Trotz des Erfolges in Mönchengladbach
Eiszeit auf Schalke

Die Spieler schweigsam, der Trainer düpiert - beim FC Schalke 04 herrscht nach dem Sprung auf den dritten Tabellenplatz Eiszeit.

dpa MÖNCHENGLADBACH. Beim 2:0-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach unterstrichen die Königsblauen zwar wieder ihre sportlichen Ambitionen in der Fußball-Bundesliga, doch der in die Schusslinie geratene Trainer Mirko Slomka wurde von seinen eigenen Profis abgestraft. Beim Torjubel zum entscheidenden 2:0 durch Gustavo Varela ließen die Schalker Spieler ihren Coach im Regen stehen und jubelten stattdessen demonstrativ mit dem von Slomka ausgemusterten Torhüter Frank Rost. Anschließend genossen Kuranyi und Co. ihren Erfolg schweigend, denn der Medienboykott der Profis hält unvermindert an.

Slomka nahm die Jubel-Geste gelassen und hatte seine eigene Erklärung parat. „Ich habe das anders erlebt. Ich finde das äußerst positiv, weil das zeigt, dass Frank Rost äußerst beliebt ist in dieser Mannschaft. Dass ich nach dem Jubel kein begehrtes Objekt bin, ist doch normal“, sagte der Coach, der Unterstützung von Andreas Müller erhielt. „Das zeigt, dass das Team in Ordnung und Rost als Teamspieler anerkannt ist“, meinte der Schalker Manager. Die TV-Kameras fingen aber auch ein, dass Rost seinen Trainer nach dem Spiel beim Handschlag keines Blickes würdigte.

Slomka lobte stattdessen seine Mannschaft, „die viele Dinge von außen verdrängt und sich auf den Punkt konzentriert“. Dabei kam seinem ersatzgeschwächten und keinesfalls überragenden Team allerdings ein hoffnungslos überforderter Gegner, der auch noch ein Eigentor durch Ze Antonio vorlegte, gerade recht.

Trotz sportlichen Erfolges bleibt Slomka mit seinen Maßnahmen umstritten. Seine Profis hat der ehemalige Co-Trainer offensichtlich nicht mehr so im Griff wie das nötig wäre. Dennoch behauptet der 39-Jährige, dass die Zusammenarbeit mit dem Team hervorragend sei. Dies sieht die Clubführung wohl ähnlich. Befragt nach einer möglichen Vertragsverlängerung Slomkas antwortete der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Josef Schnusenberg: „Stellen Sie sich vor, wir gewinnen auch die nächsten sechs Spiele, dann brauchen wir gar nicht über den Trainer zu reden.“

Manager Müller hatte zudem Verständnis dafür, dass die Profis derzeit keine Interviews geben. „Die letzten Wochen haben Spuren hinterlassen. Die Kritik war ein Stück weit berechtigt, aber was darüber hinaus berichtet wurde, ging vielleicht ein wenig zu weit“, sagte Müller, der auch ein baldiges Ende des Boykotts in Aussicht stellte. „Es ist die Pflicht der Spieler, mit den Medien zu sprechen. Vielleicht reden sie schon nach dem Spiel gegen Mainz wieder“, sagte Müller. Slomka hatte den Medien zuvor sogar „Bösartigkeit“ unterstellt und die Berichterstattung „erstunken und erlogen“ genannt.

Probleme ganz anderer Art hat nach fünf Niederlagen in Serie Ligakonkurrent Borussia Mönchengladbach. Die von Personalproblemen geplagte Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes blieb den Beweis ihrer Bundesligatauglichkeit schuldig. „Es ist deprimierend, so zu Hause zu verlieren“, befand Heynckes, der gleich fünf Spieler, die 21 Jahre und jünger sind, in der Startelf hatte.

„Da fehlte gegen eine Mannschaft, die das Zeug hat, Meister zu werden, Erfahrung und Qualität“, sagte der Borussen-Coach, der es bisweilen mit dem Jugendkult allerdings auch übertreibt und zudem heftig rotieren lässt. Während auf der Ersatzbank fünf international erfahrene Profis saßen, debütierte in der Abwehr der 18 Jahre alte A-Junior Tim Rubink, der wegen Überforderung nach 45 Minuten wieder ausgewechselt wurde. „Natürlich ist es schwierig mit den Umstellungen, aber wir müssen jetzt höllisch aufpassen. Es muss was passieren“, sagte Borussen-Profi Michael Delura.

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