Trotz desolater Hinrunde
Klopp will „auf keinen Fall die Brocken hinschmeißen“

Der BVB steht nach 17 Spieltagen auf einem Abstiegsplatz. Trainer Jürgen Klopp beschönigt nichts, man habe „ die beschissenste Vorrunde“ gespielt. Aufgeben will er aber nicht – und bekommt Zuspruch von einem Ex-Bayern.
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DortmundErstmals seit 30 Jahren steht Borussia Dortmund nach 17 Spieltagen wieder auf einem direkten Abstiegsplatz. Nur das 2:2 am Sonntag zwischen dem Tabellenletzten Freiburg und Hannover verhinderte den Absturz auf Rang 18. Bei dieser bedrohlichen Lage sprach BVB-Coach Jürgen Klopp Klartext: „Dass wir dastehen wie die Vollidioten, geschieht uns recht. Wir haben die beschissenste Vorrunde gespielt.“

Beim 1:2 in Bremen präsentierte sich die Borussia zum wiederholten Mal wie ein Abstiegskandidat. Darüber hinaus gibt die Gesamtbilanz zu denken: Keine Mannschaft kassierte in dieser Saison mehr Niederlagen (10), kein Team verbuchte weniger Auswärtspunkte (4). Neben der schlechten Defensive – insgesamt kassierten die Dortmund 26 Gegentreffer, vier mehr als in der ganzen Meistersaison 10/11 – ist vor allem die Offensive, in der Vergangenheit eine der großen Stärken des BVB, ein Problem. Nur 18 Treffer erzielte die Borussia und damit die drittwenigsten der Liga.

Nicht zuletzt deshalb sehnen alle Beteiligten die Rückkehr von derzeit verletzten Leistungsträgern wie Marco Reus und Henrich Mchitarjan zum Rückrundenstart herbei. „Sollten wir alle Mann durch die Vorbereitung bekommen und dann Ende Januar mit den vermeintlich stärksten Spielern antreten können, dann werden wir auch wieder ein anderes Gesicht zeigen. Aber es gibt keine Garantie, dass es besser wird“, warnte Kapitän Mats Hummels.

Coach Klopp zeigte sich kämpferisch. Er werde in der dreiwöchigen Vorbereitung hart mit der Mannschaft arbeiten und ein „erbitterter Jäger“ sein, kündigte er an. Die Verpflichtung neuer Spieler im Januar schloss der 47-Jährige nicht aus, ein Allheilmittel sieht er in Einkäufen aber nicht: „Bei aller Ernsthaftigkeit macht Aktionismus keinen Sinn. Wir leben extrem vom Training. Nun müssen wir die Körper wieder in die richtige Verfassung bringen.“

Der Wille sei seinen Schützlingen nicht abzusprechen, aber besonders der Drei-Tage-Rhythmus durch Bundesliga und Champions League habe ihnen zu schaffen gemacht. „Die Rückrunde wird nicht leichter, aber wir werden vorbereitet sein“, sagte Klopp, den Ende Januar gleich ein schweres Gastspiel bei Bayer Leverkusen erwartet.

Einen Rücktritt schloss Klopp erneut kategorisch ausgeschlossen. „Ich werde auf keinen Fall die Brocken hinschmeißen“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Er habe sich selbst hinterfragt und „mit Sicherheit auch Fehler gemacht“. Das Positive sei aber, dass der Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz nur zwei Punkte betrage.

Zuspruch bekam er von Trainer-Ikone Jupp Heynckes. „Ich denke, dass alle großen Trainer Höhen und Tiefen durchmachen. So ist es jetzt beim Jürgen. Borussia Dortmund hat in den vergangenen Jahren immer eine Einigkeit demonstriert. Im Präsidium mit dem Trainer, der Trainer mit der Mannschaft. Ich denke, das ist jetzt mehr nötig, als je zuvor. Der Trainer muss vorneweg gehen“, sagte er beim Pay-TV-Sender Sky.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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