TV-Einnahmen
EU nimmt Profifußball ins Visier

Der FC Bayern München ist ein wohlhabender Fußballverein. Doch im Vergleich zu Clubs wie Real Madrid reicht es eher selten zu international prominenten Transfers. Ein Grund dafür: Die spanischen Vereinen erhalten bis zu fünf Mal mehr Gelder aus der Vermarktung ihrer Fernsehrechte. Die EU schickt sich nun an, diesen Missstand zu beheben.

BRÜSSEL. Die EU-Kommission will durchsetzen, dass die Fernseheinnahmen der Fußballclubs künftig gerechter verteilt werden. In einem Strategiepapier zur Sportpolitik fordert der zuständige Kommissar Ján Figel die zentrale Vermarktung der Fernsehrechte durch die Fußballverbände. Morgen will die Kommission Figels „Weißbuch Sport“ offiziell beschließen.

Damit bezieht Brüssel erstmals Position in einem erbitterten Streit unter den europäischen Proficlubs – und wird für Fußballfunktionäre wie Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge und Uefa-Präsident Michel Platini zu einem wichtigen Spielfeld. „Der FC Bayern München begrüßt den Kommissionsvorschlag zur zentralen Vermarktung von Fußballrechten“, sagte Rummenigge dem Handelsblatt. Ein fairer Wettbewerb unter Europas Fußballclubs setze voraus, dass die TV-Gelder in allen EU-Ländern gerecht verteilt werden.

In Spanien und Italien dürfen die Vereine ihre Fernsehrechte bisher selbst verkaufen. Spitzenclubs wie Real Madrid und dem Champions-League-Gewinner AC Mailand beschert dies Einnahmen von 125 bis 150 Mill. Euro im Jahr.

Die Konkurrenten aus Ländern mit zentraler Fernsehvermarktung wie Deutschland, Frankreich und den Niederlanden sehen sich dadurch massiv benachteiligt. So kassierte Bayern München nach eigenen Angaben vergangene Spielzeit TV-Einnahmen in Höhe von nur 25 Mill. Euro. Im Wettstreit um Weltklassespieler ziehen deshalb die Bayern oder Clubs wie Olympique Marseille und Ajax Amsterdam regelmäßig den Kürzeren. Dies hat zur Folge, dass einige wenige Mannschaften aus Spanien, Italien und England den Gewinn der Champions League praktisch unter sich ausmachen.

In Brüssel sieht man darin ein Problem für die Attraktivität des Fußballs. „Die Kommission erkennt die Bedeutung einer gerechten Umverteilung der Einnahmen der Vereine an“, heißt es in dem Weißbuch. Die EU-Behörde veröffentlicht so genannte Weißbücher üblicherweise als Vorläufer zu einem Gesetz. Figel gibt in seinem Papier denn auch die Richtung vor. Die zentrale Vermarktung der Fernsehrechte könne ein wichtiges Instrument dieser Umverteilung sein und damit zur Erreichung von mehr Solidarität im Sport, schreiben seine Beamten darin.

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