Trikotsponsoring
Auf die Brust für 500 Euro

Schlappe 500 Euro für ein echtes Trikot-Sponsoring? Beim Berliner Viertligisten Tennis Borussia (Tebe) ist das in der kommenden Saison der reguläre Preis. Der Traditionsklub verlost den begehrten Werbeplatz auf der Spielerbrust – warum Tebe in der Krise auf Kirmesmethoden bei der Sponsorensuche zurückgreift.

KÖLN. „In Zeiten von Wirtschaftskrise, Schweinegrippe und Ozonloch ist die Wahrscheinlichkeit nicht groß, dass ein betuchter Hauptsponsor auf uns zukommt“, erklärt der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Mario Weinkauf. Also startete er kurzentschlossen den Versuch, den kommenden Hauptwerbepartner einfach per Lostrommel zu bestimmen.

Seit Dienstag sind die Lose zum Stückpreis von 500 Euro zu kaufen, der Verein rechnet sich Erlöse von 125000 Euro aus, hofft also auf 250 Glücksritter. Auch die neun Trostpreise können sich sehen lassen: Ein Ärmelsponsoring ist ebenso auf dem Gabentisch wie Werbebanden-Plätze in sechs oder drei Metern Länge. Ob Tebe-Spieler eine Saison lang mit ’Sabine, ich liebe Dich’ auf Torjagd gehen müssen? „Könnte passieren“, sagt Vereinssprecher Hagen Liebing. Auch einige Fans hätten bereits den Kauf eines Loses angekündigt. Am 27. Juli werden die Gewinner notariell gezogen, „da kann nix gedreht werden“, sagt Liebing. „Vielleicht macht man die Auslosung ja ganz offen im Frühstücksfernsehen“, schwebt ihm vor.

Dass man mit seiner ganz persönlichen Trikotwerbung ins Fernsehen kommt, steht schon fest. Tebe Berlin tritt in der ersten Runde des DFB-Pokals im heimischen Mommsenstadion an, und der Bezahlsender Sky (noch: Premiere) wird live übertragen. „Das ist doch wie ein Sechser im Lotto“, sagt der Marketingleiter Peter Antony.

Es waren nicht gerade glückliche Umstände, die den Verein überhaupt an die Lostrommel getrieben haben. Liebing spricht von einer „Sondersituation“, und wird dann konkret: „Unseren bisherigen Hauptsponsor mussten wir quasi abhaken, der sitzt jetzt im Gefängnis.“ Die Rede ist von Thomas Thiel, der vor wenigen Wochen „im beiderseitigen Einvernehmen“ das Sponsorship mit der Marketinggesellschaft des Vereins auflöste und aus dem Aufsichtsrat verschwand, so der Vereinssprecher. Damit endete auch das Engagement von Thiels Unternehmen Treasure AG, das dem Verein angeblich 500 000 Euro pro Saison eingebracht hat. Der Mann verbüßt eine dreijährige Haftstrafe wegen Kindesmissbrauchs.

Die Zeit wurde knapp, um sich nach dem Einnahmeausfall die DFB-Lizenz noch zu sichern. Zunächst bat Tebe seine Alt-Sponsoren, in die Bresche zu springen und ihre Zahlungen ad hoc zu erhöhen. Es gelang. „Eigentlich hätten wir ihnen allen dafür die Brust geben müssen“, sagt Liebing. Doch es herrschte Einigkeit unter den Geldgebern, dass man über die noch freie Werbefläche lieber per Verlosung weitere Gelder generieren wollte. Die Idee der Sponsorensuche nach Kirmesmanier stammt ursprünglich vom österreichischen Zweitligisten Austria Lustenau. Den umtriebigen Klubpräsidenten Hubert Nagel drückt gerade das Problem, dass ihm sein Hauptsponsor Bet-at-home nach einem Eigentümerwechsel kurzfristig abhanden kam. Nun hat er 555 „Werbegutscheine zum Stückpreis von 1 000 Euro aufgelegt. „Der Verkauf läuft hervorragend an, wir werden die alle los“, sagt Nagel. Der Clou: Auch die Werbegutscheine kommen in einen Lostopf, und der am 7. Juli gezogene Gewinner schmückt die Brust der Austria in der Saison 2009/10. „Die übrigen Gutscheine lassen sich vielfältig einlösen, sei es als Lautsprecherdurchsage, kleiner Bandenplatz oder Inserat in der Spielzeitschrift.“ Den Werbewert des Hauptgewinns beziffert der Verein auf über 500 000 Euro. Ausgeschlossen sind Kirchengemeinschaften, politische Parteien, andere Klubs und Personen, die einen unsittlichen Zweck verfolgen.

Wer die Gutscheine kauft? „Das geht kreuz und quer“, sagt Nagel. „Von Fans über kleine Gasthäuser, die sich die Chance nicht entgehen lassen wollen, bis hin zu ganz großen Firmen.“ Seine Sorge: Wenn die bisherigen Werbepartner ihre Rechnungen nur noch mit Gutscheinen bezahlen, wäre das zwar legitim. „Aber gewonnen hätten wir dann nichts.“

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