheit setzen zu können, musste Bundestrainer Joachim Löw mit seinen Spielern wieder umkehren - zurück an einen sicheren Ort.

„Dass unsere Mannschaft innerhalb von vier Tagen zweimal so ein tragisches Erlebnis miterleben muss, war in meiner Vorstellungskraft nicht möglich“, sagte Rauball bei einer Pressekonferenz

„Mein Eindruck ist, dass der Fußball in Deutschland mit dem heutigen Tage in allen Facetten eine andere Wendung genommen hat“, sagte Rauball nach der ersten Absage eines Länderspiels in Deutschland wegen Terrorgefahr.

Löw und das Team waren da schon nach Barsinghausen ins Teamquartier zurückgekehrt. Aber nur kurz. Spieler und Betreuer aus München flogen direkt heim nach Bayern. Andere Spieler wurden von Freunden abgeholt, berichtete Rauball. „Es ist ein trauriger Tag für Deutschland und ein trauriger Tag für den deutschen Fußball, sicher auch für den holländischen Fußball“, sagte der Topfunktionär.

„Eine Attacke auf die ganze Menschheit“
Bundeskanzlerin Angela Merkel
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„Wir weinen mit Ihnen. Wir werden gemeinsam mit Ihnen den Kampf gegen die führen, die Ihnen so Unfassbares angetan haben“

Der britische PREMIERMINISTER DAVID CAMERON
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Cameron zeigte sich „geschockt“ über die Anschläge in Paris und die Gewaltakte. „Unsere Gedanken und Gebete sind beim französischen Volk. Wir werden tun, was wir können, um zu helfen.“

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan
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Erdogan sagte, die Türkei kenne Terrorismus und seine Auswirkungen aus eigener Erfahrung. „Wir teilen den Schmerz sowohl von Präsident (François) Hollande und des französischen Volkes.“ Erdogan forderte, Terrorismus müsse universell verurteilt werden. Die Logik „mein Terrorist ist gut, Deiner ist schlecht“ dürfe nicht mehr gelten. „Terrorismus hat keine Religion, keine Nation, keine Rasse, kein Vaterland.“ Hollande hat wegen der Anschlagsserie in Paris seine Teilnahme am G20-Gipfel abgesagt.

Peter Altmaier
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Kanzleramtschef Peter Altmaier meldete sich auf Twitter zu Wort: „Paris ist der Sehnsuchtsort der Freiheit. Man kann es bomben - nur zerstören kann man es nicht! Wir weinen um die unschuldigen Toten von Paris. Aber wir werden uns niemals beugen dem Hass, dem Fanatismus und der Gewalt!“ Zur möglichen Schließung deutscher Grenzen schrieb er: „Wir sind in Kontakt mit Frankreich und wir tun was wir tun müssen , sobald es auch nur das geringste Anzeichen gibt.“

Mats Hummels
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Weltmeister Mats Hummels meldete sich ebenfalls via Twitter zu Wort: „Back in Germany. Unbelievable what happened yesterday. This world is fucked up right now. My thoughts are with those who lost someone they love.“

SPD-Chef Sigmar Gabriel
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Vize-Kanzler Sigmar Gabriel sichert Frankreich die Solidarität Deutschlands zu. „Die Terror-Anschläge in Paris richten sich gegen uns alle“, erklärt der Bundeswirtschaftsminister. „Wir Demokraten halten zusammen, wir werden Demokratie und Freiheit verteidigen. Hass, Gewalt und Angst dürfen keinen Platz haben, wir werden uns niemals dem Terror beugen.“

Benedikt Höwedes
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Nationalspieler Benedikt Höwedes schrieb auf Twitter: „Unsere Gedanken sind bei allen Opfern der tragischen Ereignisse von Paris. Ich bin entsetzt und erschüttert.“

Dafür, dass die DFB-Auswahl in Frankreich und nun in Hannover das primäre Anschlagsziel gewesen sei, gebe es keine Erkenntnisse, sagte Rauball. Schon das erste Schreckensszenario im Stade de France am vergangenen Freitag hatte die Spieler und Trainer tief verunsichert. Das Team musste überzeugt werden, dass das Niederlande-Spiel nicht schon am Wochenende abgesagt wurde. Die ganze Nacht hatten die Weltmeister in der Kabine in Paris ausharren müssen.

„Wir Spieler haben uns natürlich darüber unterhalten und gesagt, dass, wenn dieses Spiel stattfindet, es extrem schwierig sein wird. Wir haben uns irgendwo dann auch ein Stück weit dagegen ausgesprochen, um da mal auch ehrlich zu sein, weil wir letztendlich keine Maschinen sind, sondern auch Menschen mit Gefühlen. Auch wenn wir Profis sind, in dem, was wir machen, geht das nicht spurlos an einem vorbei“, berichtete der Dortmunder Ilkay Gündogan vor den dramatischen Ereignissen in Hannover über die Gefühlswelt der Nationalspieler.

Fünf Kilometer vor der Arena wurde der deutsche Teambus am Dienstagabend gestoppt. Der niederländische Bus fuhr direkt dahinter. Rauball telefonierte nach der Information der Sicherheitskräfte mit Löw und Teammanager Oliver Bierhoff. Löw hatte bei einer emotionalen Pressekonferenz am Montag noch erklärt, dass diese Partie zu einem Symbol für Frieden und Freiheit werden solle, jenseits jeder sportlichen Rivalität mit den Niederländern. Mit den Gästen aus dem Nachbarland waren mehrere symbolische Aktionen vor dem Anpfiff abgesprochen gewesen, um Solidarität mit Frankreich zu demonstrieren.

Ermittlungen auf Hochtouren
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