Tschechien steht nach WM-Aus vor einem Umbruch
Das traurige Ende der „goldenen Generation“

Sie waren angetreten um zu ihrem letzten Angriff auf einen historischen Titel zu blasen. Als am Donnerstagabend in Hamburg nach der 0:2-Niederlage gegen Italien für die "goldene Generation" der Tschechen die letzte Klappe bei dieser WM fiel, war die Enttäuschung riesig.

HAMBURG. Als es vorbei war, kniete sich Pavel Nedved kurz auf den Boden der Arena und sprach ein schnelles Gebet. Anschließend tauschte er das Trikot mit seinem "Juve"-Mannschaftskameraden Alessandro del Piero. Es war wohl der endgültige Abgang des Mittelfeldstars der Tschechen, der erst zu den beiden WM-Relegationsspielen gegen Norwegen in das Team zurückgekehrt war, von der Länderspielbühne.

"Ich werde mich nach meinem Urlaub mit dem Trainer darüber unterhalten, wie meine Zukunftsmöglichkeiten aussehen. Jetzt will ich mich erst einmal ausruhen", sagte der 33-Jährige zwar und hielt sich damit alle Türen offen. Doch dass er dieses Mal bleibt, scheint so gut wie ausgeschlossen. "Nedved gehörte zu den besseren Spielern bei diesem Turnier", sagte sein Trainer Karel Brückner, "davon hätten wir mehr gebraucht." Doch auch dieses Lob dürfte Nedved angesichts seines fortgeschrittenen Alters und der erlebten Enttäuschung nicht umstimmen.

Er dürfte nicht der einzige sein, der seine Länderspielkarriere beendet. Jan Koller (33), Karel Poborsky (34), Tomas Galasek (33), Vratislav Lokvenc (32), René Bolf (32) und für das Turnier verletzungsbedingt ausgefallene Vladimír Smicer (33) - für sie alle dürfte die nächste WM 2010 in Südafrika zu spät kommen. Gut möglich, dass sie deshalb den Weg für Jüngere frei machen. "Da müssen sie die Spieler fragen", wollte zumindest Brückner keinen totalen Umbruch ankündigen. Wie auch. Hat er doch selbst schon vor dem Turnier gesagt, dass er anschließend seinen Hut nehmen wird. Vielsagend schob er jedoch noch hinterher: "Die Spieler über 30 haben ihre Leistung gebracht." Eine Spitze insbesondere gegen jüngere Akteure wie Mittelfeldakteur Jaroslav Plasil vom AS Monacco oder Verteidiger Zdenek Grygera von Ajax Amsterdam sowie all jene, die zwar im Kader waren, sich aber trotz der Probleme nicht für einen Einsatz aufdrängen konnten - und ein Hinweis darauf, welches Dilemma diese WM für die Tschechen, die bereits heute Morgen ihr Hotel im rheinland-pfälzischen Westerburg geräumt haben und mit einer gecharterten Boeing vom Flughafen Siegerland aus die Heimreise antraten, offenbart hat.

Dabei hatte alles so gut angefangen. Mit riesigen Erwartungen war der "ewige Geheimfavorit" aus dem östlichen Nachbarland nach Deutschland angereist. "Diese Elf ist unsere beste aller Zeiten", hatte schon vor dem Turnier Tschechiens Fußballer des Jahrhunderts, Josef Masopust, geschwärmt und seinen Teil dazu beigetragen, die Hoffnungen auf ein letztes Hurra der "Fußball-Methusalems" zu nähren. "Das Achtelfinale ist Pflicht", hatte nicht nur Mittelfeldstratege Pavel Nedved als unterste Richtschnur ausgegeben. Nur selbstverständlich für eine Mannschaft, die hinter Brasilien immerhin Platz zwei der offiziellen Fifa-Weltrangliste belegt.

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