Tunesiens Nationalcoach Lemerre verspricht Deutschland einen heißen Tanz
Angriffslustige Adler

Die "Adler von Karthago" hatten keine Chance - doch die hätten sie beinahe genutzt. Außenseiter Tunesien war gestern Abend im Auftaktspiel Auftaktspiel des Confederations Cup 2005 in Köln nahe dran an einem überraschenden Punktgewinn gegen Topfavorit Argentinien. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Nun soll es eben am Samstag (18 Uhr, Köln) gegen Deutschland mit der ersten Überraschung klappen. Trainerfuchs Roger Lemerre ("Das war ein guter Start für uns") sieht seine Mannschaft trotz der Niederlage jedenfalls gestärkt - und kündigte gut gelaunt der Klinsmann-Elf schon einmal einen heißen Tanz an.

KÖLN. "Die Großen ärgern" - mit diesem Ziel war der Afrikameister nach Deutschland angereist. Und gegen die Südamerikaner wurde das Team dem Anspruch durchaus gerecht. Dabei hatte Lemerre eigentlich nur eine B-Elf aufgeboten und sechs Stammspieler - darunter seine Stars, die beiden gebürtigen Brasilianer Santos und Clayton - nach zwei schweren WM-Qualifikationsspielen in der Vorwoche auf der Bank gelassen. Doch selbst die vermeintliche zweite Garde hatte es den Südamerikanern vor allem in der Schlussphase, als sogar noch der Ausgleich in der Luft lag, mehr als schwer gemacht "Als die Tunesier den Anschlusstreffer gemacht haben, wurde es noch einmal sehr gefährlich für uns. Da habe ich mir schon Sorgen gemacht", räumte Argentiniens Coach Jose Pekerman freimütig ein.

Gegen Deutschland will Lemerre sich den Luxus vom Mittwoch nicht mehr erlauben. "Am Samstag wird die Mannschaft ein anderes Gesicht haben", kündigte er die Rückkehr der eigentlichen Stammspieler ins Team an. Der Franzose wehrte sich allerdings gegen den Vorwurf, nur eine Reserve-Truppe aufgeboten zu haben: "Das ist Unsinn und nicht fair gegenüber den Spielern. Es haben vielleicht unbekannte Leute gespielt, aber alle sind sehr talentiert."

Gegen Deutschland erwartet Lemerre so oder so ein ganz anderes Match. "Die Deutschen spielen einen ganz anderen Fußball, von der Taktik, von der Spielanlage." Dabei, glaubt Lemerre, wird seiner Mannschaft entgegenkommen, dass die Unterschiede in den technischen Fer-tigkeiten nicht so groß sein wird wie im Vergleich zu den Argentiniern. "Wir sind klein und beweglich, die Deutschen groß und kräftig. Das ist unsere Waffe", und fügte hinzu: "Viele kleine Moskito-Stiche tun den großen Teams weh."

Seine Spieler gehen die Sache noch ein wenig angriffslustiger an: "Jetzt muss ein Sieg gegen Deutschland her. Sie sind physisch stärker, aber technisch nicht so stark wie die Argentinier. Deshalb wird es einfacher für uns", sagte Radhi Jaidi von den Bolton Wanderers. "Wir haben es satt, bei großen Turnieren immer in der Vorrunde raus zu fliegen."

Auch bei Argentinien wird es nach der mäßigen Vorstellung zum Auftakt trotz des erklärten Ziels "Turniersieg" wohl ein munteres das Wechselspiel geben. Nachdem schon gegen Tunesien sechs andere Gesichter als beim 3:1-Prestigeerfolg im WM-Qualifikationsspiel über Weltmeister Brasilien vor wenigen Tagen auf dem Platz standen, wird sich das Personalkarussell beim zweiten Gruppenspiel gegen Australien erneut kräftig drehen. "Wir wissen, dass einige Spieler sehr müde sind", ließ Pekerman keinen Zweifel, dass am Samstag gegen Australien die Karten völlig neu gemischt werden. Ob das allerdings heißt, das etwa die Inter-Mailand-Stars Zanetti und Cambiasso oder Real-Star Walter Samuel in Nürnberg erste Wahl in der "Albiceleste" sind, ließ der Co-ach offen. Wohl dem, der dank eines vor Qualität nur so strotzenden Kaders so viele Alternativen hat.

Marc Renner  Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
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